Der 1. FFC Frankfurt startet in die neue Saison der Frauenfußball-Bundesliga. Manager Siegfried Dietrich spricht im Interview über das erste Spiel gegen Potsdam, den Stellenwert der Liga und die angestrebte Fusion mit Eintracht Frankfurt.

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Dietrich klatscht sich mit FFC-Spielerinnen ab.
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hessenschau.de: Herr Dietrich, die Frauen-Bundesliga geht in ihre 30. Saison, der FFC ist von Beginn an dabei. Macht Sie das stolz?

Siegfried Dietrich: Das macht uns sehr stolz, zumal wir ja zu einer Zeit eingestiegen sind, als wir mit der SG Praunheim noch einen kleinen Männerverein repräsentiert haben. Dann haben wir die Entscheidung getroffen, uns selbst vermarkten zu wollen. Mit neuem Namen, in einem attraktiven Stadion, mit Top-Spielerinnen und starken Sponsoren, im Herzen von Europa in Frankfurt – als 1. FFC Frankfurt.

30 Jahre ist eine große Historie, wenn man überlegt, was wir alles gewonnen haben. Sieben Mal die Meisterschaft, neun Mal den Pokal, vier Mal die Champions League. Das sind Entwicklungsparameter, die im deutschen Frauenfußball für die Gesamtentwicklung eine Rolle gespielt haben.

hessenschau.de: Der Gegner Turbine Potsdam hat sich wie der FFC ebenfalls in der Frauen-Bundesliga oben gehalten, trotz Vereinen wie Wolfsburg oder Bayern München. Was bedeutet Ihnen das Spiel gegen Turbine?

Dietrich: Das ist ein Klassiker zwischen zwei Vereinen, die das Tagesgeschäft von der Pike auf gelernt haben und jeden Cent verdienen müssen. Wir blicken auf eine sehr interessante Zeit zurück. Aber genauso interessant wird es in der Zukunft für uns sein, Entwicklungen mitzugehen, um in der Gesamtorientierung des deutschen und europäischen Frauenfußballs eine Rolle zu spielen.

hessenschau.de: Die Engländer und Spanier wedeln mit viel Geld. Was macht Sie so selbstbewusst zu sagen, dass die Frauen-Bundesliga noch immer eine Marke ist, die in Europa ganz oben steht?

Dietrich: Zum einen haben wir bewiesen, dass wir in der europäischen Spitze immer ganz vorne dabei sind. Früher mit Potsdam, Frankfurt, Duisburg, heute mit Wolfsburg und Bayern. Aber vor allem haben wir in der Breite Mannschaften, die es mit dieser Qualität in anderen Ligen nicht gibt. Die Ligen in England, Frankreich, Italien und Spanien werden eine Zeit brauchen, um in ihrer Gesamtstruktur das darzustellen, was die Bundesliga ausmacht.

In dieser Zeit müssen wir uns positionieren, mit Attraktivität auf dem Rasen, im Umfeld, mit den Strukturen, die wir haben. Und vielleicht auch unter dem Dach des einen oder anderen Lizenzvereins, wie wir das mit Eintracht Frankfurt geplant haben. Insofern bin ich sehr hoffnungsfroh und absolut davon überzeugt, dass wir – auch mit Unterstützung des DFB – auf einem guten Weg sind.

hessenschau.de: Sie nannten die anstehende Saison bereits eine Verlobungssaison, an deren Ende dann eine Traumhochzeit stehen soll. Warum ist für Sie die Fusion mit Eintracht Frankfurt unumgänglich?

Dietrich: Der FFC war schon immer so orientiert, die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Wir haben immer gesagt, die Frauen-Bundesliga braucht Wettbewerb. Das haben Vereine wie Bayern München, Wolfsburg oder Freiburg erhört. Wir haben die Geister gerufen, und jetzt müssen wir die Geister wieder einfangen. Wir haben hier im Herzen von Europa viel Fußballgeschichte geschrieben, im Frauen- wie im Männerbereich.

Die Eintracht ist ein sehr modern und vielseitig aufgestellter Verein, und wir freuen uns sehr, dass alle Gremien der gemeinsam geplanten Orientierung für die Zukunft unter einem Dach sehr positiv gegenüberstehen und wir zusammen eine Win-win-Situation anstreben wollen. In der Verlobungssaison gilt es jetzt zu zeigen, dass wir eine richtig coole Braut sind, die mit dem, was sie mitbringt – Spielerinnen, denen die Zukunft gehört, Know-how, Sponsoren – eine echte Traumhochzeit feiern kann.

Das Gespräch führte Martina Knief (hr-sport).