Ein Eintracht-Fan stürzt über eine Bande
Ein Fan stürzt über die Bande und verletzt sich schwer. Bild © Imago Images

Die Bilder auf einem im Netz kursierenden Video sind eindeutig: Zwei Polizisten schlagen einen Eintracht-Fan über die Bande und verletzen ihn offenbar schwer. Polizeichef Bereswill sieht das anders. Auch im Landtag hatte der umstrittene Einsatz ein Nachspiel.

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Die Vorkommnisse vor der Europa-League-Partie der Eintracht gegen Donezk hallen auch fünf Tage später noch nach. Der umstrittene Polizeieinsatz war am Dienstag sogar Thema im Landtag, die Kritik an der Verhältnismäßigkeit des Vorgehens wird immer lauter.

Für Zündstoff sorgt vor allem ein im Internet kursierendes Video, auf dem der Angriff von Polizisten auf einen Fan zu sehen ist (zu sehen ab 0:35 Sekunden rechts vom Tor). Der Mann stürzt dabei über eine Bande und bricht sich nach Angaben von Fanvertretern einen Lendenwirbel. Ein bedauerlicher Kollateralschaden?

Fragwürdige Interpretation des Videos

"Ich habe mir selbst dieses Video angeschaut, mehrfach sogar", sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill dem hr. Seine Interpretation der 52 Sekunden langen Aufnahme, die ein Zuschauer aus dem Oberrang bei Youtube hochgeladen hat, weicht von den meisten anderen jedoch deutlich ab. Bereswill kann auf den ersten Blick kein Fehlverhalten der Polizisten erkennen. Ganz im Gegenteil.

"Ich habe wahrgenommen, dass das Banner bereits sichergestellt worden war. Es kam Ruhe rein", sagte er. Daraufhin habe eine Person versucht, in die Reihe der Polizisten einzudringen und das Banner wegzureißen. Die Reaktion der mit Helmen und Schlagstöcken ausgestatteten Beamten beschreibt Bereswill wörtlich so: "Worauf die dann das abgewehrt haben, in dem sie ihn zurückgestoßen haben." Ein harmloser Schubser zur Gefahrenabwehr also? Wer das Video sieht, möchte sagen: mitnichten.

Videobeitrag
Bereswill zur Eintracht

Video

zum Video Bereswill: "Es gibt unterschiedliche Sichtweisen"

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Eintracht gegen die Polizei

Der im Innenraum stehende Fan versucht zwar tatsächlich, den deutlich in der Überzahl befindlichen Polizisten das Banner streitig zu machen und wird daraufhin von einem Beamten unsanft – aber nachvollziehbar und angemessen – in Richtung Bande gedrückt. Die beiden nun folgenden Sicherheitskräfte greifen dann aber zu deutlich aggressiveren Mitteln und versetzen dem isolierten Mann zwei Faustschläge. Dieser fällt rücklings über die Bande in Richtung Feld und verletzt sich.

Die Polizei, deren Sprecher Andrew McCormack das Vorgehen schon unmittelbar nach dem Spiel verteidigt hatte, verwies später auf den Beginn des Einsatzes. Dieser sei im Video nicht festgehalten. Den Beamten hätte sich eine "hochaggressive Gruppe von Heimfans" entgegengestellt. Dabei sei es bereits zu unvermeidbaren Schubsereien gekommen. Eine Anzeige oder eine "objektive Feststellung der Verletzung" liege derzeit zudem nicht vor.

Videobeitrag
mcCormack

Video

zum Video Polizeisprecher McCormack: "Da haben wir keinen Handlungsspielraum"

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Für die Eintracht trotzdem kein Argument. In einer offiziellen Stellungnahme kritisierte der Bundesligist die Vorgehensweise der Polizei schon am Freitag als "weder geeignet, noch erforderlich, noch verhältnismäßig. Diese Maßnahmen dienten nicht der Gefahrenabwehr, sondern sollten offenkundig sicherheitspolitischen Symbolcharakter haben." Am Dienstag legten die Frankfurter offziell Beschwerde beim Amtsgericht ein. "Wir haben erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme und ihres Zustandekommens", sagte Vorstand Axel Hellmann.

Bereswill strebt Austausch an

Die Fronten zwischen der Eintracht, der Politik und der Polizei sind verhärtet. Übereinander reden alle, miteinander derzeit offenbar niemand. "Es gibt unterschiedliche Sichtweisen", fasste Bereswill die aktuelle Gemengelage zusammen. Da die Aufarbeitung noch in vollem Gange sei, wolle er auf die Eintracht zugehen und den Austausch suchen. Es müsse nun eine "Kommunikation zwischen der Eintracht und dem Polizeipräsidium Frankfurt" geben.

Ganz grundsätzlich werde die Polizei wie üblich den gesamten Einsatz überprüfen, dabei soll auch das Video ein Teil der Nachbearbeitung sein. Sollten sich dabei strafrechtlich relevante Dinge ergeben, "werden wir das der Staatsanwaltschaft vorlegen". Bereswill selbst hält diesen Schritt aber wohl nicht für nötig.

Audiobeitrag
Gerhard Bereswill

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporterin: Bereswill im Rechtsauschuss zur Eintracht

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In einer aktuellen Stunde wird der Polizeieinsatz am Donnerstag auch ausführlich Thema im Landtag sein. In seiner Regierungserklärung zur Sicherheit in Hessen verteidigte sich Innenminister Beuth (CDU) aber bereits am Dienstag gegen die Kritik. "Eine Fankurve ist kein rechtsfreier Raum", sagte er. Es sei der Polizei um die Sicherheit gegangen, die jeder Bürger auch im Stadion erwarten dürfe.

Beuth: Freue mich über Eintracht-Erfolg

Eine persönliche Auseinandersetzung zwischen ihm und Eintracht-Präsident Fischer stecke nicht dahinter. "Wir freuen uns und wünschen der Eintracht weiterhin viel Erfolg und viel Glück“, lautete Beuths sportlicher Kommentar zur Lage. Eva Goldbach von den Grünen als Koalitionspartner appellierte an alle Beteiligten, verbal abzurüsten und den Dialog zu suchen.

Die Opposition kündigte dagegen an, nicht locker zu lassen. Der Einsatz selbst werde der nun anstehenden Prüfung standhalten müssen, sagte Nancy Faeser von der SPD. Schon jetzt sei aber klar: Dass Beuth die Debatte noch aufgeheizt habe, sei "eines Innenministers nicht würdig und völlig falsch" gewesen.

Was sie vom Vorgehen der Polizei und Beuths Begründung hält, hatte Linken-Fraktionschefin Janine Wissler da schon ohne Worte demonstriert - mit der Wahl der Kleidung. Sie trug ein Shirt mit dem Eintracht-Wappen.

Audiobeitrag
Peter Beuth

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Beuth: "Es geht um die Sicherheit in und um unsere Stadien"

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