Ante Rebic von Eintracht Frankfurt

Unruhe in der Kabine, lustlose Auftritte auf dem Rasen: Ante Rebic ist bei Eintracht Frankfurt vom Pokalhelden zur Streitfigur geworden. Ein Verbleib wird zunehmend unwahrscheinlicher, noch hapert ein Wechsel aber am Geld.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht Frankfurt: Dost-Transfer und Rebic-Probleme

Bas Dost
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Es ist etwas mehr als ein Jahr her, da machte sich Ante Rebic mit seinem Doppelpack im DFB-Pokal-Finale in Frankfurt für immer unsterblich. Bruda Ante war das Gesicht der internationalen Eintracht-Gang, die den ersten Titel seit 30 Jahren nach Hessen holte und im Anschluss halb Europa das Fürchten lehrte.

Gemeinsam mit Sébastien Haller und Luka Jovic stieg Rebic zu einem der spannendsten und gefährlichsten Sturmreihen des Kontinents auf, die Büffelherde war geboren und entwuchs der Eintracht im Eiltempo. Haller und Jovic zog es in diesem Sommer zu Top-Clubs mit Top-Gehältern, Rebic ist noch in Frankfurt. Und das ist inzwischen ein Problem.

Rebic forciert Wechsel zu Top-Club

Denn Rebic, das ist aus dem Umfeld der Eintracht immer wieder zu hören, hat sich vom Leistungsträger zum Unruhestifter entwickelt. Schon gegen Ende der vergangenen Rückrunde soll der kroatische Vizeweltmeister zunehmend ungehalten auf das Verpassen der Champions League reagiert und seine Mitspieler für das Verfehlen der großen Ziele verantwortlich gemacht haben.

Das Klima in der Kabine litt, genau wie Rebics Stand im Team. Als dann auch noch Haller und Jovic gingen, nagte das zusätzlich am Gemüt des Kroaten, der sich – sportlich durchaus zu Recht – zu Höherem berufen fühlt. "Es ist sein Wunsch, für einen großen Club zu spielen", bestätigte Sportvorstand Fredi Bobic.

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Rebic und sein Berater Fali Ramadani haben die Pläne einer Neuausrichtung, die der Kroate bereits unmittelbar nach Saisonende intern geäußert haben soll, inzwischen offiziell bei Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner hinterlegt. Rebic sieht seine Zukunft nicht in Frankfurt, Rebic will weg. Und zwar schnell.

"Wenn er hier bleiben möchte, will ich, dass er das auch zeigt. Wenn nicht, müssen wir eine Lösung suchen", hatte Trainer Adi Hütter unmittelbar nach der 0:1-Niederlage in Straßburg Druck auf Rebic und die Verantwortlichen ausgeübt. Wenige Tage vor Ende der Transferphase verlangt und braucht Hütter Planungssicherheit.

Funktioniert die Eintracht mit Rebic noch?

Dabei gibt es jedoch gleich drei Probleme: Das eine ist Rebic selbst, der es sich mit seinem Verhalten und dem Lustlos-Auftritt im Play-off-Hinspiel bei seinen Mitspielern zunehmend verscherzt hat. "Wir können nur bestehen, wenn alle elf Spieler auf dem Platz Gas geben. In der ersten Halbzeit haben nicht alle mitgearbeitet", hatte Torhüter Kevin Trapp Rebic in der vergangenen Woche ungewohnt harsch öffentlich angezählt, ohne seinen Namen zu nennen. Makoto Hasebe wählte nach der 1:2-Pleite in Leipzig ähnliche Worte.

Die Mannschaft hat es offenbar satt, dass Rebic auf dem Platz öfter durch Abwinken als durch Nachsetzen auffällig wird. Die Zeiten, in denen sich Rebic aufgrund seiner herausragenden individuellen Klasse Freiheiten und Auszeiten nehmen konnte, sind vorbei.

Das Geld muss stimmen

Das zweite Problem ist, dass bis dato offenbar kein adäquates Angebot bei der Eintracht eingegangen ist. Das anfängliche Preisschild von knapp 40 Millionen Euro wurde dem Vernehmen nach zwar nach unten korrigiert. Da die Hessen aber auch noch einen erheblichen Teil der Transfer-Einnahmen an den AC Florenz abdrücken müssen, sind nach unten Grenzen gesetzt. "Es können noch verrückte Dynamiken entstehen", betonte Bobic am Sky-Mikrofon. "Aber die Parameter müssen stimmen." Heißt: Rebic kann die Eintracht gerne verlassen, wenn die Kohle stimmt. Das ist bislang allerdings nicht der Fall.

Sollte einer der Interessenten, zu denen auch der FC Bayern zählt, im Transferphasen-Endspurt doch noch die Geldschatulle ganz weit öffnen, würde das jedoch zwangsläufig zu Problem Nummer drei führen: Wer soll Rebic ersetzen? Mit Dejan Joveljic, Goncalo Paciencia und Bas Dost stehen derzeit drei Stürmer im Kader, mindestens ein weiterer, besser zwei, müssten kommen.

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Spätestens seit dem Theater um Dost weiß aber wohl jeder in Frankfurt, wie kompliziert und zeitintensiv die Verpflichtung eines Angreifers sein kann. Das Transferfenster schließt am 2. September um 18 Uhr. Auf Bobic und Hübner warten einige schlaflose Nächte.

Spiel des Jahres vor der Brust

Und dann wäre da auch noch das eminent wichtige und von Trapp zum "Spiel des Jahres" ausgerufene Playoff-Rückspiel am Donnerstag (20.30 Uhr) gegen RC Straßburg. Die Eintracht muss mindestens zwei Treffer erzielen, um in die Europa League einzuziehen. Da Dost noch nicht spielberechtigt ist und Paciencia und Joveljic vornehmlich als Joker eingeplant sind, gehen Trainer Hütter im Sturm die Alternativen aus. An Rebic, der seine Wadenverletzung auskuriert hat und am Dienstag wieder ins Training einstieg, geht sportlich kein Weg vorbei. Wie das Team seine Nominierung aufnehmen würde, ist allerdings völlig offen.

Sollte sich Rebic ein letztes Mal aufraffen können und die Eintracht mit einer couragierten Leistung nach Europa führen, würden ihm Fans und Spieler die Zickereien der vergangenen Monate wohl verzeihen. Sollte Rebic weiter bocken, versaut er der Eintracht womöglich die Zukunft. Und sich selbst den versöhnlichen Abschied, den er verdient hätte.

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