Fans von Eintracht Frankfurt
Im Stadion von Eintracht Frankfur geht es meist friedlich zu. Bild © Imago Images

Die Bilder von krawallbereiten und aggressiven Fans haben sich ins Gedächtnis eingebrannt, die Gefahren eines Stadionbesuchs werden immer wieder diskutiert. Die Zahlen zeigen aber: Die Panikmache ist unnötig.

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hs

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Am frühen Donnerstagmorgen um 3.46 Uhr ploppte im Landesdienst der Deutschen Presse-Agentur eine Meldung zur inneren Sicherheit in Hessen auf. Überschrift: "Weniger Verletzte bei Einsätzen rund um Fußballspiele". Klingt positiv, ist es natürlich auch. Angesichts der immer wieder geführten Diskussionen über die Gefahren von Pyrotechnik, die Gefahren von gewaltbereiten Fans oder die allgemeine Verrohung der Sitten aber gleichzeitig auch eine Überraschung.

Ist der Besuch eines Fußballspiels bei Eintracht Frankfurt, Darmstadt 98 oder den Offenbacher Kickers also doch ein mögliches Ausflugsziel für die ganze Familie? Klare Antwort: ja.

0,002 Prozent aller Fans werden verletzt

Werfen wir zunächst einen Blick auf die tatsächlichen Zahlen: Bei insgesamt 157 Spielen in Bundesliga, 2. Liga, 3. Liga, Regionalliga Südwest, der Europa League und dem DFB-Pokal ging die Zahl der Verletzen in Hessen in der vergangenen Saison von 48 auf 37 zurück. Vier davon waren Polizeibeamte. Verteilt auf die einzelnen Städte gab es die meisten Zwischenfälle im Rahmen von Polizeieinsätzen in Frankfurt (32), gefolgt von Darmstadt (3) und Wiesbaden (2). Auf den restlichen Plätzen geschah genau: nichts.

"Gewalt hat in den Stadien nichts verloren und darf von niemandem verharmlost werden", kommentierte Innenminister Peter Beuth (CDU) die von seinem Ministerium veröffentlichten Statistiken. Den "gewaltbereiten Chaoten" dürfe keine Bühne geboten werden.

Weniger Drama würde allen guttun

Im Kern, das ist klar, hat Beuth damit natürlich Recht. Jeder Verletzte ist einer zu viel, Gewalt hat im Fußball, der Gesellschaft und allen anderen möglichen Orten nichts verloren. Setzt man die Zahlen jedoch ins Verhältnis, könnte man das oben angeführte Zitat noch um den Nebensatz ergänzen, dass man die Gewalt nicht verharmlosen, aber ebenso wenig dramatisieren sollte.

Die aufgeführten 157 Spiele der Eintracht, der Lilien, des SV Wehen Wiesbaden, des OFC, des TSV Steinbach Haiger, von Eintracht Stadtallendorf, dem FSV Frankfurt und Hessen Dreieich besuchten insgesamt rund 1,75 Millionen Fans. Davon wurden 37 verletzt. Das sind 0,002 Prozent.

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Zum Vergleich: Beim Mainzer Rosenmontags-Umzug, bei dem in diesem Jahr rund 450.000 Närrinnen und Narrhalesen laut offiziellen Angaben "ausgelassen und friedlich" feierten, wurden bis zum Abend bereits 405 Verletzte und 174 Straftaten gezählt. Die zuständige Polizei zog damals ebenso "eine positive Bilanz" wie die bayerischen Kollegen nach dem letztjährigen Oktoberfest, bei dem im Herbst 2018 sogar eine Person in Folge einer tätlichen Auseinandersetzung verstarb. Wie passt das zusammen?

Auf der einen Seite stehen emotional aufgebrachte Zuschauer und rivalisierende Fangruppen mit wenigen Verletzten und großem Aufschrei. Auf der anderen Seite löst feierndes Partyvolk mit vielen Verletzten ein rundum zufriedenes Echo der Behörden aus. Klare Antwort: Das passt gar nicht – und das sollte man vielleicht auch häufiger betonen.