Kollage mit Tsoumou, Koerbel, Kittel

Youssoufa Moukoko vom BVB könnte am Samstag mit 16 Jahren und einem Tag der jüngste Bundesliga-Spieler aller Zeiten werden. Ein Rekord, den lange ein Profi der Eintracht hielt. Wer das war? Die Frankfurter Teenager-Top-Ten im Überblick.

Im Alter von 16 Jahren stehen viele Menschen vor grundlegenden Herausforderungen. Das erste Mal zu viel Alkohol, das erste Mal eine Zahnspange, das erste Mal, Sie wissen schon. Bei Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund sieht das jedoch etwas anders aus: Der Teenager wird den Tag nach seinem 16. Geburtstag eher nicht mit Kater im Bett verbringen, auch seine Freundin spielt am kommenden Samstag wohl nur eine Nebenrolle. Moukoko könnte beim Spiel des BVB gegen Hertha BSC (20.30 Uhr) nämlich der jüngste Bundesliga-Spieler aller Zeiten werden.

Was das alles mit Hessen zu tun hat? Zumindest auf den zweiten Blick jede Menge: Den Nimbus des Bundesliga-Kükens hielt nämlich knapp 30 Jahre lang ein waschechter Frankfurter. Sein Name: Jürgen Friedl. Seine Position: Torwart. Sein Verein: Eintracht Frankfurt. Anlass genug, sich die zehn jüngsten Eintracht-Profis aller Zeiten einmal genauer anzusehen. So viel sei gesagt: Die ganz großen Karrieren starteten nur die wenigsten der Kinder-Stars. Moukoko sollte gewarnt sein.

Youssafa Moukoko von Borussia Dortmunf

Platz 10: Nico Rinderknecht

Einmal vor über 80.000 Zuschauern bei einem Gegentor in der Bundesliga auf dem Platz stehen. Diesen Punkt konnte Nico Rinderknecht bereits im Alter von 18 Jahren, 2 Monaten und 2 Tagen von seiner Lebens-To-Do-Liste streichen. Der gebürtige Gießener wurde im Dezember 2015 in der Schlussphase des Frankfurter Gastspiels in Dortmund beim Stand von 1:3 eingewechselt. Wenige Sekunden später zog Adrian Ramos auf und davon und erzielte das 4:1 für den BVB. Und Rinderknecht? Der inzwischen 23-Jährige schaffte leider nie den Durchbruch und ist nach Stationen in Ingolstadt, Münster und Gießen inzwischen beim FC Schweinfurt gelandet. Für den bayerischen Regionalligisten stand der Defensivspieler vor wenigen Wochen im DFB-Pokal gegen Schalke auf dem Platz. Endstand: 1:4.

Rinderknecht Eintracht

Platz 9: Stephen Famewo

Ein echter Leckerbissen für alle Fußballquiz-Fans wartet auf Platz neun der jüngsten Frankfurter Profis aller Zeiten: Der Nigerianer Stephen Famewo, der wohl nur echten Eintracht-Nerds ein Begriff ist, debütierte im Jahr 2002 im Alter von 18 Jahren, einem Monat und 10 Tagen für die Hessen in der 2. Liga. Trainer damals: Martin Andermatt. Gegner: der Karlsruher SC. Das Verrückte: Am vorletzten Spieltag der Saison erzielte Famewo in seinem dritten und letzten Einsatz beim 3:2-Sieg gegen Unterhaching sogar einen Treffer. Der Übergangs-Trainer hieß da schon Armin Kraaz. Und nach Andermatt musste später auch Famewo gehen. Zuletzt spielte er noch in der Verbandsliga Süd bei Pars Neu Isenburg, seit Januar 2019 ist er vereinslos.

Eintracht-Youngster Famewo

Platz 8: Julian Dudda

Die ganz große Karriere ist auch Julian Dudda verwehrt geblieben. Der inzwischen 27-Jährige kann aber zumindest bei jeder Familienfeier die Geschichte erzählen, wie er über Nacht zu einem Teil der berühmten Rückrunde der Schande wurde. Am 33. Spieltag der Saison 2010/11 wurde Dudda im Alter von 18 Jahren und 29 Tagen nämlich von einem gewissen Christoph Daum beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln ins kalte Bundesliga-Wasser und vor die Füße von Lukas Podolski geworfen. Der Ex-Nationalspieler führte seine Kölner zu einem 2:0-Sieg, Dudda durfte 90 Minuten aus nächster Nähe dabei zusehen und danach nie wiederkommen. Die Eintracht stieg eine Woche später ab, Dudda spielt heute bei Türkgücü Friedberg in der Hessenliga.

Eintracht Youngster Dudda

Platz 7: Karl-Heinz Körbel

Ja, auch für den treuen Charly gab es tatsächlich ein erstes Mal bei Eintracht Frankfurt. Die erste von insgesamt 602 Bundesliga-Partien bestritt Karl-Heinz Körbel am 14. Oktober 1972 im Alter von 17 Jahren, 10 Monaten und 13 Tagen. Sein damaliger Trainer Erich Ribbeck betraute Körbel an diesem historischen Tag mit der Aufgabe, einen Stürmer namens Gerd Müller aus dem Spiel zu nehmen. Na, wenn's sonst nix ist. Und wie ging's aus? Die Eintracht gewann mit 2:1, der Torschütze des Münchner Anschlusstreffers wird an dieser Stelle aber verschwiegen.

Karl-Heinz "Charly" Körbel

Platz 6: Marc Oliver Kempf

1995 im mittelhessischen Lich (Gießen) geboren, bereits im Alter von zwölf Jahren in die Jugend von Eintracht Frankfurt gewechselt, Profi-Debüt mit 17 Jahren, neun Monaten und 30 Tagen. So könnte die Geschichte des nächsten Frankfurter Urgesteins beginnen, tut sie im Fall von Marc Oliver Kempf aber nicht. Der mehrfache U-Nationalspieler wurde nach nur fünf Bundesliga- und einem Europa-League-Einsatz im Trikot der Hessen von Armin Veh aussortiert und wechselte im Sommer 2014 zum SC Freiburg und von dort vier Jahre später für vier Millionen Euro zum VfB Stuttgart. Bei den Schwaben ist er auch in dieser Saison Stammspieler.

Marc-Oliver Kempf in der Europa-League-Saison 2013/2014

Platz 5: Daniyel Cimen

Ein waschechter Hesse ist auch Daniyel Cimen: Der gebürtige Hanauer kam bereits im Kindesalter zu Eintracht Frankfurt, durchlief sämtliche Jugendmannschaften und feierte im Oktober 2002 im Alter von 17 Jahren, 9 Monaten und 8 Tagen sein Profidebüt. Die Karriere, die mit einem 4:1-Sieg gegen LR Ahlen fulminant begann, kam danach allerdings etwas ins Stocken. Insgesamt kam Cimen während seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt auf 13 Einsätze in zweiter und 16 Einsätze in erster Liga. Danach probierte er es noch bei Braunschweig, Offenbach und Aue, ehe er seine Laufbahn in der Heimat bei Hanau 93 ausklingen ließ. Aktuell wartet Cimen als Trainer von Regionalligist FC Gießen auf ein Ende der Corona-Pause.

Daniyel Cimen, Trainer des FC Gießen, mit seiner Mannschaft

Platz 4: Juvhel Tsoumou

Eine Welt-Karriere, so ehrlich muss man sein, hat Juvhel Tsoumou nicht hingelegt. Dass sein Name trotzdem bei zahlreichen (Kneipen-)Gesprächen über die Eintracht immer wieder mit leuchtenden Augen genannt wird, liegt vor allem an einem Spiel: Tsoumou, der mit 17 Jahren, 9 Monaten und einem Tag für die Eintracht debütierte und in seinen insgesamt zehn Bundesliga-Einsätzen nie mehr als 18 Minuten auf dem Platz stand, wurde am 20. März 2010 zum Helden für die Ewigkeit.

Beim Heimspiel gegen den FC Bayern erzielte der Stürmer, übrigens der Neffe von Ex-Eintracht-Profi Jean-Clotaire Tsoumou-Madza, drei Minuten nach seiner Einwechslung den 1:1-Ausgleich (87.), ehe weitere zwei Minuten später Martin Fenin zum 2:1-Endstand traf. Ein bis heute legendäres Spiel und der frühe Karrierehöhepunkt von Tsoumou. Aktuell steht der 29-Jährige beim chinesischen Zweitligisten Liaoning Shenyang Urban unter Vertrag.

Juvhel Tsoumou auf der Auswechselbank

Platz 3: Sonny Kittel

Als Sonny Kittel im August 2010 im Alter von 17 Jahren, 7 Monaten und 7 Tagen erstmals für die Profimannschaft von Eintracht Frankfurt auflief, waren sich alle Experten und Fans einig: Da unten läuft der neue Mesut Özil. Wendig, trickreich, schnell, die Zukunft von Kittel und der Eintracht sollte trotz einer 1:3-Niederlage gegen den Hamburger SV golden werden. Kittel zeigte dann im Anschluss auch hin und wieder, was für ein feiner Kicker er war (und ist), für die Özil-Nachfolge reichte es – auch wegen zahlreichen Knie-Verletzungen – aber nicht ganz. Heute spielt er, so schließt sich der Kreis, durchaus ansehnlich beim HSV.

Sonny Kittel beim Training

Platz 2: Marc Stendera

Fast schon tragisch ist die Geschichte von Marc Stendera. Der Spielmacher, der irgendwie schon immer aussah wie 30, aber immer noch erst 24 ist, galt im Frühjahr 2013 als eines der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Fußball. Bei seiner Bundesliga-Premiere mit 17 Jahren, 3 Monaten und 27 Tagen durfte sich Stendera direkt mit dem FC Bayern messen, bei seinem Startelf-Debüt zwei Wochen später bereitete er den Treffer des Tages mit einem der bestgetretenen Freistöße der Frankfurter Geschichte vor. Aus Stendera, der immer schon ein wenig zu langsam war, sollte mal was werden. Alleine: Daraus wurde nichts. Im Sommer 2019 ging es zu Hannover 96, in diesem Sommer zum FC Ingolstadt. Viel gehört hat man seitdem nicht mehr.

Marc Stendera im Trainingslager von Eintracht Frankfurt

Platz 1: Jürgen Friedl

Tatsächlich gibt es in der langen Frankfurter Bundesliga-Historie aber noch einen Spieler, der bei seinem ersten Einsatz noch jünger war als Stendera. Jürgen Friedl, seines Zeichens vierter Torwart in der Saison 1975/76, wurde am 20. März 1976 im Alter von 17 Jahren und 26 Tagen für den verletzten dritten Torwart Peter Kunter eingewechselt. Insgesamt durfte Friedl danach noch ganze zwei Mal in der höchsten Spielklasse auflaufen, dann wechselte er in den Amateurfußball. Sein Rekord als jüngster Bundesliga-Profi aller Zeiten hatte allerdings fast 30 Jahre Bestand. Es dauerte bis zum 6. August 2005, ehe ihn Nuri Sahin (16 Jahre und 335 Tage) an der Spitze ablöste.

Der Kölner Yann Aurel Bisseck (16 Jahre 362 Tage) und der Leverkusener Florian Wirtz (17 Jahre 15 Tage) schubsten Friedl im Laufe der Jahre vom Treppchen. Am Samstag könnte dann Moukoko die neue Nummer eins werden.

Eintracht Youngster Friedl