Eintracht: Enttäuschung nach dem Abpfiff in Wolfsburg

Die Eintracht hat den VfL Wolfsburg als Spitzenreiter gestürzt. Doch richtig Freude kam bei den Frankfurtern nicht auf. Dem Tabellen-Fünfzehnten fehlten zwei Tage und der Blick für den tödlichen Konter. Die Analyse in fünf Punkten.

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sge Wolfsburg
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Eintracht Frankfurt ist im Remis-Strudel gefangen. Auch im siebten Pflichtspiel der Saison wollte kein Sieg gelingen. Nach dem 1:1 beim VfL Wolfsburg steht die Eintracht weiterhin auf dem 15. Tabellenplatz. Die 1:0-Führung durch den Frankfurter Neuzugang Sam Lammers (38.) glich der Wolfsburger Torjäger Wout Weghorst in der 70. Minute zum 1:1-Endstand aus.

1. Ein Hinteregger kennt keinen Schmerz

Martin Hinteregger zeigte im Spiel beim VfL eine sehr starke Leistung als Frankfurter Abwehrchef und das trotz einer schmerzhaften Schulterverletzung. Hinti warf sich in jeden Zweikampf, nur von Einwürfen hielt sich der Österreicher fern. Aus gutem Grund: "Die gerissenen Bänder in der Schulter braucht Martin offenbar, um den Arm über die Schulter zu heben", sagte Trainer Oliver Glasner. Hinteregger sei ein "Super-Mentalitätsspieler", der dann auch mal über die Schmerzen drüber gehe. "Er hat in Wolfsburg eine sehr, sehr gute Leistung gebracht. Ich gehe davon aus, dass er uns nächste Woche wieder zur Verfügung stehen wird."

Das wäre wichtig, auch im Spiel nach vorne. Denn Hinteregger leitete mit seinem Steilpass zu Daichi Kamada auch das Eintracht-Tor durch Lammers ein. Der Holländer wird nach seinem Treffer gegen Fenerbahce und seinem Tor-Debüt in der Bundesliga langsam aber sicher zu einem Faktor bei der Eintracht.

Martin Hinteregger in Wolfsburg

2. Mbabu pflückt die Eintracht auseinander

Der natürliche Feind der Eintracht in Wolfsburg war Kevin Mbabu. Der VfL-Rechtsverteidiger wirbelte die Frankfurter fast 90 Minuten lang durcheinander. Das hätte man leicht verhindern können. Nämlich, indem Ex-Eintracht-Trainer Adi Hütter Mbabu 2018 aus Bern nach Frankfurt mitgebracht hätte. So aber spielt der 26-Jährige bei Wolfsburg und wurde am Sonntag zum Schrecken der Eintracht.

Auch in der 70. Spielminute: Zunächst ließ Mbabu Djibril Sow aussteigen, umkurvte dann elegant den nach hinten eilenden Lammers und passte schließlich in die Mitte zum Weghorst-Tor zum 1:1-Endstand. Ärgerlich in allen Facetten.

3. Die Eintracht scheitert am eigenen Konter-Spiel

Wenn man etwas nicht kann, muss man es üben. Deshalb sollte die Eintracht fortan vor allem Konter üben. "Wir spielen den falschen Ball, wir haben das einfach schlecht ausgespielt. Das ist unser größtes Manko", erkannte auch Glasner beim Video-Studium des einen oder anderen Konters. Denn dass die Wolfsburger insgesamt mehr gute Torchancen hatten, lag auch daran, dass die Eintracht ihre eigenen Möglichkeiten manchmal schon im Ansatz vermasselte.

Zweimal war daran Kamada beteiligt. Der so laufstarke und ballgewandte Japaner trifft aktuell fast schon traumwandlerisch die falschen Entscheidungen. Kurz nach dem 1:0-Führungstreffer vertändelte er nach einem überragenden Diagonalpass von Filip Kostic den Ball und stolperte am Ende fast über das Spielgerät. In der Last-Minute-Drangphase der Eintracht versäumte er es, den losspurtenden Jens Petter Hauge zu bedienen. Stattdessen legte sich Kamada den Ball zu weit vor, vorbei war die Chance. Auch Rafael Borré versemmelte durch falsche Entscheidungen zweimal aussichtsreiche Konter-Situationen.

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Sam Lammers bejubelt sein Tor für Eintracht Frankfurt gegen Wolfsburg
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4. Frankfurt geht die Puste aus

Die - verglichen mit dem VfL Wolfsburg - zwei Tage weniger Pause nach dem Spiel im Europapokal, taten der Eintracht richtig weh. Nach dem Schlusspfiff standen die Frankfurter Profis auf dem Platz und pumpten. Das intensive Europa-League-Spiel gegen Fenerbahce ließ die Kräfte in der zweiten Halbzeit merklich schwinden. Dabei hatte die Eintracht-Mannschaft mit 278 Sprints und fast 121 gelaufenen Kilometern insgesamt eigentlich sehr gute Werte. Doch wer hinterherläuft, wie die Eintracht mit zunehmender Spieldauer, läuft halt auch viel.

Allen ging in Wolfsburg die Puste aus. Selbst Trainer Oliver Glasner. Als sich der nahende Ausgleich der stürmischen Wolfsburger deutlich abzeichnete, reagierte Glasner zu spät. Als Hauge an der Außenlinie zur Einwechselung bereit stand, netzte Weghorst zum 1:1 ein. Erst nach dem Ausgleich kamen mit dem Norweger Hauge und dem Dänen Jesper Lindström frische Offensiv-Kräfte. Wobei das auch nichts brachte, weil beide Neuzugänge ziemlich blass blieben. Überdeutlich wurde deren auch körperliche Unterlegenheit, als sich Lindström kurz vor dem Abpfiff nahe der Eckfahne den Ball vom Wolfsburger Mbabu abjagen ließ - und das, obwohl dieser zuvor schon 90 Minuten die Außenlinie hoch- und runtergelaufen war.

Eintracht in Wolfsburg

5. Die Eintracht hängt unten drin

Die Eintracht kommt in der Tabelle unten nicht weg. Nun wurde in der Bundesliga nach fünf Spieltagen noch nie etwas entschieden. Trotzdem kann die Eintracht-Talfahrt durchaus noch etwas länger dauern, denn die nächsten beiden Liga-Spiele vor der abermaligen Länderspielpause Anfang Oktober haben es in sich.

Am kommenden Samstag geht's zunächst zuhause gegen den 1. FC Köln. Die Kölner präsentieren sich als Tabellen-Siebter aktuell wesentlich besser als in der vergangenen Saison. Die Woche drauf spielt die Eintracht dann bei der Über-Mannschaft Bayern München. Frankfurt hat also zwei Spiele vor der Brust, die man nicht zwingend gewinnen muss. Zumindest eines sollte man aber. Ansonsten könnte sich so langsam das Wort "Krise" ins neue Profi-Camp am Eintracht-Stadion schleichen.