Trainer Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt steht nach turbulenten Wochen weiter vor einer unsicheren Zukunft. Es gibt inzwischen Dinge, die funktionieren. Es gibt aber auch noch immer große Probleme. Die Erwartungen müssen zurückgeschraubt werden.

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zum Video Eintracht Frankfurt: Die Last-Minute-Helden | hessenschau Sport vom 08.11.2021

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Vor ziemlich genau drei Monaten startete Eintracht Frankfurt mit einer Niederlage im DFB-Pokal bei Drittligist Waldhof Mannheim in die Saison. Diese Blamage Anfang August war der Beginn einer noch immer holprigen Spielzeit mit großen Problemen, einigen Highlights in der Europa League und der Realität Abstiegskampf.

Nach drei Last-Minute-Toren in Folge innerhalb einer Woche konnten die Hessen das Schlimmste zwar vorerst abwenden. Die guten Ergebnisse gegen RB Leipzig (1:1), in Piräus (2:1) und in Fürth (2:1) können die Defizite aber nicht übertünchen. Eine Bestandsaufnahme.  

Was sagen die Zahlen?

Auf den ersten Blick ist an den Zahlen kein großer Unterschied zur vergangenen Saison festzustellen. Aktuell liegt die Eintracht mit zwei Siegen, sechs Remis und drei Niederlagen auf Rang 14, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatten die Hessen unter Ex-Trainer Adi Hütter lediglich einen Punkt mehr auf dem Konto und waren Neunter.

Entscheidend ist aber, dass sich die Hessen unter Oliver Glasner aktuell spielerisch zurückentwickelt haben. Die Passquote ist laut Daten von Opta von 78 auf 73 Prozent gesunken, der Ballbesitz von 54 auf 50 Prozent zurückgegangen. Die Eintracht gibt zudem durchschnittlich weniger Torschüsse ab und ist eklatant weniger torgefährlich. Pro Spiel erzielen die Hessen im Schnitt 1,09 Tore, in der vergangenen Saison waren es noch 2,03. Ein deutlicher Rückgang.

Was funktioniert im Team?

Neben all diesen statistischen Werten haben aber vor allem die vergangenen drei Spiele gezeigt, dass die weichen Faktoren weiterhin stimmen. Das Team ist intakt und hat nach wie vor den Siegeswillen vergangener Tage. Eine Mannschaft mit unüberwindbaren Problemen schießt nicht innerhalb einer Woche drei Tore in der Nachspielzeit. "Wir kämpfen immer bis zur letzten Minute und stecken nie auf", fasste Verteidiger Tuta am Dienstag die große Stärke der Eintracht zusammen. Die Mentalität passt.

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Was funktioniert nicht?

Das größte Problem, und daran ändern auch die Siege in Piräus und Fürth nichts, ist die spielerische Armut. Im letzten Drittel fehlen der Eintracht nach wie vor Lösungen, Durchschlagskraft und Konstanz. Selbst gegen limitierte Gegner wie Fürth, Hertha oder Bochum schafft es das Team von Coach Glasner nicht, über einen längeren Zeitraum Druck zu entwickeln und Chancen zu kreieren. Die Abhängigkeit von Filip Kostic ist noch einmal angewachsen, die Handschrift des Trainers weiter nicht zu erkennen. Wofür steht dieses Team?

Was ist der Grund für diese Probleme?

Der Hauptgrund für all diese Schwierigkeiten ist der unausgegorene Kader. Der Abgang von Toptorjäger André Silva, der sich über Monate hinweg andeutete, wurde nicht annähernd kompensiert. Die Posse um den mittlerweile beurlaubten Amin Younes, der die Hessen spielerisch auf ein anderes Niveau heben könnte, tat ihr übriges. Zudem fehlt - wie bereits seit Jahren - ein Pendant zu Kostic auf der rechten Seite. Das Aufgebot sollte zwar qualitativ für das Bundesliga-Mittelfeld reichen, es fehlen aber entscheidende Stützen.

Welche Rolle hat Trainer Glasner?

Der mit großen Ambitionen und kühnen Plänen nach Frankfurt gekommene Glasner hat inzwischen umgedacht und seine Revolutions-Gedanken erst einmal über den Haufen geworfen. Nachdem er anfänglich noch versuchte, sein Team weiterzuentwickeln, verschiedene Systeme einzustudieren und den Haudrauf-Fußball der vergangenen Jahre einzumotten, ist er inzwischen wieder bei den Basics angekommen. Eine sichtbare Verbesserung stellte der Österreicher jüngst erst für Ende Januar oder Februar in Aussicht. Bis dahin gelte es, sich irgendwie durchzuschlagen. Ergebnisse über Entwicklung, das war so nicht geplant.

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Auf welche Spieler kommt es jetzt an?

In unsteten Zeiten braucht die Eintracht ein stabiles Fundament und eine funktionierende Achse. Torhüter Kevin Trapp, der zum genau richtigen Zeitpunkt zurück zu seiner Topform gefunden hat, Abwehrchef Martin Hinteregger und Kapitän Sebastian Rode müssen jetzt vorangehen. Letzterer hat zwar nach wie vor mit seinem lädierten Körper zu kämpfen. Wie wichtig er auf und neben dem Platz für das Team ist, ist seit seiner Rückkehr aber klar zu erkennen.

Elementar ist zudem, dass Makoto Hasebe regelmäßig einen Platz in der Elf findet, in der Offensive sind Filip Kostic und der zuletzt im Aufwind befindliche Daichi Kamada gefordert.

Was wird das für eine Saison?

Viel zu erwarten, das sollte inzwischen jedem klar sein, ist in dieser Spielzeit nicht. Bis zur Winterpause muss sich die Eintracht irgendwie durchschlagen und Punkte hamstern. Danach muss zwingend - auch für Glasner - ein Aufwärtstrend zu erkennen sein. Dabei helfen soll und muss Sportvorstand Markus Krösche, der in der Winter-Transferperiode einen neuen und funktionierender Mittelstürmer sowie eine weitere Belebung für die Offensive präsentieren sollte.

Sollte die Eintracht dann in der Europa League noch das eine oder andere Highlight liefern und in der Bundesliga irgendwie im Mittelfeld landen, sollte jeder zufrieden sein. Aus der Entwicklungs- ist eine Übergangs-Saison geworden.