Steffi Jones.

Steffi Jones war deutsche Nationalspielerin und -trainerin. Im "hr-heimspiel!" spricht sie über rassistische Anfeindungen auf dem Platz und daneben. Mit einem Film will sie nun Mut machen.

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(zum Thema und den Aussagen von Steffi Jones geht es ab Min. 27:27)

Steffi Jones war nicht nur langjährige Nationalspielerin, sondern auch unter anderem als Nationaltrainerin für Deutschland aktiv. In ihrer Rolle als Funktionärin wurde sie rassistisch beleidigt, wie Jones am Montagabend in der hr-Sendung "heimspiel!" berichtete. Als sie bei einer Platzbegehung Hände schüttelte, rief ein Zuschauer: "Jetzt kannst du sagen, du hast einer Negerin die Hand geschüttelt." Jones sagte am Montag dazu: "Das ist noch gar nicht so lange her."

Der Fußball sei immer ihr Auffangbecken gewesen, Mitspielerinnen hätten sie gegen rassistische Anfeindungen verteidigt und sie geschützt. Das Ausmaß der Feindseligkeiten sei nicht so massiv gewesen wie im Männerfußball. Jones erzählte aber von Gegenspielerinnen, die ihr auf dem Platz sagten: "Du schwarze Sau, ich trete dich gleich um."

Doku über Rassismus im Fußball mit Kostedde und Asamoah

Jones ist eine von vielen schwarzen Fußballerinnen und Fußballern, die in einer neuen Dokumentation über ihre Erfahrungen mit Rassimus in Deutschland reden. Der Film "Schwarze Adler" ist ab dem 15. April beim Streamingdienst Amazon prime zu sehen und läuft am 18. Juni im ZDF. Auch der gebürtige Offenbacher Jimmy Hartwig, Erwin Kostedde, Gerald Asamoah und Patrick Owomoyela kommen darin ausführlich zu Wort. Archivaufnahmen in der Doku zeigen, wie Spieler seinerzeit mit Rufen "Neger raus" in den Stadien bedacht werden. Ein Fan sagt in ein Mikro: "Normalerweise haben Neger dort nichts zu suchen."

Jones zeigte sich bestürzt, als sie die Erfahrungsberichte ihrer Kollegen hörte und sah. "Die Geschichten im Männerfußball haben mich schon echt erschüttert und tief verletzt. Im Frauenfußball ist es nicht so gängig, da hast du auch nicht eine derart große Fankultur." Sie erkannte im Film aber auch viele Situationen wieder, die sie selbst durchlebt habe. "Ich kann es gar nicht fassen, wie sich Menschen das Recht rausnehmen können, andere aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Aussehens auszugrenzen."

Diskriminierung im Alltag: "Schwatte nehmen wa nicht"

Jones wurde 1972 in Frankfurt am Main als Tochter eines afroamerikanischen US-Soldaten und einer Deutschen geboren. Ihre ersten Anfänge als Fußballerin machte sie beim SV Bonames und bei der SG Praunheim. Bevor sie als Nationalspielerin und spätere DFB-Funktionärin bundesweit bekannt wurde, gehörte die Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe zum Alltag.

Bei der Wohnungssuche wurde ihr gesagt: "Schwatte nehmen wa nicht." Erst durch ihre gestiegene Popularität habe sich das geändert, so Jones. "Aber wäre ich nicht Steffi Jones mit diesem Bekanntheitsgrad, dann würden die Menschen mich anders behandeln."

Kein Outing aus Angst vor Vergewaltigung

Noch heute erlebt sie aber schlimme Momente - auch aufgrund ihrer Sexualität. "Ich bin farbig und lebe mit einer Frau zusammen. Das sind zwei Extreme, die auf mich einprasseln. Und das ist nicht schön, wenn du siehst, dass Menschen wegen dir die Straßenseite wechseln."

Bei der Frauen-WM berichteten ihr die Nationalspielerinnen von Nigeria, dass sie ihre Sexualität nicht offen ausleben dürften. "Da kamen Spielerinnen zu mir, die gesagt haben, dass sie sich nicht outen können - weil sie sonst vergewaltigt werden." Jones war Präsidentin des Organisationskommitees der Frauen-WM 2011.

"Meine Mutter wurde als 'Negerhure' beschimpft"

Der Film "Schwarze Adler" soll aus ihren Augen Betroffenen Mut machen. "Ich habe das über die ganzen Jahre mit mir selbst ausgemacht. Ich habe erlebt, wie meine Mutter als 'Negerhure' beschimpft wurde. Die hatte es eh schon schwer genug. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich nicht alleine bin. Dieser Film soll eine große Aufmerksamkeit kriegen. Es geht ja nicht nur um Farbige, sondern um alle, die diskriminiert werden."

Der Weltmeisterin von 2003 macht es Hoffnung, dass sich gerade im Fußball immer mehr Fans, Spieler und Funktionäre öffentlich gegen Intoleranz und Diskriminierung positionieren. Sie wünscht sich aber auch ein spontanes Eingreifen, wenn es im Stadion zu diskriminierenden Äußerungen komme. Steffi Jones sagt: "Im Stadion muss die Mehrheit reagieren und demjenigen sagen: Du hast keine Chance mehr!"