Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt

Oliver Glasner hat den VfL Wolfsburg mit intensivem Fußball in die Champions League geführt und wechselt nun zu Eintracht Frankfurt. Seine Philosophie könnte perfekt zu den Hessen passen. Es gibt aber auch Konflikt-Potenzial.

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Audioseite Oliver Glasner neuer Trainer bei Eintracht Frankfurt

Glasner SGE
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Vor rund drei Jahren produzierte Kevin-Prince Boateng ein Bild, das wie kaum ein anderes sinnbildlich für die damalige Eintracht stand. Nach einem Duell um den Ball zwischen dem Frankfurter Haudegen und gleich zwei Spielern des HSV krümmten sich die beiden Hamburger Profis am Boden, während Boateng völlig unbeeindruckt stehen blieb und die Arme fragend in den Himmel streckte. Motto: Warum legt ihr euch auch mit uns an?

Was das alles mit Oliver Glasner zu tun hat? Auf den zweiten Blick jede Menge. Der neue Trainer von Eintracht Frankfurt arbeitete damals zwar noch für den LASK in Österreich. Seine fußballerische Idee, die er nun vom VfL Wolfsburg mit nach Hessen bringt, spiegelt aber genau die damalige Attitüde von Boateng und der Eintracht wider: voller Einsatz, volle Intensität, ein wenig Risiko und jede Menge Selbstvertrauen. Wir sind die Eintracht, gegen uns wird's unangenehm.

Kevin-Prince Boateng gegen den Hamburger SV

Glasner setzt auf Vollgas-Fußball

Wie dieser Fußball von Glasner im Optimalfall aussieht, demonstrierte der VfL Wolfsburg in der abgelaufenen Spielzeit eindrucksvoll. Seine Wölfe jagten gemäß ihrem Naturell ihre Gegenspieler und den Ball wie keine andere Mannschaft in der Bundesliga. Die Statistik der intensiven Läufe führen die Niedersachsen ebenso an wie die Sprint-Tabelle. In der Zweikampfwertung zeigte sich nur der VfB Stuttgart noch etwas aggressiver. "Ich will meine abschlussstarken Spieler eben möglichst oft in Abschlussposition bringen", beschrieb Glasner seine Vorstellungen gegenüber Sportbuzzer.

Heißt: Glasner setzt ähnlich wie sein Vorgänger Hütter, der dieses Versprechen allerdings nur in seiner ersten Spielzeit wirklich einlöste, auf intensives Pressing, schnelles Umschalten und das Kreieren von Überzahlsituationen. Alles in vollem Tempo, alles mit einer Portion Risiko. In Wolfsburg ging dieses Risiko sogar so weit, dass Glasner in seiner zweiten Saison die Absicherung in der Abwehr auflöste, von Dreier- auf Viererkette umstellte und trotzdem beide Außenverteidiger mit in die Offensive schickte. "Wir haben offensivstarke Außenverteidiger. Die will ich bei jedem Angriff vorne haben."

Kostic erinnert sich mit Schrecken

Wie schwierig dieser Fußball zu bespielen ist, musste nicht zuletzt die Eintracht und vor allem Filip Kostic in dieser Spielzeit schmerzlich erfahren. Im Hinspiel in Wolfsburg setzte Glasner konsequent die beiden lauffreudigen und offensivstarken Kevin Mbabu und Ridle Baku auf der Seite von Kostic ein und zwang den gefährlichsten Offensivspieler der Hessen so immer wieder in den Rückwärtsgang. Folge: Die Eintracht bekam nach vorne so gut wie nichts zustande, die Wolfsburger gewannen am Ende 2:1.

Dass es Glasner zudem schaffte, eine der besten Defensiven der Liga zu formen und der VfL in dieser Saison neun Pflichtspiele in Folge ohne Gegentor blieb, ist ein weiteres Indiz für das gut funktionierende System. Vorne gefährlich, überall aggressiv, hinten zweikampfstark. Eine Mischung aus körperlichem, aber gleichzeitig klugem Fußball, mit der Glasner bisher bei all seinen Stationen Erfolg hatte.

Nach einem Lehrjahr beim SV Ried führte er den Linzer AK von der 2. Liga bis in die Qualifikation zur Champions League, ehe er zum VfL Wolfsburg wechselte und den bei seiner Übernahme eher tristen Club innerhalb von zwei Jahren zu einer Mannschaft mit Königsklassen-Format formte. "Oliver Glasner passt mit seiner Spielphilosophie bestens zu unserer Mannschaft", fasste Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann zusammen. It's a match.

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Glasner ist ein Alpha-Tier

Leichte Zweifel, das könnte aber auch an seinem Vorgänger liegen, gibt es nur in Sachen Kommunikation und Identifikation. Glasner, ein studierter Diplom-Kaufmann, arbeitete zu Beginn seiner Karriere zunächst auf der administrativen Ebene, war auch in Linz Trainer und Sportdirektor in Personalunion und hielt zuletzt in Wolfsburg nicht mit öffentlicher Kritik an der sportlichen Führung zurück. Glasner weiß genau, was er will und setzt seinen Willen mit allen Mitteln durch. Der Österreicher ist ein Alpha-Tier.

Und genau das birgt – siehe Wolfsburg, wo letztlich der Zwist mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke zum frühzeitigen Ende führte – durchaus Gefahren. Ob Glasner die Eintracht und die Emotionen dieses Vereins besser verstehen wird als Hütter, wird sich zudem erst noch zeigen müssen.

Der neue Sportvorstand Markus Krösche, der von nun an gemeinsam mit Glasner den neuen Kader zusammenstellen und Ziele formulieren muss, ist sich seiner Sache jedenfalls sicher. Nach hr-Informationen soll Glasner von Beginn an Krösches Topfavorit auf den Trainerposten bei der Eintracht gewesen sein. Jetzt müssen beide zeigen, dass sie die richtige Wahl waren.