Die Corona-Pandemie hat auch Folgen für die Fußball-Bundesliga der Frauen. Die Spiele sind ausgesetzt und vielen Vereinen drohen finanzielle Einschnitte. FFC-Manager Siegfried Dietrich hofft auf Schadensbegrenzung und vermisst die emotionalen Momente vergangener Tage.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Siegfried Dietrich: "Schadensbegrenzung ist das Thema"

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Siegfried Dietrich ist nicht nur der Manager des 1. FFC Frankfurts, sondern zugleich Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen des Deutschen Fußball Bundes (DFB). Im Interview spricht er über finanzielle Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Clubs, einen möglichen Zeitplan und "Schadensbegrenzung" für die aktuelle Saison.

hessenschau.de: Wie bedrohlich ist die derzeitige Situation für die Existenz der Frauen-Bundesliga-Vereine?

Siegfried Dietrich: Auch wenn wir im Frauenfußball natürlich über andere Dimensionen sprechen als in der Männerwelt, wird sich die Corona-Krise - je nach Dauer und Aussetzen des Spielbetriebs – natürlich auch auf die wirtschaftliche Situation der Frauen-Bundesligisten auswirken. Bezüglich der Größenordnung kann man aktuell nur spekulieren, zumal die Vereine in ihrer Unternehmensstruktur unterschiedlich aufgestellt sind.

hessenschau.de: Welche Unterschiede gibt es zwischen den Teams, die an "Männer-Vereine" angeschlossen sind und den eigenständigen Klubs, wie zum Beispiel Turbine Potsdam?

Dietrich: Während die Frauenabteilungen der Lizenzvereine unter einem gewissen Schutzschirm des Männerfußballs im Gesamtverein stehen, ist natürlich die aktuelle Situation für die traditionellen Frauenfußballvereine wie Potsdam und in dieser Saison auch noch Frankfurt eine maximale Herausforderung – da hier jeder Euro selbst generiert werden muss. Sehr hilfreich für die zwölf Vereine der Frauen-Bundesliga sind allerdings in der schweren Zeit die Einnahmen der Liga-Zentralvermarktung durch den DFB, aus der jeder Verein in solidarischer Zuordnung einen nicht unerheblichen sechsstelligen Betrag erhält. Eine Aktivität des DFBs, die gerade jetzt besonders wichtig und wertvoll ist.

hessenschau.de: Auch Männer-Lizenzvereine fühlen sich durch die Corona-Krise bedroht. Gibt es Signale, dass die Klubs das Budget für die Frauenfußball-Abteilungen kürzen wollen?

Dietrich: Ich denke, dass logischerweise alle Bereiche in notwendige Vereinsmaßnahmen einbezogen werden, da aber der Frauenfußball bei vielen Lizenzclubs im Gesamtbudget eher eine kleinere Position einnimmt, bin ich optimistisch, dass in den Überlegungen neben dem Wachstums-Potenzial des Frauenfußballs die hohe sportpolitische und gesellschaftliche Bedeutung greift und auch gute Argumente für neue Vermarktungsmodelle und Internationalisierungsprozesse eine Rolle spielen.

hessenschau.de: Welche Rolle spielen die Zuschauereinnahmen für den Frauenfußball?

Dietrich: Die Ticketeinnahmen sind wichtig, betragen aber bei den meisten Frauen-Bundesligisten aktuell weniger als fünf Prozent. Umso wichtiger sind für die Erstligisten die Einnahmen der individuellen und der vom DFB zentralvermarkteten Sponsorships.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Siegfried Dietrich: "Der 30. Juni 2020 könnte als Saisonende realisierbar sein"

FFC-Frankfurt-Manager Siegfried Dietrich
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hessenschau.de: Welche Überlegungen gibt es dazu, wie und wann die Frauen-Bundesliga fortgesetzt werden kann?

Dietrich: Im DFB-Ausschuss Frauen-Bundesligen tauschen sich regelmäßig Vereinsvertreter und DFB-Verantwortliche zur möglichen Finalisierung der Spielzeit 2019/2020 aus. Seit Beginn der Krise habe ich empfohlen, dass sich auch die Flyeralarm Frauen-Bundesliga am roten Faden des deutschen Profifußballs und damit auch an den Beschlüssen der DFL orientiert. Es stehen noch sechs Spieltage aus und selbst wenn wir erst Anfang Juni weitermachen würden, könnte der 30. Juni 2020 als angestrebtes Saisonende realisierbar sein.

hessenschau.de: Wären "Geisterspiele" auch eine Option für die Frauen?

Dieteich: Auch wenn mir das Szenario "Geisterspiele" nicht so richtig gefällt: Wir müssen den Realitäten ins Auge schauen – und wenn es die Vorgaben der Behörden zulassen, könnten Spiele ohne Zuschauer der Rettungsanker für die aktuelle Saison und generell ein Modell für die Überbrückung von solchen Krisenzeiten im Profifußball sein. Wichtig ist, dass wir für unsere Fans und Sponsoren medial präsent sind und dass die sportlichen Entscheidungen herbeigeführt werden. Schadensbegrenzung ist das Thema, auch wenn wir natürlich nur zu gerne bald wieder unsere Fans live im Stadion begeistern wollen. Diese emotionalen Momente sind nicht zu ersetzen und ich bin sehr gespannt, wann das wieder möglich ist.

Das Gespräch führte Tabea Kunze, ARD-Hörfunk