Collage: Zuber und Touré

Wie sich eine Testspiel-Niederlage gegen Würzburg verarbeiten lässt? Mit einem Blick auf das, was bislang gut gelaufen ist: Auf seine Flügelspieler Steven Zuber und Almamy Touré kann sich Eintracht Frankfurt momentan verlassen. Die Aussichten scheinen sogar noch besser als der Status Quo.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Trainer Hütter über Zuber: "Sehr, sehr erfreulich"

Adi Hütter Eintracht Frankfurt TSG Hoffenheim
Ende des Audiobeitrags

Es war so ein Moment, der Fußballfeingeistern und Grobtaktikern gleichermaßen gefallen haben dürfte. Kurz hinter der Mittellinie, Eintracht Frankfurt befand sich im Spiel gegen Hoffenheim gerade im Angriff, bekam Steven Zuber den Ball. In seiner unmittelbaren Nähe: gleich drei Gegenspieler, alle im absoluten TSG-Pressing-Modus. Eine aussichtslose Situation also für den Schweizer? Von wegen.

Dicht an der linken Seitenauslinie setzte Zuber plötzlich zur Flanke an. Der Ball, perfekt getreten, segelte erst zu Bas Dost, landete dann bei Daichi Kamada – und schließlich im Tor. Zubers Zuspiel, ein vorlagengewordener Befreiungsschlag, war der sehenswerte Dosenöffner für den 2:1-Sieg der Hessen. Und für ihn selbst so etwas wie die Belohnung für die nächste gute, mannschaftsdienliche Leistung.

Steven Zuber schließt die Kostic-Lücke

Der 29-Jährige ist gewiss ein anderer Spielertyp als Filip Kostic, er wirkt längst nicht so dynamisch, und der Spielaufbau hängt nicht alleine von seinen Ideen ab. Trotzdem hat es Zuber binnen kürzester Zeit geschafft, jene Lücke zu schließen, die der Teilanriss des Innenbandes in Kostics rechtem Knie hinterlassen hat.

Gegen Hoffenheim, seinen Ex-Club, war Zuber mit 54 Ballkontakten ordentlich ins Spiel der Eintracht eingebunden, hinzu kamen eine Zweikampfquote von 60 sowie eine Passquote von sogar 80 Prozent. Gute Werte für einen Neuzugang, der erst seit Anfang August in das von Adi Hütter trainierte Kollektiv eingearbeitet wird. "Steven Zuber hat das ausgezeichnet gemacht", hatte der Coach nach dem Spitzenspiel gesagt.

Auch Almamy Touré überzeugt

"Auch in Berlin, als er relativ kalt reingekommen ist." Und Hütter weiß auch: "Es ist wichtig, dass wir sehen, dass wir auch ohne Filip gewinnen können. Es ist auch für ihn selber gut, dass er das Gefühl hat: Okay, ich muss Gas geben, damit ich wieder in die Mannschaft komme." Keine Baustelle also auf der linken Frankfurter Außenbahn. Und auf der rechten? Auch nicht.

Videobeitrag

Video

zum Video Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel gegen Hoffenheim

Adi Hütter
Ende des Videobeitrags

Almamy Touré, beim 3:1 in Berlin erstmals in dieser Saison aufgeboten, hat Danny da Costa im wahrsten Sinne des Wortes den Rang abgelaufen. Gegen die TSG spulte der Franzose 12,41 Kilometer ab, präsentierte sich bei 68 Ballkontakten oft als Anspielstation. "Nach dem ersten Spiel war ich mit Danny da Costa nicht zu einhundert Prozent zufrieden", hatte Hütter seine Umstellung zwischenzeitlich begründet.

Eintracht auch bei Standards von den Flügeln gefährlich

"Almamy Touré hat gut trainiert und sich in den Vordergrund gespielt. Er hat sich gut gezeigt und die Chance bekommen, von Anfang an zu spielen." Mittlerweile sogar zwei Mal – und das völlig zurecht. Von Münchner Flügelzangen-Verhältnissen à la "Robbery" (Arjen Robben/Franck Ribéry) oder "Sabry" (Leroy Sané/Serge Gnabry) kann bei der Eintracht freilich nicht gesprochen werden. Allerdings: "Touber", wahlweise auch "Zuré", glänzten in der Bundesliga bislang durch ihre ganz eigenen Qualitäten.

Doch das sind nicht die einzigen Indizien, die den unerwartet guten Außen-Dienst des Frankfurter Flügelspiels belegen. Es sind beispielsweise auch die Standards, die derzeit für konkrete Torgefahr sorgen können. Gesehen beim zwischenzeitlichen 2:0 in Berlin, als Kamada von der rechten Seite einen Freistoß zielsicher auf die Stirn von Bas Dost zirkelte. Und es ist auch die Personalsituation, die sich seit dem Ende der abgelaufenen Transferperiode alles andere als schlecht darstellt.

Überraschend deutliche Testspiel-Niederlage gegen Würzburg

Mit Amin Younes (kam auf Leihbasis für zwei Jahre vom SSC Neapel) und Ajdin Hrustic (FC Groningen), zu dessen sportlichem Portfolio neben der Zehn auch die Außenbahnen zählen, haben die Hessen zumindest quantitativ nachgelegt und perspektivisch für Alternativen gesorgt. Im Testspiel gegen Zweitligist Würzburg, das am Freitag überraschend deutlich 0:3 verloren ging, hielten sich beide zwar mit positiven ersten Eindrücken zurück.

Aber: Zumindest für Younes hat sich Hütter schon einen Plan zurechtgelegt. "Ich muss mir Gedanken machen, was das Beste für uns ist", hatte er nach der Verpflichtung des 27-Jährigen gesagt. "Ich habe da etwas im Kopf, aber das muss ich mir noch gut überlegen."

Wagt sich die Eintracht wieder ans 4-4-2?

Zuber, Touré, Younes, dazu in nicht allzu ferner Zukunft wieder Kostic, der durchsetzungswillige und beim Publikum beliebte da Costa und, nicht zu vergessen, Timothy Chandler: Auf den Flügeln ist Eintracht Frankfurt quantitativ gut besetzt, auch die Qualität wurde bereits sichtbar.

Mehr und zugleich flexibel einsetzbares Personal verschafft Hütter taktische Variabilität, Experimente in dem von ihm bevorzugten 4-4-2-System mit zwei offensiven Außen sind – natürlich abhängig vom Gegner – nicht ausgeschlossen. Spannende Momente für Fußballfeingeister und Grobtaktiker dementsprechend auch nicht.

Weitere Informationen

Mehr im hr-fernsehen

Die aktuelle Lage der Frankfurter Eintracht beschäftigt auch das heimspiel! im hr-fernsehen. Beginn der Sendung am Montagabend ist um 23.15 Uhr. In der ARD-Mediathek sowie hier auf hessenschau.de ist das heimspiel! bereits ab 21.30 Uhr abrufbar.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel!, 12.10.20, 23.15 Uhr