Innenminister Beuth und zündelnde Eintracht-Fans
Peter Beuth fordert Gefängnisstrafen für Zündler. Bild © Imago

Die deutschen Innenminister denken darüber nach, Pyrotechnik im Stadion künftig mit Gefängnis zu bestrafen. Für unseren Redakteur der völlig falsche Weg. Ein Kommentar von Dieter Sdun.

Was soll das? Wie können Politiker ernsthaft glauben, härtere Strafen würden das Pyro-Problem lösen? Denn das müssten doch auch die Beuths dieser Welt wissen: Strafandrohung schützt nicht vor Straftaten. Die Vollpfosten, die in den Stadien Pyros zünden, werden sich von einer Verschärfung des Sprengstoffgesetzes nicht abschrecken lassen. Den Krieg gegen Drogen gewinnt man schließlich auch nicht, indem man Drogen verbietet.

Wer sich von brennenden Pyros in den Stadien bedroht fühlt, muss einsehen: Totale Sicherheit wird es erst geben, wenn ein Stadionbesuch sich anfühlt wie eine Reise nach Nordkorea. Totale Sicherheit geht nur über totale Kontrolle.

Die Vernüftigen müssen angesprochen werden

Mich wundert, wie populistisch an sich harmlose Politiker wie Peter Beuth (CDU) hier auftreten. Gibt es inzwischen einen Klimawandel auch in den Köpfen? Weil Hardliner von Trump bis zur AfD ständig Strafverschärfungen für alles fordern, um die Massen zu befriedigen, ahmen Demokraten das jetzt nach?

Natürlich sind Pyros brandgefährlich und haben in Stadien nichts zu suchen. Sieht jeder vernunftbegabte Mensch so. Um das zu erreichen, sollte aber statt nutzloser Gefängnisandrohungen der Dialog gesucht werden. Nicht mit den Fans, die Pyros geil finden, einfach weil sie jede Provokation geil finden. Aber man kann die ansprechen, die neben den Zündlern im Block stehen und die aus falsch verstandener Solidarität die Täter nicht verraten wollen.

Dialog ist wichtiger als Drohungen

An die kommt man aber nicht mit drakonischen Strafen, sondern nur mit einer ernstgemeinten Bereitschaft zum Gespräch. Dieses Gespräch müssen Vereine wie die Eintracht immer wieder suchen. Oder Organisationen wie die Koordinationsstelle Fanprojekte, die in diesen Tagen ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Das ist mühsam und der Erfolg ist nicht garantiert. Es ist aber deutlich sinnvoller als das populistische Abbrennen von verbalen Nebelkerzen auf Innenministerkonferenzen.