Auch auf diesem Fußballplatz in Bruchköbel ruht der Trainings- und Spielbetrieb.

Während die Profis unbeirrt kicken, müssen Hessens Amateure weiter die Füße still halten. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist nicht in Sicht. Notfallpläne für den Re-Start liegen aber bereit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fußballtrainer Jauernick: "...dann wäre es möglich, die Hinrunde zu beenden"

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Wann geht es weiter im heimischen Amateurfußball? Eine seriöse Prognose dazu kann und will Jürgen Radeck nicht abgeben. Da geht es dem für den Spielbetrieb verantwortlichen Vorstand des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) wie den meisten anderen Menschen in Deutschland. "Ich will keine Luftschlösser bauen", sagt Radeck im Gespräch mit dem hr-sport. Wie sollten diese auch aussehen? Fest steht nach der Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar nur: Bis mindestens Anfang Februar passiert auf den Fußballplätzen der Amateure in Hessen definitiv nichts.

Seitdem die letzten Spiele Ende Oktober abgepfiffen wurden, befinden sich tausende Amateurkicker des Landes im Wartestand. Joggen und Däumchendrehen, so sehen die meisten individuellen Trainingspläne derzeit aus. Manche Vereine haben ihre Einheiten auf die Plattform Zoom verlegt. Eine Hoffnung teilen alle: bald wieder Gras fressen und in der Vereinskneipe über die wichtigste Nebensache der Welt philosophieren zu können.

Halbserie rechtfertigt Auf- und Abstiege

Für diese Zeit hat man beim Verband vorgesorgt. Bereits im November wurden Rahmenpläne für eine Fortsetzung des Spielbetriebs erarbeitet. Also einen für Spielbeginn Januar (der landete laut Radeck bereits im Papierkorb), einen für Februar und einen für März. Das feste Ziel des HFV: zumindest die Hinrunde in sämtlichen Amateurligen irgendwie zu Ende zu bringen. "Dann", sagt der Funktionär, "hätten wir eine faire Grundlage, um eventuell sagen zu können, wir bewerten die Runde sportlich."

Übersetzt heißt das: Bekommt der Verband die restlichen Spieltage bis zum Ende der Hinserie irgendwie absolviert, dürften auch in diesem Sommer Aufstiege gefeiert und Abstiege betrauert werden. Nur: Bis zum 30. Juni, dem traditionellen Ende des Fußballjahres, muss das passiert sein. Eine Nachspielzeit über diesen Stichtag hinaus wird es nicht geben.

Trainer: "Müsste möglich sein, Vorrunde zu beenden"

In der Praxis stellt sich auch dieses abgespeckte Vorhaben gelinde gesagt schwierig dar. In der Frankfurter Gruppenliga Ost beispielsweise, dem coronageplagten Sorgenkind unter den hessischen Ligen, müssten allein zum Beenden der Hinrunde noch 19 Spieltermine angesetzt und absolviert werden, wie HFV-Vorstand Radeck vorrechnet. Eine ordentliche Vorbereitung, für die Mannschaften mindestens vier Wochen veranschlagen, ist da noch nicht eingerechnet.

Maurice Jauernick, Trainer des Gruppenligisten FSV Schröck

Hoffnungslos sind sowohl die Entscheidungsträger als auch die Vereine angesichts dessen aber nicht. "Es müsste möglich sein, zumindest die Vorrunde zu beenden", glaubt etwa Maurice Jauernick, Trainer des Gruppenligisten FSV Schröck. Der Tabellenzweite der Gruppenliga Gießen/Marburg hatte bis zur Aussetzung des Spielbetriebs zehn Spiele absolviert.

Wie der HFV sieht auch Jauernick ein Ende der Saison 2020/21 nach dem Ende der Hinrunde als realistischste Lösung. Acht Spiele wären das noch für die Schröcker. An viel mehr glaubt der 40-Jährige nicht: "Die Runde zu Ende zu spielen, klingt aus meiner Sicht utopisch." Stattdessen hofft Jauernick auf eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs Ende Februar, Anfang März. Sollte die Pandemie auch das verbieten, "wird's irgendwann knapp".

Großer Teil der Einnahmen bricht weg

Doch nicht nur mit Blick auf den Spielplan drängt die Zeit. Das Wettbewerbsverbot bringt die Amateurvereine auch finanziell an die Belastbarkeitsgrenze. Als "reine Katastrophe" bezeichnete der Chef des Landessportbunds (LSB), Rolf Müller, die aktuelle Lage für die hessischen Vereine - nicht nur im Fußball, der sich im Regelfall mit Zuwendungen von örtlichen Sponsoren und vor allem Einnahmen durch Eintritt, Wurst- und Getränkeverkäufe an den Spieltagen über Wasser hält. Diese fallen seit Monaten weg.

Da die meisten Amateurfußballer nicht vertraglich an ihre Clubs gebunden sind, sondern sich mit sogenannten Aufwandsentschädigungen etwas dazu verdienen, müssen die Vereine nicht zwangsläufig Spieler fürs Nichtstun bezahlen, sind aber oftmals auf den guten Willen aller Beteiligten angewiesen. Schröcks Trainer Jauernick zum Beispiel verzichtet seit der Zwangspause auf sein Geld. "Das war für mich selbstverständlich", sagt er.

LSB-Präsident Müller fürchtet zudem, dass mancher Hesse angesichts der langen Durststrecke dem Amateursport den Rücken zuwenden könnte. "Bleiben die jungen Sportler bei der Stange? Oder sagen sie, Playstation ist ja auch ganz prima", fragte er kürzlich in den Zeitungen der VRM-Gruppe. An dieser Stelle sei der beruhigende Hinweis erlaubt: Erfahrungsgemäß bringen Nachwuchsfußballer beides ganz gut unter den Hut.