Barkok und Willems im Training von Eintracht Frankfurt

Nach mehr oder weniger erfolgreichen Bildungs-Aufenthalten bei anderen Clubs kommen sechs Leihgaben zurück zu Eintracht Frankfurt. Eine große Zukunft haben nicht alle, Potential für einen neuen Daichi Kamada ist dennoch vorhanden.

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Daichi Kamada hat es vorgemacht. Der Japaner, in seinem ersten Jahr bei Eintracht Frankfurt noch eher schwach auf der Brust, nutzte sein Engagement beim belgischen Erstliga-Verein VV St. Truiden als Sprungbrett. In 24 Spielen erzielte der offensive Mittelfeldspieler in der Saison 2018/19 zwölf Tore und kehrte nach seiner Leihe körperlich und mental gestärkt nach Hessen zurück. Bei seinem zweiten Anlauf im Team von Trainer Adi Hütter avancierte er dann prompt zum Stammspieler, Leistungsträger und Vorbild. Kamadas Weg würden jetzt gerne auch andere bestreiten.

Mit Aymen Barkok, Simon Falette, Dejan Joveljic, Tuta, Jetro Willems und Rodrigo Zalazar werden nach der Sommerpause gleich sechs Leihspieler wieder in Frankfurt vorstellig. Ihre Chancen auf den Durchbruch im zweiten Bildungsweg sind aber sehr unterschiedlich. Ein Überblick.

Aymen Barkok

Aymen Barkok

Was war das für ein Auftakt, als Barkok im Winter 2016 bei seiner ersten Einwechslung den 2:1-Siegtreffer bei Werder Bremen erzielte. Der Schlenzer ins lange Eck dieses 18-Jährigen, da waren sich alle einig, sollte der Beginn einer großen Karriere werden. Endlich wieder mal ein Frankfurter Junge bei der Eintracht, endlich mal wieder ein feiner Fußballer. Genauso schnell wie Barkok kam, verschwand er allerdings auch wieder in der Versenkung.

19 Monate und 26 Bundesliga-Spiele nach diesem Premieren-Feuerwerk wechselte er nach Düsseldorf, um Spielpraxis zu sammeln und weiter zu reifen. Doch auch daraus wurde nichts: Bei der Fortuna sammelte Barkok, der immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, nur knapp 600 Bundesliga-Minuten. Zuletzt kickte er nur noch in der zweiten Mannschaft.

Abschreiben sollte man den Mittelfeld-Techniker dennoch nicht. Barkok ist mit gerade einmal 22 Jahren weiterhin formbar, sein feines Füßchen nicht verlorengegangen. Sollte der gebürtige Frankfurter fit bleiben und an sich arbeiten, kann er zumindest eine Option werden. In der Eintracht-Offensive sind Typen wie er, die in Dribblings gehen und überraschende Ideen haben, rar gesät.

Prognose: Barkok wird bleiben und hat das Zeug zum Joker.

Simon Falette

Simon Falette von Eintracht Frankfurt

Schöne Erinnerungen haben viele Fans von Eintracht Frankfurt auch an Simon Falette. Der Franzose ist zwar alles andere als ein feiner Fußballer, dank seines Kämpferherzens und seines Temperaments erfreute er sich aber in Team und Kurve großer Beliebtheit. Eine Zukunft in Hessen hat der Defensivspieler wohl trotzdem nicht.

Da Falette als Linksfuß in direkter Konkurrenz zu Martin Hinteregger und Evan N'Dicka steht, gibt es für ihn im Frankfurter Kader schlicht keinen Platz. Bei Fenerbahce Istanbul, wo Falette seit Januar seine Knochen hinhält, hat er sich nach Anlaufschwierigkeiten hingegen zum Stammspieler gemausert und zudem die Chance auf eine langfristige Anstellung. Die Türken haben sich eine Kaufoption gesichert.

Prognose: Sollte Fenerbahce Falette verpflichten, wäre das für alle Beteiligten die beste Lösung.

Dejan Joveljic

Dejan Joveljic

Joveljic, der designierte und phonetische Nachfolger von Luka Jovic, hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Bei der Eintracht konnte er sich trotz eines Treffers in der Europa-League-Qualifikation nicht durchsetzen und wechselte deshalb in der Winterpause zum RSC Anderlecht. In Belgien, wo vorher schon Kamada den entscheidenden Entwicklungsschritt gegangen war, bekam er schnell Spielminuten und erzielte sogar ein Tor. Dann kam Corona und der vorzeitige Saisonabbruch.

Joveljic hat dementsprechend seit Mitte März kein Pflichtspiel bestritten und fängt nach der Sommerpause erneut bei null an. Ob er sich im Angriff gegen seine Mitbewerber Bas Dost, André Silva, Goncalo Paciencia und Neuzugang Ragnar Ache durchsetzen kann, scheint unwahrscheinlich. Trainer Hütter hat bereits angekündigt, Joveljic im Training eine Chance geben zu wollen. Allzu große Hoffnungen sollte sich der Serbe aber wohl nicht machen: "Bei ihm müssen wir uns fragen, ob es vielleicht Sinn macht, ihn nochmal auszuleihen", so Hütter.

Prognose: Joveljic darf sich anbieten, danach wird er erneut verliehen.

Tuta

Tuta, Profi von Eintracht Frankfurt.

Ähnlich wie Joveljic erging es auch dem brasilianischen Innenverteidiger Tuta. Der 21-Jährige, der im vergangenen Sommer zur Eintracht wechselte und noch vor Saisonbeginn an den belgischen Erstligisten KV Kortrijk verliehen wurde, wurde im März jäh von Corona gestoppt. Nach 14 Spielen in Folge über die kompletten 90 Minuten und sogar einem eigenen Treffer war für Tuta und die Liga Schluss, Ende Juli wird er in Frankfurt einen neuen Anlauf wagen.

Klar ist: Einen weiteren Rechtsfuß kann die Eintracht für die Defensive gut gebrauchen. Da Coach Hütter ungerne einen Linksfuß auf die rechte Seite stellt und sowohl Almamy Touré als auch Stefan Ilsanker mit der Rolle des Abraham-Backups fremdelten, könnte Tuta genau in diese Lücke stoßen. Klar ist aber auch: Mit dem Tuta, der im vergangenen Sommer im Trainingslager doch sehr große Schwierigkeiten hatte, sollte der Tuta in diesem Sommer nicht mehr viel gemeinsam haben. "Ich werde bei ihm genau hinsehen", kündigte Hütter eine Einzel-Untersuchung an. Diagnose: noch offen.

Prognose: Tuta kann zum großen Gewinner werden, er muss sich aber steigern.

Jetro Willems

Jetro Willems im Spiel von Newcastle gegen Manchester United

Was bei Joveljic und Tuta das Coronavirus war, war bei Jetro Willems ein Kreuzbandriss. Der niederländische Linksverteidiger avancierte bei Premier-League-Club Newcastle United umgehend zur Stammkraft und empfahl sich nicht nur mit einem Traumtor gegen den FC Liverpool für eine feste Verpflichtung. Die Überweisung der per Kaufoption festgelegten Ablösesumme von knapp elf Millionen Euro schien nur noch Formsache, dann durchkreuzte Willems' Knie die Win-Win-Win-Pläne.

Da die aktuelle Saison in England aber noch läuft und die neue wohl erst mit gehöriger Verspätung starten wird, ist ein dauerhafter Wechsel von Willems noch immer nicht vom Tisch. Der 26-Jährige macht in der Reha gute Fortschritte, ein Comeback zum Trainingsbeginn scheint zumindest nicht ausgeschlossen. "Ich will im August wieder angreifen", betonte Willems. Da selbst auf der Eintracht-Webseite der Nebensatz "für die Magpies oder für die Adlerträger" nachgeschoben wurde, dürften Willems' Tage in Hessen gezählt sein.

Prognose: Die Eintracht und Newcastle einigen sich auf einen Wechsel.

Rodrigo Zalazar

Rodrigo Zalazar

Bliebe das große Rätsel Rodrigo Zalazar. Der in Spanien geborene Uruguayer kam im vergangenen Sommer aus der zweiten Mannschaft des FC Malaga zur Eintracht, um dann ohne Umwege direkt weiter zum polnischen Club Korona (kein Scherz) Kielce ausgeliehen zu werden und dort dann tatsächlich in der zweiten Mannschaft zu landen. Nach zehn Spielen in der 3. Liga schlägt er nun wieder in Frankfurt auf und wird dann wohl feststellen, dass die Eintracht keine zweite Mannschaft mehr hat.

Prognose: Vielleicht werden Zalazar und Marijan Cavar (ja, den gibt's auch noch) gute Freunde.

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