Lukas Hradecky, Omar Mascarell und Marius Wolf
Lukas Hradecky, Omar Mascarell und Marius Wolf (v.l.) haben die Eintracht im Sommer verlassen. Bild © Imago

Sie sind ausgezogen, um Großes zu erreichen: Mehrere Leistungsträger haben die Frankfurter Eintracht nach dem Pokalsieg im Sommer verlassen. Doch die Rechnung ist für die meisten nicht aufgegangen. Eine Bilanz.

Ob anerkannt oder selbsternannt: Die Anzahl jener Experten, die der Frankfurter Eintracht im zurückliegenden Sommer eine besonders schwere Saison prophezeit hatten, war nicht klein. Mit einer Quote von 1:6 gehörten die Hessen bei den Wettanbietern zu den heißen Abstiegsanwärtern. Und wer zehn Euro auf den neuen Frankfurter Coach Adi Hütter als ersten fliegenden Bundesliga-Trainer setze, bekam gerade mal 25 Euro retour. Der Österreicher galt in diesem unrühmlichen Ranking als Favorit.

Vor allem der Abgang zahlreicher Führungsspieler rief die Bedenkenträger auf den Plan. Lukas Hradecky weg, Marius Wolf weg, Omar Mascarell weg, Kevin-Prince Boateng weg. Dazu ging mit Trainer Niko Kovac auch noch der Vater des Erfolgs zum FC Bayern. Der DFB-Pokalsieg hatte die Eintracht-Protagonisten ins Rampenlicht gerückt. Die Umworbenen ließen sich da nicht zwei Mal bitten, um den unter Fußballern berühmten "nächsten Schritt" zu machen. Doch während die Eintracht den Aderlass mit Bravour meisterte, fällt die Bilanz der Abtrünnigen nach einem halben Jahr teils ernüchternd aus:

  • Marius Wolf (Borussia Dortmund)
Marius Wolf
Marius Wolf ist Großverdiener in Dortmund. Bild © Imago

Für den Senkrechtstarter der vergangenen Saison geht es in dieser Spielzeit fast genauso rapide bergab. Wolf, der von der Eintracht aus der fußballerischen Ödnis geholt wurde, erlag nach gerade mal einem konstanten Bundesliga-Jahr dem Lockruf des großen Geldes. Rein sportlich gesehen scheint sich sein Wechsel zu Borussia Dortmund allerdings nicht auszuzahlen.

Während der BVB die Liga dominiert, pendelt Wolf zwischen Tribüne, Ersatzbank und Krankenstand. Mitten unter den jungen Wilden ist für den 23-Jährigen irgendwie kein Platz. Im September machte er sein letztes Bundesliga-Spiel, seinen einzigen Treffer erzielte er ausgerechnet in der Partie gegen Frankfurt. Bei der Eintracht beackert mittlerweile Danny da Costa erfolgreich den rechten Flügel und darf sich sogar leise Hoffnungen auf die Nationalelf machen – auch hierin hat er seinen Vorgänger Wolf abgelöst.

  • Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen)
Lukas Hradecky
Lukas Hradecky muss in Leverkusen öfter mal hinter sich greifen. Bild © Imago

Dass in Hessen kaum jemand dem Keeper hinterher trauert, hängt in erster Linie mit Kevin Trapp zusammen. Der Vorgänger und Nachfolger Hradeckys im Eintracht-Tor ist sowohl von der Leistung als auch in der mannschaftsinternen Hierarchie sowie der Außendarstellung des Clubs in die Fußstapfen des sympathischen Finnen getreten.

Von einem derart reibungslosen Übergang ist Hradecky bei seinem neuen Arbeitgeber Bayer Leverkusen dagegen ein gutes Stück entfernt. Verletzungsbedingt verpasste der 29-Jährige den Saisonstart. Zwar eroberte er sich danach seinen Stammplatz, sportlich hinkt Bayer den eigenen Zielen aber weiter meilenweit hinterher. Euphorie sieht anders aus, gute Stimmung im Stadion sowieso. Und wenn es schlecht läuft, muss sich Bierliebhaber Hradecky in Leverkusen auch noch mit Kölsch arrangieren. Ob das eine satte Gehaltserhöhung wirklich aufwiegen kann?  

  • Omar Mascarell (Schalke 04)
Omar Mascarell
Stammplatz: Omar Mascarell sitzt bei Schalke in der Regel auf der Bank. Bild © Imago

Vom süßen Leben kann auch für Omar Mascarell beim FC Schalke 04 keine Rede sein. Statt ehemaliger Wohnung am Mainufer mit Skyline-Blick schaut der Spanier im Kohlenpott meist in die Röhre. Mal verletzt, mal nicht gut genug, schaffte er es bisher auf vier Bundesliga-Einsätze für Königsblau, nur einer davon über 90 Minuten. Zuletzt erhielt der 25-Jährige, der beim kriselnden Arbeiterclub ein Vielfaches seines Frankfurter Gehalts einstreicht, eine Bewährungschance in der Champions-League-Partie beim FC Porto – und enttäuschte auf ganzer Linie.

Beim folgenden Ligaspiel in Hoffenheim gehörte Mascarell ebenso wenig zum Schalker Kader wie wohl auch beim anstehenden Revierderby gegen Dortmund. Mit Sebastian Rudy, Nabil Bentaleb und Suat Serdar hat er gleich drei Konkurrenten vor sich. Bei der Eintracht verrichtet indes Gelson Fernandes die Kärrnerarbeit im defensiven Mittelfeld. In der Winterpause könnten sich die Hessen hier nach Verstärkung umschauen. Vielleicht hat Mascarell ja Sehnsucht nach dem Mainufer.  

  • Kevin-Prince Boateng (US Sassuolo)
Kevin-Prince Boateng
Kevin-Prince Boateng lässt es sich in Italien gutgehen. Bild © Imago

Der Leader der Frankfurter Pokalsieger-Mannschaft verrichtet seinen Job mittlerweile im beschaulichen Sassuolo im Herzen der Emilia-Romagna. Knapp 13.000 Zuschauer verfolgen im Schnitt die Partien des Serie-A-Clubs, der auch dank Boateng eine gute Rolle im italienischen Oberhaus spielt. Der 31-Jährige trumpfte vor allem zu Saisonstart groß auf und steuerte vier Tore und eine Vorlage bei. Eine Schambeinverletzung bremst den Mittelfeldmann jetzt aber bis Jahresende aus.

Anders als seine ehemaligen Teamkollegen kehrte Boateng nicht des Geldes oder der vermeintlich besseren sportlichen Möglichkeiten wegen Frankfurt den Rücken. Er wollte schlicht näher an seiner in Mailand lebenden Familie sein, und wusste wohl auch, dass er eine derart konstante Performance wie im Vorjahr nur schwer hätte wiederholen können. Da kam die Chance auf ein wenig Dolce Vita gerade recht. In Frankfurt genießt der Prince trotz der Kürze seines einjährigen Engagements beinahe Heldenstatus. Er ist jederzeit willkommen, auf und neben dem Platz ersetzen konnte man ihn nicht.    

  • Niko Kovac (Bayern München)
Niko Kovac
Niko Kovac hat in Frankfurt schon bessere Zeiten gesehen. Bild © Imago

So schnell ändern sich die Zeiten. Wer heute darauf wettet, dass Niko Kovac am Saisonende nicht mehr Trainer des FC Bayern ist, erhält für einen Zehner Einsatz lausige 15 Euro zurück. Nur für den Hannoveraner Andre Breitenreiter wird noch weniger Gewinn ausgeschüttet (1,20). Ganz anders sieht es da bei Adi Hütter aus: 75 Euro ließen sich im Fall der Fälle mit der Entlassung des Eintracht-Coachs verdienen. Fester sitzt bloß BVB-Trainer Lucien Favre im Sattel (8,0).

Dass sich Kovac das Angebot des Branchenführers dennoch nicht entgehen lassen durfte, liegt auf der Hand. Wann hat ein junger, relativ unerfahrener Trainer schon einmal diese Möglichkeit? Auch die stark verbesserungswürdige Verkündung seines Abgangs aus Frankfurt hat er mit dem Pokalsieg mehr als wiedergutgemacht. Wie schnell der Kroate mit seiner akribischen Art aber bei den Bayern-Egos aneckt, war nicht abzusehen. Dass die Eintracht unter Nachfolger Hütter schöneren und sogar erfolgreicheren Fußball spielt, macht es für Kovac auch nicht einfacher. Am 22. Dezember kommt es in Frankfurt zum Hinrunden-Abschluss zu einem Wiedersehen mit dem 47-Jährigen. Stand jetzt.