Özil
Mesut Özil hat das Thema Rassismus mit seinem Rücktritt aus der DFB-Elf wieder stärker in den Fokus gerückt. Bild © picture-alliance/dpa

Nach dem Rücktritt von Nationalspieler Mesut Özil wird auch auf hessischen Plätzen über Rassismus diskutiert. Während man beim Nachwuchs von Eintracht Frankfurt auf die integrative Kraft des Fußballs baut, ist die Basis eher desillusioniert.

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Fußball im Tor Sujet

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rassismus im Fußball: Das sagen Amateurkicker zur Causa Özil

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Ob Flüchtlingskrise, US-Präsident Trump oder das Wetter: Die bislang alle Schlagzeilen dominierenden Themen des Sommers 2018 spielen derzeit nur die zweite Geige in der Medienlandschaft. Grund ist der geräuschvolle Rücktritt von Nationalspieler Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft.

Der in Gelsenkirchen aufgewachsene Deutsch-Türke beklagt im Nachgang zu seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan neben fehlender Rückendeckung durch den DFB eine Hetzkampagne in den Medien und Rassismus auf vielen Ebenen.

Mal bist du Deutscher, mal Türke

Damit trifft der 29 Jahre alte Weltmeister nicht nur in der Politik und an den Stammtischen der Republik einen Nerv - auch die Basis, der Amateurfußball, diskutiert so intensiv wie schon lange nicht über das Thema Ausgrenzung. Hier erntet Özil zumindest für seinen Rücktritt viel Verständnis. "Wenn's gut läuft, ist er Deutscher, wenn's schlecht läuft, ist er Türke", lautet der Tenor etwa beim Kreisoberligisten FSG Lollar-Staufenberg aus der Nähe von Gießen ganz im Sinne von Özils Statement.

Darin hatte Özil genau darauf verwiesen: Seine türkischen Wurzeln würden immer im Fall des Misserfolgs herangezogen. Andersrum eben nicht. Ähnliche Erfahrungen hat auch Mutlu Aksöz, Trainer des Gruppenliga-Aufsteigers BSF Richtsberg aus Marburg, gemacht. In seiner Mannschaft kicken fast ausschließlich Spieler mit Migrationshintergrund, die meisten von ihnen sind hier geboren. Doch in Auswärtsspielen, so Aksöz, "hören wir oft Sprüche wie 'Scheiß Ausländer' oder ähnliches, meist aus dem Bereich der Zuschauer".

Rassismus beim Eintracht-Nachwuchs kein Thema

Einige Ligen weiter oben, im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Frankfurter Eintracht, scheint die Problematik weniger ausgeprägt. "Das ist überhaupt kein Thema im Jugendfußball, weil die Jungs es gewohnt sind, zusammen aufzuwachsen", sagt NLZ-Leiter Armin Kraaz. "Natürlich sind heranwachsende junge Männer auch mal geladen und gehen verbal aufeinander los. Aber es hat nichts mit einem rassistischen Hintergrund zu tun." Bei der Eintracht, wo laut Kraaz mehr als 50 Prozent der Nachwuchsspieler einen Migrationshintergrund haben, sei Rassismus und Ausgrenzung "noch nie ein Thema" gewesen.

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Armin Kraaz

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-NLZ-Chef Kraaz: "Gab noch nie einen Fall von Streit wegen der Herkunft"

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Einschränkend gab Kraaz zu Protokoll: "Wenn die Spieler wie bei uns in einem Leistungszentrum sind, sind sie natürlich auch sehr diszipliniert." In den unteren Spielklassen, das zeigt die Erfahrung, herrscht traditionell sowohl bei Nachwuchs- als auch Seniorenkickern ein rauerer Ton.

Der Stein des Anstoßes für Holzhauer: Gündogan (li.) und Özil (Mitte) posieren mit Erdogan.
Der Stein des Anstoßes: Ilkay Gündogan (li.) und Mesut Özil (Mitte) posieren mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Bild © picture-alliance/dpa

Sommerloch oder dauerhaftes Problem?

Wie geht es nun weiter? Wird das Thema Rassismus mit Beginn der Spielzeiten langsam aber sicher wieder in den tiefen Amateurplätzen versacken oder dauerhaft die Schlagzeilen beherrschen? Amateur-Coach Aksöz, der neben dem türkischen seit einigen Jahren auch den deutschen Pass besitzt, befürchtet Auswirkungen auf kommende Generationen möglicher Nationalspieler. "Ich glaube, manche Eltern werden sich an Özils Worte erinnern, wenn es darum geht, für welches Land ihr Kind einmal spielen soll. Dann werden sie sagen: In Deutschland zählt man nur auf euch, wenn ihr erfolgreich seid."

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Stadrat tritt nach rassistischem Post gegen Özil zurück

Im Juni trat der Bebraer Stadtrat Bernd Holzhauer (SPD) von seinem Amt zurück, nachdem er Özil und Ilkay Gündogan infolge ihres Fotos mit Erdogan als "Ziegenficker" beschimpft hatte. Darauf bezog sich Özil auch in seinem Rücktritts-Statement in den sozialen Netzwerken.

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