Bas Dost auf der Ersatzbank

Bas Dost wird in diesem Jahr kein Fußball mehr spielen. Eintracht Frankfurt zieht den Niederländer wegen Leistenbeschwerden vorerst aus dem Verkehr. Die Stürmerfrage wird dadurch beim Bundesligisten immer dringlicher.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter zu Dost: "Müssen ihn rausnehmen"

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Eins vorweg: Einen Angreifer des Kalibers Jovic, Haller oder Rebic zu ersetzen, ist für keinen Manager dieses Planeten mal eben nebenbei zu erledigen – unabhängig davon, ob er bei Eintracht Frankfurt oder Real Madrid angestellt ist. Verliert ein Verein nun in einer Transferperiode drei solcher Spieler, kann man wohl nur erahnen, wie schwer dieser Job ist. Von daher waren Fredi Bobic und Bruno Hübner im abgelaufenen Sommer wahrlich nicht zu beneiden, als die viel zitierte "Büffelherde" in den Sonnenuntergang galoppierte. Millionenerlöse hin oder her.

Die sportliche Führung war dennoch guter Dinge, eine schlagkräftige Sturmreihe zusammenstellen zu können. Neben Dejan Joveljic, der behutsam aufgebaut werden soll (was so viel heißt, dass er jung ist und noch keine Bundesliga-Qualität besitzt), kamen zur neuen Saison mit Bas Dost und André Silva zwei wohlklingende Fußballernamen. Nach einem knappen halben Jahr lässt sich aus Eintracht-Sicht leider feststellen: Beide sind deutlich öfter angeschlagen als schlagkräftig. Eine Bestandsaufnahme des Frankfurter Angriffs.

Bas Dost – verhinderter Tor-Riese

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Nur zwölf Einsätze bestritt der Mann mit Schuhgröße 48 und dem eingebauten Torriecher bislang wegen verschiedener Wehwehchen für die Eintracht. Vorerst wird kein weiterer dazu kommen, wie Trainer Adi Hütter auf der Pressekonferenz vor dem Hertha-Heimspiel (Freitag, 20.30 Uhr) sagte: "Er muss aus dem Betrieb raus und in Therapie wegen seiner Leistenverletzung. Er bekommt immer wieder Schmerzen, deswegen ist das kein Dauerzustand."

Das Jahr 2019 ist für Dost (5 Pflichtspieltore) in jedem Fall gelaufen. Eine Rückkehr zum Beginn der Rückrunde steht derzeit in den Sternen. Der Niederländer will unbedingt, doch er kann und darf nicht. Und das "nervt ohne Ende", wie Dost kürzlich zu Protokoll gab. Verständlich.

André Silva – Hopp oder Top?

Andre Silva jubelt

An André Silva scheiden sich nicht erst seit seinem Wechsel zur Eintracht die Geister. Die einen sehen in dem 24-jährigen Portugiesen einen fußballerischen Heilsbringer - der Begriff "Königstransfer" machte in Sportredaktionen und an Stammtischen gleichermaßen die Runde – die anderen eher einen, der aus seinem großartigen Talent einfach zu wenig macht. Im Volksmund heißt das dann: Schönwetter-Fußballer.

Die Wahrheit wird wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Fakt ist: Silva muss Gas geben, um dauerhaft Stammspieler in Frankfurt zu werden. Hütter erklärte auf der Hertha-PK, der Stürmer sei "nicht auf dem Level, das wir uns vorgestellt haben". Das darf gern als gut gemeinter Schuss vor den Bug verstanden werden.

Fairerweise sei auch hier erwähnt, dass lang anhaltende Achillessehnenprobleme den Portugiesen in schrecklicher Regelmäßigkeit ausbremsen. So ließ er einem viel versprechenden Start mit drei Toren gegen Dortmund, Union und Bremen seit Anfang Oktober keine weiteren Treffer mehr folgen. Und die Frage muss gestellt werden: Gibt es etwa doch einen triftigen Grund, weshalb sich Silva trotz höchster Preisungen weder in Mailand noch in Sevilla unverzichtbar machen konnte?

Dejan Joveljic – ein frommer Wunsch

Dejan Joveljic

Der Vergleich war so naheliegend wie unsinnig zugleich: Als die Eintracht im Juni den 19-jährigen Dejan Joveljic von Roter Stern Belgrad verpflichtete, überschlugen sich Medienvertreter und Twitter-Experten angesichts der Parallelen zum Frankfurter Sommer-Abgang Luka Jovic. Name, Nation, ausbildender Verein und Position: Da stimmte einfach alles!

Die Eintracht spielte dieses Spielchen nicht mit und wiederholte stattdessen gebetsmühlenartig, dass Joveljic behutsam ans Bundesliga-Geschäft herangeführt werden müsse. Über den Status eines Transfers mit Perspektive ist Joveljic bislang nicht hinausgekommen. Die erhoffte Jovicsche Leistungsexplosion bleibt Stand jetzt ein frommer Wunsch.

Goncalo Paciencia – die einzige Konstante

Goncalo Paciencia bejubelt seinen Siegtreffer gegen Düsseldorf

Das Frankfurter Stürmer-Quartett wird komplettiert von Goncalo Paciencia, mit knapp anderthalbjähriger Vereinszugehörigkeit ein alter Hase im Frankfurter Stadtwald. Sein Problem: Paciencia ist als einziger der drei etablierten Angreifer immer fit und muss dementsprechend auch immer spielen. Ohne Ausnahme. Und die einzigen Stürmer dieser Welt, die keine Pause brauchen und dennoch pausenlos treffen, heißen Lionel Messi und Robert Lewandowski.

Paciencias Quote (9 Tore in 26 Pflichtspielen, ist absolut passabel. Der Portugiese trifft knapp in jedem zweiten Bundesliga-Spiel. Das ist sogar richtig ordentlich. Doch allein wird er die Eintracht eben nicht nach Europa schießen.

Um hundertprozentig zu funktionieren, braucht Paciencia einen verlässlichen Nebenmann. Einen, mit dem er kombinieren kann und der Gegenspieler bindet. Sind Dost und Silva dazu aus verschiedenen Gründen nicht dauerhaft in der Lage, muss die Eintracht noch einen gestandenen Stürmer verpflichten. Am besten im Winter. Auch wenn’s schwer ist.