Tanja Pawollek vom FFC Frankfurt
Tanja Pawollek vom FFC Frankfurt Bild © Imago

Das 19-jährige Ausnahmetalent Tanja Pawollek vom 1. FFC Frankfurt hat von der neuen Bundestrainerin eine Einladung bekommen. Um ein Haar hätte sie den entscheidenden Telefonanruf gar nicht angenommen.

Von Martina Knief, hr-sport

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FFC Pawollek

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tanja Pawollek: mit 19 Jahren schon Führungsspielerin

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Wenn Tanja Pawollek von dem Moment berichtet, in dem sie von der Einladung zur Nationalmannschaft erfuhr, strahlt sie noch heute. Dabei war der Anruf des Trainers, der da mitten in der Winterpause auf ihrem Handy blinkte, eigentlich so gar nicht nach ihrem Geschmack. "Ich dachte im ersten Moment: Was will der jetzt, es ist doch Pause, lass mich in Ruhe!", erzählt sie und schmunzelt.

Sie ist aber doch rangegangen und FFC-Trainer Niko Arnautis konnte ihr endlich mitteilen, dass sie erstmals für einen Lehrgang der A-Nationalmannschaft nominiert wurde. Dann herrschte Stille, Sprachlosigkeit bei der sonst so kommunikativen Tanja Pawollek. "Ich musste erst einmal in mich gehen und realisieren, was das überhaupt heißt. Das war immer mein großer Traum. Jetzt bin ich zwar noch nicht am Ziel, aber es ist ein großer Schritt."

Fritz-Walter-Medaille in Gold

Seit 2013 hat die 19-Jährige alle Nachwuchsmannschaften des DFB durchlaufen. Sie wurde U-17 Europameisterin, war bei einer Nachwuchs-WM in Jordanien dabei und 2018 bei der U-20 Weltmeisterschaft in Frankreich. Die Mittelfeldspielerin, die derzeit beim Hessischen Fußball Verband eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolviert, ist eines der hoffnungsvollsten Talente des DFB und hat bereits 49 Jugendländerspiele absolviert. Zudem hat Pawollek im vergangenen Jahr die Fritz-Walter-Medaille in Gold erhalten, die höchste Auszeichnung im deutschen Nachwuchsfußball. Und jetzt der Sprung in die A-Nationalmannschaft.

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Das Wintertrainingslager der DFB-Frauen

Der einwöchige Lehrgang der Frauenfußball-Nationalmannschaft im spanischen Marbella startet am 14. Januar, insgesamt sind 30 Spielerinnen dabei, die sich der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg empfehlen möchten. Am 06. April findet ein Testspiel gegen die Schwedinnen in Stockholm statt, weitere Freundschaftsspiele sind in Planung. Die Weltmeisterschaft wird zwischen dem 07. Juni und 07. Juli in Frankreich ausgetragen.

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30 Spielerinnen hat Martina Voss-Tecklenburg für den Wochenlehrgang in Marbella eingeladen, vier davon sind talentierte Nachwuchsspielerinnen, die in der Nationalmannschaft noch nicht zum Einsatz kamen. Unter ihnen ist auch Klara Bühl vom SC Freiburg, mit der Tanja Pawollek schon häufig das Zimmer geteilt hat. Die beiden kennen sich schon lange von den Nachwuchsteams. "Ich freue mich einfach, mit allen zusammen zu sein. Wir haben alle die gleichen Chancen. Und das wird nicht ein Konkurrenzkampf unter uns jungen Spielerinnen, die neu oder noch nicht so lange dabei sind, sondern unter allen."

Und über allem schwebt die WM, die im Sommer in Frankreich stattfindet und für die sich jede der Spielerinnen der neuen Trainerin empfehlen möchte. Die Chance dazu hat auch Pawolleks Mannschaftskollegin Laura Freigang, die nach einigen Absagen für den Lehrgang nachnominiert wurde.

"Das Tempo beim DFB wird anders sein"

Im Gespräch merkt man Tanja Pawollek ihre große Vorfreude auf den Lehrgang an. Die Weihnachtspause hat sie zum Trainieren genutzt, will fit zum Lehrgang fahren. Denn sie weiß: "Das Tempo beim DFB wird noch mal ein ganz anderes sein als in der Bundesliga." Vor drei Jahren ist sie mit 16 Jahren zum FFC gekommen. Was da schon auffiel war das Selbstbewusstsein, das die Vollblutfußballerin auszeichnet.

Mittlerweile ist sie Stammspielerin mit Führungsqualitäten in der jungen FFC-Mannschaft, sie gilt als unerschrocken, hochtalentiert und wissbegierig. Mit fünf Jahren bereits hat Tanja Pawollek beim TV Hausen mit dem Fußball spielen angefangen. Mit elf Jahren ist sie zur SG Rosenhöhe gewechselt und hat dort ausschließlich mit Jungs zusammen gespielt. "Ich bin ein Typ, der gerne vorangeht und in der dritten Saison kann man das von mir auch erwarten. Ich bin zwar erst 19 Jahre alt, aber schon ein alter Hase in dieser Mannschaft. Das genau will ich und das will auch der Trainer."

Fehlt jetzt nur noch ein guter Eindruck bei der Bundestrainerin. Mal sehen, wer dann sprachlos ist.

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Über Martina Knief

Martina Knief ist Reporterin beim Hessischen Rundfunk und ARD-Expertin für den Frauenfußball. Seit Beginn der Frauenfußball-Bundesliga begleitet sie die hessischen Mannschaften und berichtet seit 1995 auch über die Nationalmannschaft.

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