Laura Freigang

Für Laura Freigang von Eintracht Frankfurt ist es egal, wer wen liebt. Wichtig ist, dass alle die gleichen Rechte haben. So geht es auch Alexander Arnold, Fanbeauftragter bei Darmstadt 98. Beide kämpfen gegen Queerfeindlichkeit, auch wenn das noch ein weiter Weg ist.

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zum Video Kampf gegen Queerfeindlichkeit: "Es braucht Zuspruch, keine Naivität"

Alexander Arnold
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Mit dem Fußball als Abbild der Gesellschaft ist es wie mit dem Pokal und den eigenen Gesetzen - diese Überzeugung hat sich inzwischen so durchgesetzt, dass sie in einem Abreißkalender mit Fußball-Weisheiten ganz sicher mit dabei wäre. Oder eines Tages als mäßig geschmackvolles Wandtattoo eine Vereinskneipe in der Kreisliga schmückt. Und so ist es, ob in der Kreis- oder Bundesliga, wie in der Gesellschaft: Homophobie und Queerfeindlichkeit sind noch immer ein Problem.

Das weiß auch Alexander Arnold. Er ist Fanbeauftragter bei Darmstadt 98 und seit 2015 Ansprechpartner für sexuelle Vielfalt. Für ihn geht es auch um Sichtbarkeit. "Die ist wichtig, weil Homosexualität im Männerfußball lange Zeit sehr unsichtbar war", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport. "Die Erfahrung habe ich auch gemacht - im Jugendfußball wurde mir immer gezeigt, Homosexualität und Fußball, das gehört einfach nicht zusammen."

Ob im Stadion oder als Hobbykicker - Arnold wünscht sich eine Normalisierung. "Die Leute müssen sehen, homosexuelle Menschen gehören zum Fußball, sie gehen ins Stadion und sind vielleicht sogar schon auf dem Rasen mit dabei." Davon ist auch Laura Freigang überzeugt.

Einen Safe space schaffen

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht einen schwulen Fußballer in der Bundesliga gibt", sagt die Offensivspielerin von Eintracht Frankfurt. "Es geht gar nicht darum, dass man Menschen dazu zwingt, sich zu ihrem Privatleben zu äußern, sondern darum, einen Space zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen."

Solch ein Safe space sind die Teams der Fußballerinnen, auch in der Bundesliga. "Bei uns ist das auf jeden Fall so, aber nicht nur im Team oder der Liga, sondern auch in der Fangemeinschaft. Der Frauenfußball ist eine der tolerantesten Gesellschaftsgruppen, die ich kenne. Alle werden so akzeptiert, wie sie sind", so Freigang. Beleidigungen, etwa von der Tribüne, gibt es, auch wenn wieder Fans ins Stadion dürfen, nicht.

Hass im Netz, Tabu bei den Männern

Anders ist das im Netz - da sind Freigang und ihre Mitspielerinnen immer wieder Beschimpfungen ausgesetzt. Für die 23-Jährige ist das nur schwer auszuhalten. "Ich finde es schwierig, komplett drüber zu stehen. Ich habe immer das Bedürfnis, mich dazu zu äußern. Ich weiß, dass das nicht immer sinnvoll ist und dass man nicht auf alles eingehen sollte." Manchmal aber geht es aus ihrer Sicht nicht anders.

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„Wir werden oft als 'Mannsweiber', oder als 'Lesbensport' bezeichnet, aber: Warum ist die Sexualität eine Beleidigung?“ Zitat von Laura Freigang
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"Wir werden oft als 'Mannsweiber', oder als 'Lesbensport' bezeichnet, aber: Warum ist die Sexualität eine Beleidigung?", fragt Freigang. Im Team ist kein Thema, wer wen liebt - aber es ist auch kein Tabu - anders als bei den Fußballern. "Gerade im Männerfußball ist es so, dass über die Sexualität nicht gesprochen wird. Das ist absolut kein Thema, aber nicht im positiven Sinne, sondern es wird einfach verschwiegen." Sie hofft, dass sich das bald ändert.

Support, keine Naivität

Die Männer könnten sich einfach mal ein Beispiel an ihren Kolleginnen nehmen. "Wenn wir vorweggehen können, warum gehen wir nicht vorweg? Vielleicht können wir da zusammenhalten und zeigen, dass wir füreinander da sind", sagt Freigang. Auch deshalb ist sie mit der Eintracht bei der Aktion des Magazins 11Freunde dabei. Mehr als 800 Spielerinnen und Spieler zeigen da: 'Wir sind für euch da, bei eurem Coming Out'’

Die Eckfahne in den Farben des Regenbogens.

Für Alexander Arnold ist das ein wichtiges Zeichen. "Wir müssen uns nichts vormachen, das wird nicht einfach, wenn jemand sein Coming Out hätte. Aber, wenn es nie einer macht, dann bleibt dieser Schritt immer schwierig", sagt der Fanbeauftrage der Lilien. Aussagen wie die von Weltmeister Philipp Lahm, der Fußballern vom Coming Out abgeraten und damit auch sein neues Buch beworben hatte, findet Arnold nicht hilfreich. Er glaubt: "Es braucht Zuspruch und Unterstützung, keine Naivität. Aber was auf keinen Fall hilft, ist, davon abzuraten."

Gleiche Rechte

Denn das ist ein Rückschritt - für den Fanbeauftragten, aber auch für all die Initiativen, die für Gleichberechtigung kämpfen. Arnold stellt klar: "Für Rechte von queeren und homosexuellen Menschen einzustehen, bedeutet nicht, dass sie besondere Rechte wollen, sondern einfach die, die alle anderen auch haben. Ich frage mich immer: Wie kann man dagegen sein? Das will einfach nicht in meinen Kopf."

So geht es auch Laura Freigang: "Das macht aus einem Mensch nicht weniger Mensch, aus einem Mann nicht weniger Mann und aus einer Frau nicht weniger Frau, welche Sexualität man hat." Vielleicht wäre das ja auch eine Weisheit für die Vereinsheime in Kreis- und Bundesliga.

Sendung: hr-iNFO, 9.03.21, 10.45 Uhr