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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Fans mit scharfer Kritik am bestehenden Fußball-System

Imago Eintracht Ränge

Die Bundesliga kehrt aus der Corona-Pause zurück, doch bei vielen Fans der Frankfurter Eintracht mischt sich in die Vorfreude auch Skepsis. Die Verantwortlichen plagen derweil ganz andere Sorgen.

Sehnsüchtig, aber doch mit gemischten Gefühlen, blicken die Fans von Eintracht Frankfurt Richtung Stadion. Mit dem Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach kommt am Samstag (18.30 Uhr) ein attraktiver Gegner in den Stadtwald. Doch zum Wiederanpfiff in der Bundesliga sind die stimmgewaltigen Adler-Anhänger wie schon beim Geisterspiel in der Europa League gegen den FC Basel außen vor. Die Fortsetzung der Saison ist nur ohne Fans möglich, das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Geisterspiele streng.

Politik und Polizei vertrauen darauf, dass es in der Corona-Krise nicht zu Ansammlungen in der Stadt oder vor dem Stadion kommt, auch weil die Fans deutlich gemacht haben, dass dies nicht in ihrem Interesse liege. So bereitet sich die Frankfurter Polizei zwar auf die ungewöhnliche Situation vor - allerdings nicht in besonderem Maß. "Geisterspiele sind für die Polizei ja nichts Neues, auch, wenn die normalerweise aus anderen Gründen stattfinden", sagte ein Sprecher.

Bobic appelliert an Vernunft

Einsatzkräfte werden demnach an der Arena sein. Besondere Präsenz in der Innenstadt will die Polizei nicht zeigen. Es gebe am Samstag "relativ viele Versammlungslagen", daher sei man sowieso vor Ort. "Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass es zu Fanaufläufen vor dem Stadion kommen soll", sagte der Sprecher.

Davon geht auch Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic nicht aus. Er hat längst eindringlich an die Anhänger appelliert, sich vom Stadion fernzuhalten. "Wir haben viel mit unseren Fans gesprochen und gesagt: "Hört zu, Jungs, taucht nicht am Stadion auf. Wenn ihr dort auftaucht, verlieren wir dieses Spiel, weil die Regeln sehr streng sind", sagte er dem amerikanischen Sportsender ESPN. Die Kommunikation mit den Fangruppen sei gut verlaufen und von ihnen seien positive Signale gekommen, sich an die Vorgaben zu halten.

Lehren aus der Krise?

Während sich Behörden und Verantwortliche um etwaige Menschenmengen rund um die Behörden sorgen, treibt viele Fans dieser Tage etwas ganz Anderes um. Die Corona-Krise hat etwas verändert - nicht nur den Blick auf den Fußball. So veröffentlichte der Nordwestkurven-Rat, der sich aus Mitgliedern verschiedener Eintracht-Fanclubs und Ultragruppierungen zusammensetzt, ein Statement.

In den vergangenen Wochen der Corona-Krise habe man erlebt, "wie fremd der Fußball uns geworden ist", heißt es darin. "Der heutige Fußball ist zu einem Spekulationsobjekt und einer reinen Geldmschinerie verkommen", heißt es darin. Vor allem die "Verstöße gegen die 50+1-Regel" sorgten demnach für Irritationen. "Eine unregulierte Öffnung für (Merheits-) Investoren macht den Fußball noch kränker", schreibt der Nordwestkurven-Rat.

Die Fans hoffen, dass die Bundesliga Lehren aus der Corona-Krise zieht. "Die Bundesliga sollte sich auf ihre ureigensten Stärken konzentrieren und diese konsequent ausbauen. Das ist insbesondere eine im internationalen Vergleich noch einigermaßen basisorientierte Ausrichtung, mit bezahlbaren Ticketpreisen, vollen Stadien und einer lebendigen Fankultur." Ohne die Fans stünde die Liga schließlich "nackt" da.

Auch Spieler im Fokus

Doch nicht nur den Fans verlangt die Wiederaufnahme der Bundesliga einiges ab. Auch die Spieler stehen an diesem Wochenende im Fokus. "Ich hoffe, dass alle Profis den Bundesliga-Start nutzen werden, um durch Fair Play, Respekt und Achtung vor dem Mitspieler einen positiven Beitrag für den Fußball zu leisten", sagt Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS).

Gabriel ist sich außerdem ebenfalls sicher, dass die Eintracht-Anhänger dem Stadion fernbleiben. "Alle Signale, die wir aus den Fanszenen aufnehmen, sagen, dass sie sich an den Spieltagen so verantwortungsvoll verhalten werden wie sie sich während der gesamten Corona-Zeit schon verhalten haben."