Hütter wird von Fjörtoft umarmt.

Bei Eintracht Frankfurt kommt die Abteilung Attacke langsam in Schwung. Ginge es nach Vereinslegende Jan Aage Fjörtoft, dürften sich die Fans noch in dieser Woche auf ein neues magisches Dreieck freuen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jan Aage Fjörtoft: "Man kann ja mit allen drei Stürmern spielen"

Eintracht-Vereinslegende Jan Aage Fjörtoft hat einen Tipp für Trainer Adi Hütter.
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Eintracht Frankfurt, an dieser positiven Einschätzung geht kein Weg vorbei, ist eine Multi-Kulti-Truppe. Allein im Kader stehen Spieler aus 15 unterschiedlichen Nationen, und auch das Team drumherum – Trainer, Betreuer und vor allem die Markenbotschafter – setzt sich aus Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer zusammen. Entsprechend bemüht ist manch einer von ihnen um die Wahrung der korrekten Zuständigkeiten. "Das entscheidet ein Österreicher und kein Norweger", antwortete ein gutgelaunter Jan Aage Fjörtoft auf die Frage des hr-sport, welches Personal im Sturm denn nun das richtige sei.

Fjörtoft ist in diesen Tagen aus gleich zwei Gründen ein gefragter Gesprächspartner. Zum einen ist sein Heimatland Norwegen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, der 52-Jährige hatte deshalb am Dienstag einen Termin mit der norwegischen Ministerpräsidentin Erna Solberg. Zum anderen war der frühere Profi, mittlerweile eben als Markenbotschafter und irgendwie ja auch als Vereinslegende tätig, selbst Stürmer. Und kann deshalb sehr gut einschätzen, wie die Eintracht künftig zu mehr Durchschlagskraft im Angriff kommen könnte.

Fjörtoft von Dost und Co. überzeugt

Den Weggang des Power-Trios Luka Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller versuchen die Hessen durch die Neuzugänge Bas Dost, André Silva und Dejan Joveljic sowie den schon länger zum Kader gehörenden Gonçalo Paciência zu kompensieren. "Ich freue mich, dass sie da sind und die anderen drei ersetzen können", so Fjörtoft. Da Joveljic aufgrund seines jungen Alters derzeit noch etwas außen vor ist, liegt die Verantwortung momentan eher bei den anderen.

"Sie haben verschiedene Qualitäten", sagt Fjörtoft, und ist sich sicher: "Sie ergänzen sich, sie passen wirklich gut zusammen. Jeder Stürmer freut sich, wenn er Leute mit verschiedenen Eigenschaften um sich hat." Noch größer dürfte die Freude eines Stürmers sein, wenn diese Eigenschaften endlich zur Entfaltung kommen. Dost, zuletzt fitnesstechnisch noch nicht bei 100 Prozent, stieß erst Ende August zur Eintracht, Silva gar erst Anfang September. Die logische Folge: Das neue Frankfurter Offensivspiel benötigt Zeit, um sich zu etablieren.

Silva, Dost, Paciência – wer spielt?

Spätestens seit drei Partien aber, ob nun bei den torreichen Unentschieden gegen Dortmund und Bremen (jeweils 2:2) oder beim Auswärtssieg in Berlin (2:1), wird deutlicher, wie Trainer und Powerfußball-Fan Adi Hütter die Neuzugänge ins Spiel integriert. Zwei Mal schickte er das Duo Silva/Paciência von Beginn an aufs Feld, ein Mal Silva/Dost. Und am Freitag (20.30 Uhr) im Heimspiel gegen Leverkusen?

"Man kann ja auch mit allen dreien spielen", wirft Fjörtoft, zwischen 1998 und 2001 selbst für die Eintracht am Ball, die offensivstärkste aller Varianten in den Ring. Das habe Hütter in der vergangenen Saison schließlich auch getan. In der Tat. Ausgerechnet in Stuttgart war die hessische Ausgabe des magischen Dreiecks mit Haller, Jovic sowie Rebic erstmals zu bewundern. Am Saisonende gingen 41 der insgesamt 60 Bundesliga-Tore auf ihr Konto. Ein Maßstab, an dem sich Dost und Co. nun messen lassen müssen.

Steubing: Rebic hat sich "verzockt"

Ein Maßstab, den zumindest Rebic und Jovic in dieser Saison aber bislang nicht erfüllen können. Nach ihren von Pauken und Trompeten begleiteten Abgängen zu AC Mailand beziehungsweise Real Madrid kommen die Angreifer bei ihren neuen Clubs nicht in Tritt, versauern auf der Bank oder quälen sich in Kurzeinsätzen. Allen voran Rebic habe sich "verzockt", wie Eintracht-Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing der Bild sagte, und auch für Jovic halte sich sein "Mitleid in Grenzen". Ex-Profi Fjörtoft versucht derweil, die Situation der beiden Stürmer nachzuempfinden.

"Ihnen fehlt das Selbstvertrauen", sagt er. "Wenn es nicht läuft, dann denkt man als Stürmer, dass man nie wieder ein Tor erzielen wird." Die richtige Balance zu finden "sei schwierig", es brauche möglicherweise ein Zufallsprodukt. "So kann der Fluch gebrochen werden." Und wenn nicht? "Dann holt die Eintracht eben beide zurück. Das ist ja eine Gewinnsituation." Auch daran hätten, so ist das nunmal in Frankfurt, Menschen unterschiedlicher Herkunft ein Wörtchen mitzureden. Ganz gleich, ob sie aus Österreich, Norwegen oder sonstwo herkommen.