Jetro Willems im Spiel von Newcastle gegen Manchester United

Jetro Willems ist ein kleiner Gewinner der Corona-Krise: Während die Fußball-Welt stillsteht, kann der verletzte Linksverteidiger in aller Ruhe an seinem Comeback arbeiten. Eine Rückkehr zur Frankfurter Eintracht ist für den Leihspieler eine Option - wenn auch nicht seine erste.

Zu Jahresbeginn schien das Kapitel Jetro Willems und Eintracht Frankfurt ein für beide Seiten doch noch glückliches Ende zu nehmen. Der bei den Hessen selten überzeugende Niederländer hatte als Leihgabe bei Newcastle United in der englischen Premier League sein Glück gefunden, avancierte bei den "Magpies" zum Stammspieler und Leistungsträger. Das Ziehen der Kaufoption war ausgemachte Sache bei den Nord-Engländern. Elf Millionen Euro sollte der Willems-Deal in diesem Sommer in die Eintracht-Kassen spülen - rund das Doppelte von dem, was der Bundesligist drei Jahre zuvor an die PSV Eindhoven überwiesen hatte. Ein Win-Win-Geschäft.

Doch dann kamen der 18. Januar und das Heimspiel gegen den FC Chelsea: Nach einem Zweikampf mit Callum Hudson-Odoi blieb Willems auf dem Rasen liegen, wurde per Trage und unter aufmunterndem Applaus aus dem Stadion getragen. Die niederschmetternde Diagnose folgte kurz darauf: Kreuzbandriss. Der schon häufiger von Verletzungen geplagte Linksverteidiger musste einen weiteren bitteren Rückschlag einstecken. Die Vertragsgespräche mit Newcastle wurden daraufhin auf Eis gelegt.

Falschmeldungen über Ausfallzeit

Vier Monate später sieht die Welt von Jetro Willems wieder ein wenig rosiger aus. Der 26-Jährige ist so etwas wie ein kleiner Gewinner der Corona-Krise. Denn während alles stillsteht, läuft die Zeit für Willems. In den Niederlanden absolviert er derzeit seine Reha; Laufeinheiten, Kraft- und Stabilisierungsübungen - viel mehr ist angesichts von Kontaktbeschränkungen für seine gesunden, kickenden Kollegen derzeit auch nicht drin. "Der Zeitpunkt ist so gesehen zwar der richtige, aber gewünscht hätte ich mir und allen anderen Menschen solch eine Situation natürlich nicht", sagt Willems im Interview auf der Eintracht-Homepage.

Mit seinem Genesungsprozess ist der stämmige Defensivmann derweil überaus zufrieden. "Das Knie fühlt sich immer besser an, ich befinde mich auf einem guten Weg, blicke nach vorne", sagt er. Im August, also zum eigentlichen Start einer neuen Spielzeit, will der Ex-Nationalspieler wieder auf dem Platz stehen. Gerüchten über eine weitaus längere Ausfallzeit tritt er entschieden entgegen: "Meldungen, es würde noch länger oder gar bis 2021 dauern, sind schlicht falsch."

Systemopfer mit neuer Chance?

Für wen er in einer noch längst nicht final terminierten kommenden Saison auflaufen wird, ist indes noch völlig offen. In Frankfurt besitzt Willems einen Vertrag bis Juni 2021. Große Fußstapfen konnte er in seinen zwei Eintracht-Jahren aber nicht hinterlassen. 65 Pflichtspiele stehen zu Buche, zur unumstrittenen Stammkraft schaffte er es - auch systembedingt - nie so recht. Mit der Umstellung auf Dreierkette fand sich der gelernte Außenverteidiger unter den Trainern Niko Kovac und Adi Hütter häufig im linken oder zentralen Mittelfeld wieder. Wohl fühlte er sich dort sichtbar nie.

Dass es unter Hütter im 4-3-3- oder 4-4-2-System mittlerweile wieder einen klassischen Linksverteidiger gibt, wäre für Willems sicherlich nicht von Nachteil. "Aber das sind Gedanken, die sich die Verantwortlichen machen müssen. Ich weiß nicht, wie der Verein plant", sagt der 26-Jährige. Abreißen lassen hat er den Kontakt nach Frankfurt jedenfalls nie. Vier Mal sei er in dieser Saison schon da gewesen, berichtet Willems. Die meisten Spiele habe er zudem im TV verfolgt. Vor allem mit Jonathan de Guzmán, Gonçalo Paciência und Danny da Costa stehe er im regelmäßigen Austausch.

"Das war schon Wahnsinn"

Doch ginge es allein nach dem gebürtigen Rotterdamer, würde er seine Karriere liebend gerne auf der Insel fortsetzen. Der englische Fußball, die engen Stadien, die großen Topstars haben es ihm angetan. "Für diese Spiele bin ich Fußballer geworden. Zuvor kannte ich solche Mannschaften nur aus dem Fernsehen. Einfach jeder spricht darüber, es geht in fast jeder Partie spannend zu", schwärmt Willems. Persönliche Höhepunkte waren seine beiden Tore gegen Liverpool und Manchester City: "Das war schon Wahnsinn."

Bis zu einem möglichen nächsten Highlight schwelgt Willems - wie so viele derzeit - in Erinnerungen. Der niederländische Meistertitel mit Eindhoven gehört für ihn genauso dazu wie der Pokalsieg 2018 mit der Eintracht. 90 Minuten stand er damals gegen den FC Bayern auf dem Platz. "Gerade in der aktuellen Phase dienen solche Erlebnisse als zusätzlicher Ansporn, wieder auf den Platz zurückzukehren und, wenn sich die Möglichkeit ergibt, weitere Titel zu gewinnen", so Willems. Ob mit bei der Eintracht, Newcastle oder irgendwo anders, wird sich zeigen. So lange lässt er in der Reha die Zeit für sich arbeiten.