Nach der Flutkatastrophe Mitte Juli ist im Ahrtal an Fußball kaum zu denken. Der SV Heftrich hat deshalb Kinder und Jugendliche aus Ahrweiler zu einem Feriencamp nach Hessen eingeladen. Glücksgefühle und Dankbarkeit sind groß.

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zum Video Nach der Flut endlich wieder Fußball | hessenschau Sport vom 20.10.2021

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Die Bilder der Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Ahrtal - Finn Hermann hat sie noch sehr klar vor Augen. "Die ersten Tage waren überhaupt nicht schön. Ich habe ganz wenig gegessen", erzählt der Jugendfußballer vom Ahrweiler BC. "Ich habe total oft über diese Nacht nachgedacht." Heute, rund drei Monate nach der Flut in seiner Heimat, kann Finn sagen: "Jetzt geht's eigentlich wieder."

Dass es wieder geht, liegt auch an einem Umstand, der banal erscheint, es nach einer solchen Katastrophe aber nicht ist: Finn und seine Freunde vom Ahrweiler BC können endlich mal wieder Fußball spielen. Nicht zuhause im Ahrtal, wo Sportplätze wohl noch für lange Zeit unbespielbar sein werden, dafür aber in Hessen - genauer gesagt: Beim SV Heftrich aus Idstein (Rheingau-Taunus), der die Kids des ABC zu einem Herbstferien-Camp eingeladen hat.

Flut im Ahrtal: "Tränen in den Augen"

Initiator ist Felix Erhardt, der selbst im Flutgebiet vor Ort war. "Ich hatte Tränen in den Augen, als ich das gesehen habe", erzählt er im Gespräch mit dem hr-sport. Die Idee für das Camp kam Erhardt vor einigen Wochen, als er eines Abends mit einem befreundeten Nachbarn Urlaub buchen wollte. Stattdessen aber stürzten sich beide sofort in die Planung.

Der SV Heftrich stellt den Sportplatz zur Verfügung, die Stadt Idstein hat eine Halle freigeräumt, damit die Kinder einen Schlafplatz haben. Eine Woche lang sind sie in Hessen, spielen Fußball, Tischkicker, gehen bowlen, lassen die Erinnerungen an die Flut zumindest für ein paar Tage hinter sich. "Ich sehe nur strahlende Kinder", sagt Initiator Erhardt. "Das macht mich glücklich."

"Müssen jetzt noch besser zusammenhalten"

Wann es in Ahrweiler wieder einen geeigneten Platz zum Fußballspielen geben wird, ist völlig unklar. Zumindest während ihrer Zeit in Heftrich müssen die Kids über diese Frage aber nicht nachdenken. Für Finn Hermann ist ohnehin etwas anderes viel wichtiger: "Wir müssen jetzt halt noch besser zusammenhalten als vorher. Die Krise hat uns näher zusammen gebracht."

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