Ein Ball liegt im Tor.

Der hessische Amateurfußball sucht weiter einen Ausweg aus der Corona-Krise. Die aktuelle Saison soll nach Möglichkeit zu Ende gespielt werden – was erhebliche Auswirkungen auf die nächste haben könnte.

2.100 Vereine, 10.400 Mannschaften, fast 530.000 Mitglieder – plus unzählige Eltern, die ihre Kinder Woche für Woche zu Training und Spielen fahren: Am Hessischen Fußball-Verband (HFV) zeigt sich deutlich, wie viele aktive und passive Anhänger einer einzigen Sportart derzeit ihr Leben umkrempeln müssen.

Wegen der Coronavirus-Krise rollt aktuell weder bei den Frauen noch bei den Männern oder den Kindern und Jugendlichen ein Ball. Allein im Seniorenbereich der Männer betrifft das zwischen Hessen- und Kreisoberliga an die 40 Staffeln mit jeweils bis zu 18 Teams. Hinzu kommen weitere in den Kreisligen A bis D sowie den Kreisklassen.

HFV will Saison 2019/20 sportlich zu Ende bringen

Die Aktiven in all diesen Ligen eint eine Frage: Wann können wir wieder Fußball spielen? Proficlubs wie Bundesligist Eintracht Frankfurt durften zuletzt immerhin in einen improvisierten Trainingsbetrieb unter Hygieneregeln zurückkehren. Der HFV hält sich an die behördliche sowie staatliche Verfügungslage und hat den Spielbetrieb bis aus Weiteres ausgesetzt.

Einen Schnellschuss, also einen voreiligen Abbruch der Saison, will der Verband auf jeden Fall vermeiden. Mehr noch: Ein Schreiben des Schiedsrichterausschusses an die Unparteiischen der Hessenliga sowie den drei Verbandsligen bekräftigt nun den Wunsch aller Verantwortlichen, die Saison 2019/20 sportlich zu Ende zu bringen.

Die wichtigsten Eckpunkte dieses Schreibens sind:

  • Selbst wenn ab dem 1. September wieder Spiele möglich sein sollten, sei mit einem Abschluss der aktuellen Saison nicht vor Ende Dezember zu rechnen – es müssten also auch im Kalenderjahr 2021 Spiele ausgetragen werden.
  • Dadurch gerate der Beginn der Saison 2020/21 ins Wanken – in den Regionalverbänden werde deshalb die Frage diskutiert, ob sie ersatzlos gestrichen werden soll.
  • In diesem Fall würde der geregelte Spielbetrieb erst am 1. Juli 2021 mit der Saison 2021/22 wieder aufgenommen werden.

"Das ist keine Beschlussfassung, nichts ist in Stein gemeißelt", betont Gerd Schugard, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses, der den "Stand der Dinge" im Gespräch mit dem hr-sport einordnet: "All das wird in den Regionalverbänden als mögliche Verfahrensweisen diskutiert. Nicht mehr und nicht weniger." Schugards Anliegen ist es, die 35 bis 60 Schiedsrichter der Hessen- und Verbandsligen, die in der Corona-Krise naturgemäß nicht von den Vereinen unterrichtet werden, mit Infos zu versorgen.

Die Zeit droht immer knapper zu werden

In ganz Hessen sind nach Angaben des HFV rund 5.000 Unparteiische tätig. Schugard ist darüber hinaus für die Schiri-Ansetzungen in der Regionalliga Südwest zuständig, wo mit Steinbach Haiger, Offenbach, Gießen und dem FSV Frankfurt vier weitere hessische Clubs aktiv sind.

Im Verband, das erläutert Schugard, sei derzeit eine Arbeitsgemeinschaft damit beschäftigt, das noch offene Spielgeschehen aufzulisten – einschließlich der Pokal-Wettbewerbe. Allen ist bewusst: Von vielleicht noch sommerlichen Bedingungen im September bis zu den möglicherweise schon winterlichen Witterungsverhältnissen Anfang Dezember ist nicht viel Zeit.

Hessenliga-Saison erst zu knapp zwei Drittel absolviert

Wo kein Kunstrasenplatz zur Verfügung steht, kann nach nur drei Monaten vielleicht schon nicht mehr gespielt werden. In der Hessenliga, um nur ein Beispiel zu nennen, haben manche Vereine erst 21 von 34 Spieltagen hinter sich – das sind nicht einmal zwei Drittel der kompletten Saison.

Nur wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, passen die 13 noch ausstehenden Partien exakt auf die Wochenenden, die der Kalender bis Ende November hergibt. Allerdings: "Wenn der 1. September nicht zu halten ist, wird die Problematik noch viel größer", sagt Schugard.

Geisterspiele auch auf Amateurebene?

Eine weitere Frage, die praktisch alle Ligen umtreibt, ist die nach Geisterspielen. Schugards persönliche Einschätzung ist, dass es unterhalb der dritten Liga keine Partien ohne den Ausschluss von Zuschauern geben werde. Für manche Vereine, vor allem in den unteren Ligen, sei der finanzielle Aufwand möglicherweise zu groß.

"Es ist schließlich nicht damit getan, nur die Stadiontore zuzuschließen", sagt der Chef des Verbandsschiedsrichterausschusses. Wie der gesamte HFV orientiert sich auch Gerd Schugard an den politischen Entscheidungen von Bund und Ländern. Womit den fast 530.000 im Verband organisierten Mitgliedern ebenfalls vorerst keine andere Wahl bleibt.