dpa Rote Karte
Die Schiedsrichter in Frankfurt streiken. Bild © picture-alliance/dpa

Den Frankfurter Schiedsrichter-Vertretern reicht's. Am Wochenende streiken die Unparteiischen in allen Jugendligen der Stadt. Der Grund: Zunehmende Gewalt-Attacken. Zwei Fälle verdeutlichen das Maß der Eskalation.

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Ein Schiedsrichter zeigt die rote Karte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kreisschiedsrichterobmann Mathias Lippert im Talk zum Schiri-Streik

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An diesem Wochenende bleiben die Schiedsrichter-Pfeifen bei Jugend-Fußballspielen in Frankfurt stumm. Wie die Schiedsrichter-Vereinigung am Donnerstagabend mitteilte, werden sämtliche bereits eingeteilten Referees wieder abgezogen, am Samstag und Sonntag gibt es für rund 150 Spiele von der E- bis zur A-Jugend keine Schiedsrichter. "Die jüngsten Ereignisse auf den Frankfurter Sportplätzen zwingen uns zum Handeln", heißt es dazu offiziell.

Zwei Fälle in Frankfurt zwingen zum Handeln

Eine ebenso drastische wie unumgängliche Maßnahme. Es muss ein Umdenken bei den Vereinen, den Trainern und den Eltern stattfinden, wie Mathias Lippert im Gespräch mit dem hr-sport noch einmal betonte. "Wir müssen jetzt ein Zeichen setzen", sagte der Kreisschiedsrichter-Obmann. Die zunehmende Gewalt gegen Unparteiische könne nicht weiter toleriert werden. "Unsere Schiedsrichter werden attackiert, beleidigt, bespuckt. Dieses Verhalten können wir nicht akzeptieren."

Ausschlaggebend für den kollektiven Streik sind zwei Fälle in der jüngeren Vergangenheit. Bei einem B-Jugendspiel in Frankfurt wurde in der vergangenen Woche ein 43 Jahre alter Schiedsrichter von einem jugendlichen Spieler mit mehreren Faustschlägen verletzt. "Ihm wurde die Lippe blutig geschlagen", so Lippert.

Wenige Wochen zuvor hatte ein Trainer einen 15 Jahre alten Schiedsrichter-Neuling bei einem E-Jugendspiel massiv beschimpft und bedrängt. Obwohl ihm ein erfahrener Kollege zur Seite gestellt wurde, ließ sich der Coach nicht beruhigen. "Wir müssen deshalb unseren Nachwuchs jetzt schützen, so geht es nicht mehr weiter."

Vereine sollen selbst pfeifen

Lippert, der sich seit 14 Jahren um das Schiedsrichter-Wesen in Frankfurt kümmert, sorgt sich um seine Schützlinge. Die Anzahl der aktiven Schiedsrichter hat sich unter ihm zwar von 200 auf 330 erhöht, die Zukunft scheint dennoch ungewiss. "Wir haben zwölf bis 15 dokumentierte Fälle von Gewalt gegen Schiedsrichter im Jahr, die Dunkelziffer ist aber sicher viel höher." Vor allem die Jüngsten trauen sich oft nicht, über Anfeindungen zu sprechen. "Die schweigen lieber und hoffen, dass es besser wird."

Beim Verband und dem Kreisschiedsrichter-Ausschuss setzt man deshalb jetzt auf Taten. Am Wochenende müssen Trainer, Betreuer oder Zuschauer den Job des Schiedsrichters übernehmen. Die Heimvereine müssen in den eigenen Reihen einen Schiri-Ersatz finden. Ein Seitenwechsel, der Verständnis erzeugen und ein Umdenken bewirken soll, so Lippert: "Die sollen alle mal sehen, dass das nicht so einfach ist."

Sendung: hr-iNFO, 20.04.18, 15 Uhr