Markus Krösche von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt startet mit Ungewissheit und einigen Baustellen in die neue Bundesliga-Saison. Sportvorstand Markus Krösche schließt weitere Abgänge nicht aus, Axel Hellmann kämpft um die Fans. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Audioseite Eintracht Frankfurt: Pressekonferenz zum Saisonauftakt

Markus Krösche und Axel Hellmann
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Corona, Kostic, Konzeptfußball: Vorstand Axel Hellmann und Sportvorstand Markus Krösche haben am Mittwoch mit der obligatorischen Saisoneröffnungs-Pressekonferenz den Endspurt der Vorbereitung eingeläutet und dabei zu allerlei Themen rund um Eintracht Frankfurt Stellung bezogen. Die Auswirkungen der Pandemie wurden dabei genauso erläutert wie die geplanten (oder nicht geplanten) Aktivitäten auf dem Transfermarkt und die allmähliche Rückkehr der Fans. Der aktuelle Stand im Überblick.

Wie ist die Stimmungslage?

Trotz des blamablen Ausscheidens im DFB-Pokal natürlich betont positiv. Die Vorfreude auf das Ende der Geisterspiel-Zeit drängt mögliche Sorgen nach der schwachen Leistung gegen Waldhof Mannheim deutlich in den Hintergrund. "Endlich wieder Fußball. Der Hunger und der Appetit sind spürbar", versicherte Hellmann. "Die Jungs sind gut vorbereitet und freuen sich auf Dortmund", fügte Krösche an. Die Vorbereitung sei gut gelaufen, die Pläne von Trainer Oliver Glasner würden immer besser funktionieren. Na, dann kann's ja losgehen.

Wie läuft das mit der Fan-Rückkehr?

Seit Dienstag ist klar: Zum ersten Heimspiel gegen den FC Augsburg am 21. August (15.30 Uhr) sind insgesamt 25.000 Fans zugelassen. Das Frankfurter Gesundheitsamt genehmigte ein entsprechendes Konzept der Eintracht und weckte damit prompt Hoffnungen auf mehr. Geht es nach Hellmann und Krösche, soll die halbe Auslastung nämlich nur ein Anfang sein. "Vielleicht erleben wir in diesem Jahr ja sogar noch ein paar Spiele vor 50.000 Zuschauern", so Hellmann. Im Budget kalkuliert die Eintracht aber nur mit einem Schnitt von 25.000.

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Dürfen Ungeimpfte auch ins Stadion?

Ganz klar: ja. Während andere Vereine wie der 1. FC Köln oder Borussia Dortmund ihre Stadiontore nur für Geimpfte oder Genesene öffnen werden, wird es bei der Eintracht immer ein größtmögliches Kontingent für Ungeimpfte mit negativem Corona-Test geben. "Wir wollen versuchen, alle teilhaben zu lassen", so Hellmann. Der Vorstand stellte aber klar, dass der Weg zurück in eine Fan-Normalität für geimpfte Personen deutlich schneller und leichter sein werde. Die Eintracht wird deshalb auch weiterhin Impf-Aktionen rund um die Heimspiele starten.

Welche Rolle spielt die Inzidenz?

Laut des Frankfurter Gesundheitsamts gilt die derzeitige Verordnung bis zu einer Inzidenz von 100. Sollte dieser Wert überschritten werden, müsste das Stadion nach aktuellem Stand wieder leer bleiben. Der vorherige Schwellenwert von 35 war zuvor vom Gesundheitsamt gestrichen und nach eigenem Ermessen auf 100 erhöht worden. Über dieser Grenze seien "Veranstaltungen praktisch nicht genehmigungsfähig", erklärte ein Sprecher auf hr-sport-Nachfrage.

Geht es nach Hellmann, könnte jedoch auch dieser Wert bald fallen: "Wir halten die Inzidenz für keinen aussagekräftigen Parameter, solange die Mortalität oder Hospitalisierung nicht ausschlagen." Heißt: Solange die Sterberate nicht massiv ansteigt oder die Intensivstationen zu voll werden, sieht die Eintracht keinen Grund, die Anzahl der Fans wieder zu minimieren.

Wann kommt die aktive Fan-Szene zurück?

Das kann niemand so genau vorhersagen. Der harte Kern der Frankfurter Fan-Szene will aus Solidaritäts-Gründen den halbvollen Stadien weiter fernbleiben. Stichwort: alle oder keiner. Auch die zunehmende – und den Impf- oder Test-Nachweisen geschuldete – Personalisierung schmeckt den Anhängern nicht. Da die Unterstützung von den Rängen jedoch immer schon ein Faustpfand der Eintracht war und die Hessen auf diese besondere Atmosphäre angewiesen sind, kündigte Hellmann Gespräche an. "Ich verstehe die Haltung dieser Fans. Aber wir leben von den Emotionen und werden kämpfen, sie wieder ins Stadion zu bekommen."

Wie ist die finanzielle Lage?

Dass die Corona-Pandemie der Eintracht einen Verlust von 45 Millionen Euro und einen Umsatzrückgang von 70 Millionen Euro beschert hat, ist schon länger bekannt. Wie groß das finanzielle Polster noch ist, bleibt jedoch ein Geheimnis. Sportvorstand Krösche wollte oder konnte die Frage, ob noch genug Geld für weitere Verpflichtungen da sei, nicht beantworten. Hellmann verwies nur darauf, dass es auch in dieser Saison nur eine sehr begrenzte Planungssicherheit gebe. "Da sprechen wir von Tagen, maximal Wochen." Ein Indikator zum Verständnis der Lage: 10.000 freie Plätze im Stadion führen zu einem Verlust von zehn bis zwölf Millionen Euro.

Werden noch Neuzugänge kommen?

Glaubt man Kaderplaner Krösche, sind derzeit alle Beteiligten mit dem Aufgebot "im Großen und Ganzen zufrieden". Den Verlust von 28-Tore-Mann André Silva müsse man ohnehin im Kollektiv auffangen. Nach der Veränderung auf der Trainerposition sei es zudem normal, dass "die Dinge noch etwas ruckeln", betonte er. Angesichts der Unterbesetzung im Sturmzentrum durchaus gewagte Aussagen. Noch hat Krösche bis zum Ende der Transferperiode am 31. August Zeit, seine Meinung zu ändern.

Bleibt Filip Kostic?

Auch dieses Thema wird die Eintracht wohl noch länger beschäftigen. Das am Mittwoch kolportierte Angebot von Lazio Rom lächelte Krösche zwar mit einem Verweis auf die wilde italienische Medienlandschaft locker weg. Da er aber immer wieder betonte, dass auch das Generieren von Transfererlösen zu seinen Aufgaben zählt, ist wohl nur sicher, dass nichts sicher ist.

Müssen also noch Spieler gehen?

So klang es jedenfalls. "Solange das Transferfenster offen ist, kann es immer Situationen geben, dass Angebote kommen, die wir nicht ablehnen können. Es kann sein, dass uns noch jemand verlässt", stellte Krösche klar. Heißt: Sollte das Geld stimmen und Spieler XYKostic eine neue Herausforderung suchen wollen, wird sich die Eintracht nicht querstellen.

Wie weit ist Talent Fabio Blanco?

17 Jahr, lockiges Haar: Zumindest optisch ist Fabio Blanco einer der auffälligsten Spieler der Vorbereitung. Das mit viel Mühen nach Frankfurt gelockte spanische Toptalent ist von einem Einsatz in der Bundesliga aber wohl noch ein gutes Stück entfernt. Beim Pokalspiel in Mannheim reichte es noch nicht für einen Platz im Kader, im Training mischt er nicht immer voll mit. Belastungssteuerung, nennt man das. "Fabio macht das aber super", beteuerte Krösche. "Er ist auf einem guten Weg, aber er braucht Zeit." Es ist also noch etwas Geduld gefragt.

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Was sind die Ziele für diese Saison?

Auch das blieb etwas im Trüben. Nach dem Wechsel auf der Trainerbank, dem Verlust von Toptorjäger Silva und den finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise geht Eintracht Frankfurt in "eine Saison der Unwägbarkeiten", wie Hellmann es ausdrückte. "Wir wissen nicht so genau, wo wir stehen."

Und auch Krösche ging bei seiner Vorhersage nicht wirklich in die Offensive. Wichtig sei ihm, einen Kader zusammenzustellen, der sportlich überzeugt und gleichzeitig Raum lässt, um Spieler zu entwickeln, die dann mit Gewinn verkauft werden können. Nur in der Europa League will er definitiv möglichst lange dabei sein. "Da wollen wir auf jeden Fall die Gruppenphase überstehen."

Macht die Bundesliga überhaupt noch Spaß?

Ja, auch diese Frage wurde angesichts der sinkenden Anzahl an klangvollen Vereinsnamen in der deutschen Beletage des Fußballs diskutiert. "Die Liga ist aktuell kein Produkt, das international für Furore sorgt", unterstrich Hellmann. Eine Lösung ist derzeit jedoch nicht in Sicht. Klar sei, dass es keinen Artenschutz für Traditionsclubs geben könne. Klar sei aber auch, dass es Clubs, "die auf der grünen Wiese entwickelt wurden", aktuell deutlich leichter hätten als Vereine wie Schalke, Bremen oder der HSV. "Ich mache mir Sorgen um die Attraktivität der Liga." Wohl zu Recht.

Und wer wird Deutscher Meister, Herr Krösche und Herr Hellmann?

"Der FC Bayern."

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