Ein Schiedrichter eines Amateurfußball-Spiels

Wieder ist in Hessen ein Schiedsrichter bei einem Amateurspiel attackiert worden. Der 41-Jährige aus Heusenstamm wurde bespuckt, beleidigt und mit einem Regenschirm geschlagen. Der Mann will rechtlich gegen die Täter vorgehen.

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Alles begann mit einem Elfmeterpfiff. Beim Kreisligaspiel zwischen der SKG Rumpenheim II gegen Sparta Bürgel II am vergangenen Wochenende entschied Schiedsrichter Turgay Sukan in der 80. Minute auf Strafstoß für Rumpenheim. Die Gastgeber trafen zum 1:1, der Verursacher des Elfmeters beklatschte die Entscheidung des Schiedsrichters hämisch. "Es wurde immer schlimmer. Er hat dann angefangen, mich zu beleidigen, also habe ich ihn runter gestellt", erzählt Sukan im Gespräch mit hr3. Zunächst hatten die Lokalzeitungen des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks über den Fall berichtet.

Als der Schiedsrichter nur kurz darauf einen weiteren Bürgeler vom Platz stellen musste, rief das die Ersatzspieler auf den Plan. Laut dem 41-Jährigen stürmten mehrere Bürgeler Reservisten und ein Co-Trainer aufs Feld, beleidigten und bespuckten ihn. Ein Spieler, der an diesem Tag nicht zum Kader gehörte, habe ihm einen Kopfstoß versetzt und mit einem Regenschirm in den Bauch gestochen, so Sukan. "Der ist Mitte 40 und gerade zum dritten Mal Vater geworden. Darüber haben wir uns in der Halbzeitpause noch unterhalten und ich habe ihm noch gratuliert", erinnert sich der Schiedsrichter. "Und dann so ‘ne Aktion…" Das Spiel brach Sukan ab und flüchtete in die Kabine. Nun will er rechtlich gegen seine Angreifer vorgehen.

Lob für den Trainer

"Ich bin schockiert", sagte Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) dem hr-sport – und klang dabei fast schon resignierend. "Was ist die Verschiebung, dass das Hemmungslose so zunimmt? Wo ist die Sensibilität bei den Verantwortlichen? Was müssen wir noch alles tun, um zurück zur Normalität zu kommen?" Der HfV biete zwar allerlei Präventionsmaßnahmen an, "aber wenn die nicht kommen, erreichen wir die auch nicht", so Reuß.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Reuß: "Man glaubt, der Schiedsrichter sei Freiwild"

HFV-Präsident Stefan Reuß
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Einen besonderen Dank richtete Schiedsrichter Sukan an den Chef-Trainer der Bürgeler. "Er hat versucht, dazwischenzugehen, aber es waren einfach zu viele Leute. Aber er kam zu mir in die Kabine und hat bis zur letzten Sekunde gewartet, bis Ruhe herrscht", lobte der Unparteiische.

Einnerungen an Attacke im Kreis Dieburg

Der Vorfall im Kreis Offenbach weckt Erinnerungen an die Attacke auf einen Schiedsrichter im Kreis Dieburg. Dort wurde erst vor wenigen Wochen ein 22 Jahre alter Schiedsrichter von einem Spieler bewusstlos geschlagen. Der Fall hatte bundesweit für Diskussionen gesorgt.

Der HFV hatte sich daraufhin in einem offenen Brief an die Vereine gewandt und zur Mithilfe aufgefordert. "Wir appellieren an alle Vereine, sich bewusst zu machen, dass wir in eine zunehmend dramatischere Situation kommen und immer weniger Sportfreunde zukünftig bereit sein werden, sich als Schiedsrichter zur Verfügung zu stellen", hieß es in dem Schreiben. "Lassen sie es nicht soweit kommen und setzen sie gegen Spieler und Mitglieder, die sich nicht an Spielregeln und einen faireren Umgang halten, ein deutliches Zeichen!"