Auf Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner wartet ein zäher Transfer-Sommer.

Das Transferfenster für die deutschen Proficlubs ist seit Mittwoch offen – und zwar für rekordverdächtige 83 Tage. Doch Fans und Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt steht ein langer Transfersommer bevor. Corona-Pandemie, finanzielle Fragezeichen und ein knackiger Spielplan erfordern Geduld.

Ein wenig mehr als zwei Wochen wären jetzt normalerweise schon vorbei, die Gazetten prall gefüllt mit reichlich Spekulationen. Zwei Wochen des Transfersommers - doch was ist 2020 schon normal? Angesichts der weltweiten Corona-Pandemie nicht einmal die Transferfenster der europäischen Ligen.

In Deutschland etwa startete die zweite Transferperiode des Sommers am Mittwoch - Wechsel sind nun bis zum 5. Oktober und damit rekordverdächtige 83 Tage möglich. Bereits am 1. Juli konnten einen Tag lang bereits vollzogene Wechsel registriert werden. Der Termin im Oktober ist aber nicht nur auf dem deutschen Markt gesetzt. Der europäische Fußballverband UEFA hat alle Mitgliederverbände aufgerufen, diesen Termin als gemeinsames Enddatum des Transfersommers zu bestimmen.

Langer Atem gefragt

Für die Fans der Eintracht bedeutet das, sie brauchen in diesem Sommer etwas, das sonst nur in der Laufabteilung der Frankfurter gefragt ist - einen langen Atem. So prophezeite Sportvorstand Fredi Bobic zuletzt: "Wir wissen noch nicht, wie sich die Situation weiterhin durch Corona darstellt. Wir müssen geduldig sein, die Sauregurkenzeit im Juli wird zäh und langwierig für alle Mannschaften."

Das liegt auch daran, dass in den meisten euroäischen Top-Ligen der Ball noch rollt. Erst wenn die Spielzeiten in Spanien, Italien und England beendet und die Turniere in Champions League und Europa League absolviert sind, wird Bewegung in den Transfermarkt kommen.

Kleinerer Kader trotz Dreifachbelastung?

Die Frage ist dann: Welche Vereine können die komplexe Situation am besten meistern? Die finanziellen Herausforderungen sind für viele Clubs enorm. Auch bei der Eintracht wird sich der Umsatz wohl halbieren - von 280 auf 140 Millionen - und die Verträge der Spieler werden künftig anders aussehen. "Es wird eine Pandemieklausel geben. Das müssen wir machen, auch wenn ich das nie gedacht hätte. Und es wird einen freiwilligen Gehaltsverzicht geben", betonte Bobic.

Dabei aber wird es nicht bleiben - auch der Kader der Hessen wird sich verändern. "Wir haben einen breiten Kader, der auf internationalen Wettbewerb ausgelegt ist und den wir verkleinern möchten", sagte Sportdirektor Bruno Hübner mit Blick auf die aktuell 33 unter Vertrag stehenden Profis. So gelten Lucas Torró, Erik Durm und die zuletzt ausgeliehenen Simon Falette und Jetro Willems als Verkaufskandidaten.

Viele Spiele, keine Pause

Doch allzu klein sollte der Kader der Eintracht auch nicht werden. Denn innerhalb von zwei Monaten stehen neben den nationalen Duellen noch acht (!) Länderspiele auf dem Programm. Die Hessen entsenden durchschnittlich zehn bis zwölf Nationalspieler. Rechnet man nun noch die erste DFB-Pokalrunde, die am 11. September startet, hinzu, hat die Eintracht erneut eine Dreifachbelastung. Stand jetzt.

Denn sollten sich die Frankfurter im Rückspiel des Europa League-Achtelfinals beim FC Basel (6. August) doch noch durchsetzen und es damit in das Europa-League-Turnier vom 10 bis 21. August in Nordrhein-Westfalen schaffen und dann auch dort triumphieren, wäre das Team erstmals in der Vereinsgeschichte für die Champions League qualifiziert. Das sind viele Konjunktive, aber - ob mit oder ohne Europapokal: Die Taktung ist eng, Pausen gibt es mit dem Beginn der Bundesligaspielzeit am 18. September keine mehr. Englische Wochen sind keine Ausnahme, sondern die Regel.

Gerüchte und die Frage: Bitte wer?

Bei der Kaderplanung gilt es also einen besonderen Spagat zu verschaffen - das Team auf der einen Seite zu verschlanken, und es dennoch punktuell zu verstärken. Dass in der aktuellen Situation auch das personalle Tafelsilber nicht mehr heilig ist, machte Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing zuletzt deutlich. "Auch einen Verkauf von Kostic oder Trapp schließe ich nicht aus. Weil die Marktlage schwierig ist", sagte er der Bild.

In jener schwierigen Marktlage kursieren nun erste Namen. Fast ist man geneigt die Gerüchteküche als ein wenig Normalität in diesem ungewöhnlichen Transfersommer zu verstehen. Denn bisher sind das vor allem Namen der Marke jung, talentiert, aber kaum bekannt.

Tee im Transfersommer

Luan Patrick etwa - 18 Jahre alt, Innenverteidiger, hat in Brasilien noch einen Vertrag bis 2024. Laut kicker soll er in den Fokus der Eintracht geraten sein. Oder Fran Feuillassier, kurz Franchu - Flügelspieler, von Real Madrid II. Auch er soll laut Sport Bild das Interesse der Frankfurter geweckt haben. Bisher sind das alles aber nur Spekulationen, auf Neuzugänge werden die Eintracht-Fans noch eine Weile warten müssen. Bis dahin gilt: Abwarten und Tee trinken. Macht man normalerweise ja nicht im Sommer. Aber - was ist diesen Sommer schon normal.