Eintracht Banner
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Die Energie der Fans ist für Eintracht Frankfurt ein Erfolgsfaktor in der Europa League. Das besondere Verhältnis zwischen Mannschaft und Anhang kommt nicht von ungefähr.

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Der 26. April 2012 ist erst sieben Jahre her, aber in Fußball-Jahren liegt er eine Ewigkeit zurück. Der 1. FC  Kaiserslautern stieg unter Trainer Krassimir Balakow  aus der Bundesliga ab. Klaas-Jan Huntelaar wurde Torschützenkönig, Marco Reus in Diensten Borussia Mönchengladbachs Deutschlands Fußballer des Jahres. Und in Frankfurt verlor eine Eintracht mit Spielern wie Erwin Hoffer oder Gordon Schildenfeld in der Startelf ihr Zweitliga-Heimspiel gegen 1860 München mit 0:2.

Die Zuschauer an diesem Tag, sie hätten Besseres verdient gehabt. Der damalige Wiederaufstieg in die Bundesliga stand zwar schon eine Woche zuvor fest, die Mannschaft von Armin Veh hätte der festlichen Stimmung auf den Rängen an diesem sonnigen Frühlingstag aber durchaus auch sportlich entsprechen können. Die Zuschauer waren in Blöcken wechselweise schwarz oder weiß gekleidet, das ganze Stadion war eine einzige große Eintracht-Fahne. In der Nordwestkurve überzog ein gigantischer Adler die Fans. Darunter ein Banner: "Ohne Enttäuschung weiß man seine Siege nicht zu schätzen".

Jahrzehnte hat man als Eintracht-Fan nicht von mehr zu träumen gewagt

Die Fans der Eintracht haben es damals nicht wissen können, aber: Mit ihrem Banner haben sie etwas vorweggenommen, was sich erst sechs, sieben Jahre später in seiner ganzen Deutlichkeit zeigt. Denn damals, nach einem peinlichen Abstieg, nach Spielen in Aachen, Aue und Cottbus, war genau dies ein Erfolg: Der Wiederaufstieg in die Bundesliga. Die Mannschaft wurde damals am Römer empfangen. Wäre sie Erster geworden, hätte sie den Fans die Zweitliga-Meisterschale präsentiert. Und diese hätten sich darüber sicherlich auch gefreut, irgendwie.

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Eintracht im hr

Das Spiel der Eintracht gibt es am Donnerstag ab 21 Uhr in der hr-iNFO-Vollreportage und im Social Radio bei hessenschau.de. Auch hr1 berichtet ab 19 Uhr ausführlich von der Partie.

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Jahre, Jahrzehnte eigentlich, hat man als Eintracht-Fan nicht von mehr zu träumen gewagt. Das Ausbügeln einer Niederlage war, was einem Sieg am nächsten kam, so wie 2012. Bis den Klub eine erstaunliche Dynamik packte, ein Zusammenkommen von vielen glücklichen Entscheidungen und Fügungen – viele davon mit –ac oder –ic am Ende – und Mijat Gacinovic mit 70 Metern Anlauf zum Pokalsieg 2018 rannte.

Die Frankfurter Mondlandung

Spricht man mit Eintracht-Fans über diesen Tag, weiß jeder, wo er war, was er gemacht hat. Es ist die Frankfurter Mondlandung, nicht weniger. Denn was dieser Triumph in und um den Klub bewirkt hat, geht über einen sportlichen Erfolg weit hinaus. Er ist auch deshalb so besonders, weil ganze Fangenerationen der Eintracht, ohnehin immer zahlreich und leidenschaftlich dabei, das erste Mal überhaupt das Gefühl hatten, etwas zurückzubekommen, was kein Nackenschlag, keine schmerzhafte Niederlage im letzten Moment ist. Der Pokalsieg hat Klub, Stadt und Fans in gewisser Weise geeint. Versöhnt. Rostock? Vergessen. Abstiege? Schon ok. Alles, was passierte, schickte Mijat Gacinovic auf den Weg, führte zum Pokalsieg 2018, und dann kann es so schlecht ja nicht gewesen sein.

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Die Rückkehr der Euro-Adler

Über das Spiel der Eintracht bei Chelsea berichtet der hr am Freitag ab 18.25 Uhr in einer Sondersendung im hr-fernsehen und im Livestream auf hessenschau.de.

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Und nun sind die Fans wieder dran, denn es führt noch weiter, durch die Europa League. Wer die Spieler der Eintracht im Heimspiel gegen Benfica Lissabon gesehen hat, wie sie bei jedem erkämpften Eckball, bei jedem ergrätschten Einwurf die Fäuste gen Tribüne ballten, und wie es von dort zurückdonnerte, der hat leibhaftig erlebt, wie viel Energie Fans tatsächlich zurückgeben können. "Wir schenken euch unsere Herzen", singen die Anhänger, "und ihr schenkt uns den Sieg". Genau so kam es.

"Wahnsinnig geil und unfassbar laut"

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Ohne diese Fans, ohne die Energie, die von ihnen ausgeht, stünde Eintracht Frankfurt nicht im Halbfinale der Europa League. "Wahnsinnig geil und unfassbar laut" sei das alles, staunte ein ausgepumpter Danny da Costa nach dem Weiterkommen gegen Benfica. Wäre er genauso viel gerannt vor, sagen wir, 15.000 Fans in Sinsheim? Oder geht das nur in Frankfurt, wo der Jubel so laut ist, weil es 30 Jahre lang kaum etwas zu jubeln gab? Selbst nach dem 1:6 in Leverkusen wurden die Spieler noch minutenlang gefeiert. Die Botschaft war klar: Wir sind Teil derselben Sache, Familie, da kann man auch mal Mist bauen, ohne den Rückhalt zu verlieren. Auch das war nicht immer so in Frankfurt.

Vor den Europa-League-Spielen der Eintracht kursierte im Netz der Hashtag #12gegen11. Woanders stünde dieser Slogan im Verdacht, von irgendeiner PR-Agentur erdacht worden zu sein. In Frankfurt ist er derzeit: Realität, und wohl auch in London. Und auch ein Bild jenes Banners von 2012 kursiert aktuell wieder online. Die Fans haben das Banner also nicht vergessen. Aber was es wirklich bedeutet, haben sie erst in den letzten zwei Jahren erfahren.