Luka Jovic

Die Rückkehr von Luka Jovic zu Eintracht Frankfurt lässt viele Fan-Herzen schneller schlagen. Doch die Emotionen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei diesem Transfer auch sportliche Risikofaktoren gibt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So klangen Jovics schönste Eintracht-Tore

Jovic jubelt
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Nicht der historische Fünferpack gegen Fortuna Düsseldorf, nicht das artistische Hackentor zum Einzug ins Pokalfinale, nein, ein simpler Treffer in Augsburg dient wohl am besten, um die außergewöhnlichen Fußball-Fähigkeiten von Luka Jovic zu verstehen.

Es war im September 2017, Eintracht Frankfurt hatte den Angreifer gerade auf zweijähriger Leihbasis von Benfica Lissabon an den Main geholt, da erzielte der damals 19-Jährige im Auswärtsspiel beim FCA ein Tor. Dass die Hessen die Partie mit 1:2 verloren? Rückblickend betrachtet völlig irrelevant. Jovic hatte getroffen, in seinem ersten Bundesliga-Spiel, nur 13 Minuten nach seiner Einwechslung.

Luka Jovic in Frankfurt: 36 Tore, vor allem im Europacup

Es war der verheißungsvolle Auftakt einer jungen Stürmerkarriere, die nach einem Eingewöhnungs-Jahr an Fahrt aufnahm. Der Serbe sollte später auf insgesamt 36 Pflichtspieltore für die Eintracht zurückblicken, wobei er vor allem die internationale Bühne zu seiner machte: Zwischen September 2018 und Mai 2019 erzielte er in fast jedem Europa-League-Spiel der Frankfurter ein Tor. Mindestens eins.

Zusammen mit Ante Rebic und Sébastien Haller reifte Jovic zum Top-Star. Die Begehrlichkeiten europäischer Spitzenclubs wuchsen, bis er schließlich völlig zurecht für eine Ablösesumme von mehr als 60 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte. Die Gründe dafür, dass der Stürmer nun – eineinhalb Jahre später – zu seinem Wohlfühl-Club im Herzen von Europa zurückkehrt, wurden in den vergangenen Monaten immer wieder hinlänglich diskutiert.

Verletzungen, gesundheitliche Rückschläge und nicht zuletzt der Konkurrenzkampf im weißen Ballett von Trainer Zinédine Zidane verhinderten, dass Jovics Entwicklung in LaLiga und Champions League nahtlos weiterging. Und genau darin liegt das Wagnis, das Eintracht Frankfurt mit der Rückholaktion eingeht.

Die emotionale Strahlkraft dieses Wechsels ist groß, doch ein Wintertransfer hat nach wie vor eine zentrale Funktion: Er soll und muss einer Mannschaft von jetzt auf gleich sportlich weiterhelfen. Ob Jovic zu diesem Kraftakt in der Lage ist, ist nach seiner enttäuschenden Zeit in Madrid völlig offen. In der laufenden Saison 2020/21 kam der Angreifer im Real-Trikot nur zu fünf (Kurz-)Einsätzen: vier im spanischen Oberhaus, einer in der Königsklasse. Das macht insgesamt gerade einmal 208 Spielminuten.

Fragezeichen hinter Spielpraxis und Fitness

Ehe eine Corona-Infektion und Adduktorenprobleme Jovic noch weiter zurückwarfen, stand er am 8. November 2020 zum bis heute letzten Mal auf einem Pflichtspiel-Rasen. Das ist mehr als zwei Monate her. Der Aspekt der (mangelnden) Spielpraxis ist deshalb genauso eine Wundertüte wie das Thema Fitnesszustand. Das weiß auch Adi Hütter. "Wie weit er ist, werden wir sehen", sagte der Trainer am Dienstag.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob sich Jovic ohne lange Vorlaufzeit in das aktuelle Spielsystem der Frankfurter Eintracht integrieren lässt. Dank Doppelzehn und einer Spitze hat es Hütter geschafft, den Hessen eine Formation zu verpassen, mit der sie zuletzt sehr erfolgreich aufgetreten sind – und in der das kickende Stammpersonal eigentlich schon feststeht. Vor dem offensiven Mittelfeld, das wahlweise mit Amin Younes, Daichi Kamada oder Aymen Barkok besetzt werden kann, ist Sturmspitze André Silva gesetzt. Und zwar zurecht.

Ersatz für Dost – Back-up für Silva?

Elf Tore in bislang 14 Punktspielen haben dem Portugiesen in den vergangenen Monaten immer wieder einen ehrenvollen Formvergleich mit Münchens Robert Lewandowski eingebracht. Sollte Hütter sein Erfolgssystem beibehalten und nicht wieder auf zwei Angreifer umstellen, muss Jovic sich unterordnen, die Rolle des Back-ups einnehmen. Ausgang: offen.

So hat die Eintracht zwar nun einen Ersatz für den nach Brügge abgewanderten Bas Dost geholt, aber auch einen völlig anderen Spielertypen. Dost war immer dafür gut, mal einen langen Ball abzuschirmen und zu behaupten. Jovic ist dafür technisch versierter, dribbelstark. Ähnlich wie Silva.

Keine Wunderdinge erwarten

Der Begriff des verlorenen Sohnes, mit dem der zurückkehrende Serbe momentan zuhauf versehen wird, darf nicht überstrapaziert werden. Denn bei all dem sollte man eines nicht vergessen: Luka Jovic ist gerade einmal 23 Jahre alt. Im knallharten Profigeschäft mag das als fortgeschritten gelten, sportlich und vor allem menschlich berechtigt das aber nicht zur Erwartung sofortiger Wunderdinge. Augsburg hin, Augsburg her.