Sow Dost Paciencia Ndicka Jubel

Ein großer Kader, ein schwieriger Transfermarkt und wenig Geld: Eintracht Frankfurt muss improvisieren. Dabei gibt es im Team bereits Spieler, die zur kommenden Saison zu internen Verstärkungen werden könnten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bobic über Gehaltsverzicht: "Es wird eine Pandemieklausel geben"

Fredi Bobic beim Eintracht-Trainingslager in Florida
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Djibril Sow

Gegen Ende der Hinrunde sah sich Eintracht-Coach Adi Hütter gezwungen, eine Lanze für Djibril Sow zu brechen. "Ich sehe unheimliches Potenzial in ihm", so Hütter über seinen Schützling, den er gar mit Denis Zakaria von Borussia Mönchengladbach verglich. Ein gewagter Vergleich, schließlich ist Zakaria einer der aufregendsten jungen Mittelfeldspieler der Liga, Sow hingegen kam in seiner ersten Saison bei der Eintracht zwar auf 29 Bundesligaspiele, konnte aber nur selten überzeugen. Zu zögerlich und zu gehemmt, zu viele Fehlpässe und oft noch zu grün: Die Mängelliste war lang.

Klar ist aber auch: Sow ist nach wie vor ein junger Spieler, der Sprung aus der Schweizer Liga in die Bundesliga ein großer. Dass er Potential besitzt, ließ Sow immer wieder mal aufblitzen, auch wäre er nicht das erste Talent, das die Debütsaison zur Akklimatisierung braucht, man denke an Luka Jovic. Hinzu kommt: Sow fiel kurz nach seinem Transfer mit einer Sehnenverletzung aus und verpasste weite Teile der Vorbereitung, für sein laufintensives Spiel (12,48 Km pro Spiel) braucht Sow aber eine ordentliche Grundfitness. Vielleicht holt er sich diese in der kommenden Vorbereitung – und kommt dann im zweiten Jahr ins Rollen.

Bas Dost

Ob es ein weltweiter Rekord ist, ist schwer zu eruieren, aber erstaunlich ist die Statistik von Bas Dost aus den Jahren 2017 und 2018 bei Sporting Lissabon in jedem Falle: 45 Tore nacheinander erzielte Dost direkt mit dem ersten Kontakt. Flanke, Schlappen rein, Tor: Mehr Strafraumstürmer geht nicht. So in etwa hatten sich das die Eintracht-Bosse bei Dosts Verpflichtung wohl auch gedacht. Man wolle "einen großen Spieler haben, der in der Box auch gefährlich ist. Einen Torjäger, der Erfahrung hat" so Hütter im Sommer 2019.

Flanken schlugen die Hessen genug, allein Filip Kositc sagenhafte 209 Stück. Nur war Dost zu oft unpässlich, gleich fünfmal fiel er mit kleineren Zipperlein aus, weswegen er eigentlich nie auf das körperliche Niveau kam, das es für die Bundesliga braucht. Und dennoch: In den Phasen, in denen Dost ein paar Spiele am Stück machen konnte, traf er direkt: In seinen ersten vier Spielen zweimal, zwischen dem 15. und 19. Spieltag zweimal, nach der Corona-Pause dreimal. Das macht Hoffnung, dass Dost, so er fit bleibt und die Vorbereitung durchzieht, seine Torjägerqualitäten doch noch etwas nachhaltiger unter Beweis stellt. Es müssen ja nicht gleich 45 One-Touch-Tore sein.

Tuta

Man muss nicht sonderlich aufmerksam zwischen den Zeilen lesen können, um herauszuhören, dass sich die Eintracht-Verantwortlichen einiges von Leih-Rückkehrer Tuta versprechen. Der junge Brasilianer wechselte zur vergangenen Saison nach Belgien zum KV Kortrijk, nachdem er sich in Frankfurt noch als eine Nummer zu leicht herausgestellt hatte. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde Tuta dort zum Stammspieler und Leistungsträger. Das weckt Erinnerungen an Daichi Kamada, der sich ebenfalls in Belgien die nötige Wettbewerbshärte für den Profifußball holte, um in bei der Eintracht dann durchzustarten.

Entsprechend hofft man bei der Eintracht auf einen ähnliche Explosion. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic sagte unängst: "Es kommen Leihspieler zurück, auf die ich mich sehr freue und die extrem spannend sind. Zum Beispiel Tuta: Er hat in Belgien eine tolle Entwicklung genommen und wir freuen uns darauf, ihn im Training mal zu sehen." Tuta bringt viel mit, ist schnell, zweikampfstark, hat eine gute Spieleröffnung. Hinzu kommt: Auf seiner Position als rechter Innenverteidiger geht Kapitän David Abraham in seine letzte Saison, möglicherweise ist bereits im Winter Schluss. Im Idealfall hat die Eintracht einen passenden Erben bereits gefunden.

Evan N'Dicka

Evan N'Dickas Potential ist eigentlich weithin unbestritten, nicht umsonst ranken sich regelmäßig Gerüchte über angeblich interessierte Topklubs um den noch erst 20-jährigen Franzosen. Dennoch: Absoluer Stammspieler war N'Dicka in der vergangenen Saison nicht, von seinen 22 Bundesligaspielen bestritt der gelernte Innenverteidiger ganze zehn als Aushilfe auf der Linksverteidigerposition. Sein Problem: Mit Martin Hinteregger steht ein erfahrener Linksfuß in der Hackordnung vor ihm, und weil Hütter Linksfüße auch nur auf der linken Seite der Innenverteidigung einsetzt, war für N'Dicka dort oft kein Platz.

In der neuen Saison könnte sich das allerdings ändern. Libero Makoto Hasebe wird nicht jünger, und bleibt Hütter bei seiner Dreierkette, ist es wahrscheinlich, dass Hinteregger Hasebe auf der zentralen Position nach und nach beerbt. Damit wäre die linke Innenverteidigerposition für N'Dicka frei, das Potential zum Leistungsträger auf seiner Sahneposition hat er allemal. Wenn nicht doch noch ein Großklub dazwischengrätscht und eine unmoralische Summe auf den Tisch legt.

Aymen Barkok

Unvergessen, wie Aymen Barkok die Bundesligabühne betrat. Zuvor nur Experten ein Begriff, wurde der damals 17-Jährige im Spiel der Eintracht gegen Bremen im November 2016 eingewechselt, umkurvte in der Schlussminute seinen Gegenspieler und schlenzte den Ball zum 2:1-Sieg ins lange Eck. So kann man mal debütieren, zumal Barkok in den folgenden Einsätzen ordentlich nachlegte. Diverse BVB-Spieler bat er mit seiner herausragenden Technik zum Tänzchen, gegen Mainz schoss er ein wunderschönes Solo-Tor und legte einen weiteren Treffer auf.

In der Folge verlor Barkok jedoch seine Unbekümmertheit, ohne dabei zu einem soliden Bundesligaspieler zu reifen. Jene Reife sollte eine Leihe zu Fortuna Düsseldorf bringen, dort aber schlug sich Barkok vornehmlich mit Verletzungen herum. In den vergangenen zwei Jahren brachte es der Kreativspieler so nur auf 18 Bundesligaspiele, weshalb die Düsseldorfer auf eine Weiterverpflichtung verzichteten. Schafft es Barkok in Frankfurt endlich, seine freche, unbekümmerte Spielweise mit der nötigen Seriosität zu verbinden, ist er eigentlich genau der Spieler, den die Hessen brauchen: Kreativ, technisch beschlagen, stark im Dribbling. Dafür muss Barkok aber endlich verletzungsfrei bleiben und seine PS auf die Straße bringen. "Jetzt muss ich aber auch liefern! Das ist der Anspruch an mich selbst", sagte Barkok unlängst der Bild. Na dann, bitte!