Timothy Chandler und Rafael Borre von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt bleibt auch gegen den 1. FC Köln sieglos und ist trotz neuer Taktik einfach zu harmlos. Die Leidenschaft stimmt, sonst nicht viel. Kevin Trapp darf sich beim VAR bedanken. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt verpasst auch im achten Pflichtspiel in dieser Saison den ersten Sieg und wartet nach dem 1:1 (1:1) gegen den 1. FC Köln weiter sehnsüchtig auf den Befreiungsschlag. Ellyes Skhiri traf für die Gäste (14.), Rafael Borré für die Hessen (45.+7).

1. Kaum Belebung durch Doppelspitze

Nach der Umstellung von Dreier- auf Viererkette und mehrfacher Personal-Rochaden in den vergangenen Partien versuchte sich Trainer Oliver Glasner gegen den 1. FC Köln wieder einmal an einer Neuerung in der Startelf. Der Österreicher schickte sein Team erstmals in dieser Spielzeit in einem 4-4-2-System und damit mit der Doppelspitze Sam Lammers und Borré auf den Rasen. Filip Kostic und Jens Petter Hauge bildeten die offensive Flügelzange.

Das Verschießen dieser wohl schon jetzt letzten Patrone im Taktik-Magazin sollte für mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel sorgen und die Abschlussschwäche der Eintracht beheben. Alleine: Auch das funktionierte nicht. Die Hessen, die den Abgang von Toptorjäger André Silva nicht verkraftet haben, kamen auch gegen alles andere als sichere Kölner nicht ins Rollen. Herausgespielte Torchancen gab es in den kompletten 90 Minuten nicht.

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2. Eintracht und Köln liefern sich vogelwildes Duell

Und überhaupt: Wirklich ansehnlich war das Traditions-Duell zwischen den Hessen und den vor Anpfiff hochgehandelten Rheinländern nicht. Beide Teams wirkten stets bemüht und warfen sich in jeden Zweikampf, fußballerisch war das Niveau jedoch sehr überschaubar. Vor allem die erste Hälfte, in der es mehr Auswechslungen wegen Kopfverletzungen (zwei), blutende Nasen (zwei) und Platzwunden am Kopf (eine) als gelungene Kombinationen gab, war nichts für schwache Nerven.

Dass die beiden einzigen Treffer nach einer Ecke und nach einem Konter fielen, passte da ins Bild. Die Kölner nutzten bei der Führung durch Shkiri eine Unordnung in der Frankfurter Abwehr eiskalt aus, der Ausgleich der Eintracht resultierte aus schnellem Umschalten und einem der wenigen clever vorgetragenen Angriffe. Ein schneller Ball in Richtung Kostic, eine scharfe Hereingabe auf Borré, so leicht kann es gehen. Ging und geht es aber zu selten. 

3. VAR rettet Trapp

Dass die Eintracht, die nun fünfmal in Folge weder gewonnen noch verloren hat, die Partie am Ende nicht doch als Verlierer beendete, lag am Samstagnachmittag auch am Videoschiedsrichter. Dieser hatte erkannt, dass Vorbereiter Anthony Modeste vor dem vermeintlichen 2:1 der Kölner durch Florian Kainz (54.) knapp zwei Zentimeter im Abseits gestanden hatte - und den Treffer korrekterweise aberkannt. Kurios: Die Entscheidung des VAR wurde im Stadion zuerst auf dem Videowürfel vermeldet und dann von Schiedsrichter Martin Petersen bestätigt.

Eine besonders gute Nachricht war das für Nationalkeeper Kevin Trapp, der zuvor einen durchaus haltbaren Schuss von Ondrej Duda nach vorne und in die Füße von Modeste hatte abprallen lassen. Ein klarer Fehler, der letztlich nicht bestraft wurde und gut zur aktuellen Performance der Eintracht passt: Das Team von Trainer Glasner wankt und wackelt bedenklich, die ganz große Krise ist aber noch nicht ausgebrochen. 

4. Eintracht verdient sich den Punkt

Bei aller spielerischen Armut und der Probleme im letzten Drittel konnte sich die Eintracht gegen Köln zumindest in Sachen Einsatz und Leidenschaft nichts vorwerfen lassen. Nach großen Schwierigkeiten im ersten Durchgang beruhigte der Ausgleich in der Nachspielzeit sichtlich die Nerven und trieb die Hessen zu einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte. Richtig viel funktionierte zwar auch nach dem Seitenwechsel nicht, der Punktgewinn war letztlich aber leistungsgerecht.

Dass der Ur-Frankfurter Timothy Chandler trotz blutender Wunde am Kopf und Turban bei seinem Saison-Debüt auf ungewohnter Linksverteidiger-Position einer der engagiertesten und besten Spieler des Nachmittags war, ist fast schon sinnbildlich: Die Eintracht ist weiter motiviert und tut alles für den bitter benötigten Befreiungsschlag, es fehlt in den entscheidenden Momenten schlicht die Leichtigkeit (und wohl auch die Klasse). "Man spürt einfach, dass es nicht flutscht. Aber wir haben uns zurückgekämpft", fasste Glasner passend zusammen.

5. Jetzt kommen die Bayern

Ob die Ränge im Stadion und das berühmte Glas nun weiter halbvoll oder halbleer sind, liegt im Auge des Betrachters. Klar ist: Die Eintracht hat noch viel Arbeit vor sich und ist auch Ende September noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Der Kader, in dem vier Rechtsverteidiger, aber nur ein Linksverteidiger zu finden sind, bleibt ein Rätsel. Die fehlende Körperlichkeit in der Offensive bleibt ein Problem. Die Tatsache, dass nun eine Englische Woche mit Europa League in Antwerpen und dem Gastspiel beim FC Bayern ansteht, macht die Sache nicht einfacher.

"Wir dürfen jetzt nicht alles verkopfen", warnte deshalb Torhüter Trapp. Das Dilemma dabei: Diese sicht- und spürbare Verkrampfung der Eintracht löst sich wohl erst mit dem dringend benötigten Sieg. Wie der gelingen soll, ist jedoch die große Frage.