Granit Xhaka

Vor vier Wochen war Granit Xhaka noch Arsenal-Kapitän. Dann legte er sich mit den Fans an, verlor die Binde und spielte keine Sekunde mehr. Ausgerechnet gegen Eintracht Frankfurt könnte der Schweizer nun ins Team zurückkehren.

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Djibril Sow PK
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"FUCK OFF!" Man musste kein Lippenleser sein, um zu verstehen, was Arsenal-Kapitän Granit Xhaka den eigenen Fans im Spiel gegen Crystal Palace entgegengiftete. Gerade war Xhaka ausgewechselt worden, und als die Nummer des Schweizers, bei vielen Fans der Sündenbock für die durchwachsenen Ergebnisse der Gunners, auf der Anzeigetafel erschien, brandete hämischer Applaus im Stadion auf. "Schmerzhaft und frustrierend", sei das gewesen, so Xhaka später. In der Situation reagierte der Schweizer weniger besonnen, feuerte die Fans ebenso hämisch an, hielt sich die Hand ans Ohr und schmiss sein Trikot weg. "Fuck off!"

Sehr viel offener hat man ein Zerwürfnis zwischen Spieler und Fans selten gesehen. Es ist der Höhepunkt eines Konflikts, der seit Monaten schwelt – und nun im Spiel gegen Eintracht Frankfurt ein neues Kapitel bekommen könnte. Nach seinem Wutausbruch gegen Crystal Palaca musste der ehemalige Gladbacher die Kapitänsbinde abgeben und hat in keinem der fünf folgenden Spiele auch nur eine Minute auf dem Platz gestanden. Keines dieser Spiele konnten die Londoner gewinnen, zuletzt entging das Team von Unai Emery knapp einer Blamage beim Tabellen-19. aus Southampton, als Alexandre Lacazette in der 96. Minute noch zum schmeichelhaften Ausgleich traf.

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EINTRACHT GEGEN ARSENAL IM SOCIAL-RADIO

Das Spiel der Eintracht gibt es am Donnerstag ab 21 Uhr in der Vollreportage bei hr-iNFO und im Social Radio zum Mitdiskutieren bei hessenschau.de. hr1 berichtet ausführlich im heimspiel aus London.

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"Hoffentlich bekommt deine Tochter Krebs"

Sportlich hätte der Sechser den Gunners in der aktuellen Formkrise wahrscheinlich helfen können. Xhaka musste aber auch so lange zusehen, weil sich die Wogen nicht glätten ließen. "Mein Gefühl, von den Fans nicht verstanden zu werden, und die wiederholten beleidigenden Kommentare bei Spielen und in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Wochen und Monaten haben mich tief verletzt", schrieb Xhaka in einer Stellungnahme. "Die Leute haben Sachen zu mir gesagt wie: 'Wir brechen dir die Beine', 'Ich töte deine Frau' oder 'Hoffentlich bekommt deine Tochter Krebs'." Die "Ablehnung im Stadion" sei "der Siedepunkt" gewesen, so Xhaka.

Die Kritik der Arsenal-Fans an Xhaka ist, wenn sie sachlich bleibt, stets die gleiche: Zu fehleranfällig, zu unkonzentriert, stets gut für einen spielentscheidenden Lapsus. In der Statistik grober Fehler, die zu Gegentoren führten, steht Xhaka seit seinem Wechsel zu Arsenal 2016 teamintern mit sieben Patzern auf Platz eins. Auch für eine Rote Karte ist der körperbetont, manchmal hitzköpfig spielende Xhaka stets gut.

"Xhakas Comeback ist wichtig für uns"

Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille, denn die Statistik besagt ebenfalls: Mit Xhaka holt der FC Arsenal im Schnitt 1,44 Punkte, ohne ihn nur 1,25. Die Wahrheit liegt wie so oft wahrscheinlich in der goldenen Mitte. Xhaka ist ein hochveranlagter Spieler, Typ Kämpfer und Anführer, der einem Team gut tut. Aber nur, wenn er nicht gerade einen seiner Aussetzer hat. Einer, der Xhakas Qualitäten aus der Nähe kennt, ist sein Nationalmannschafts-Kollege Djibril Sow. "Xhaka kann ein Spiel schnell machen oder beruhigen. Wenn er spielt, müssen wir versuchen, ihn aus dem Spiel zu nehmen", so der Frankfurter, der sich "freut, wenn Xhaka spielt."

Eine Aufgabe, die tatsächlich auf Sow und seine Kollegen zukommen könnte, denn Arsenal-Trainer Unai Emery sagte vor dem Spiel: "Er ist dabei, er könnte spielen. Ich hoffe, jeder Fan supportet das Team. Denn Xhakas Comeback ist wichtig für uns." Xhaka selbst sagte abseits seiner Erlärung wenig zum Eklat, nur zuletzt in der Länderspielpause: "Ich werde weiter positiv bleiben, mich noch mehr reinhängen und beweisen, dass ich ein wichtiger Bestandteil dieses tollen Teams bin." Beginnen wird er damit wohl gegen Frankfurt. Fragt sich nur, ob das für die Hessen gute oder schlechte Nachrichten sind.