Mehr Akzeptanz, weniger Vorurteile: Sechs Fußballerinnen aus Hessen haben die "LPSTCKCRW" gegründet, um mit Klischees über fußballspielende Frauen aufzuräumen. Mit ihren Social-Media Kanälen wollen die Freestylerinnen ein Zeichen setzen.

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50 Jahre, acht EM-Titel, zwei WM-Titel und eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen - man könnte meinen, dass fußballspielende Frauen in der deutschen Gesellschaft angekommen seien. Frauen haben aber bis heute mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen. Zeit, aktiv dagegen vorzugehen. Das dachte sich Anna Hoppe, leidenschaftlichere Kickerin aus Darmstadt. Sie ist Mitgründerin der "LPSTCKCRW" (ausgesprochen Lipstickcrew): einem Zusammenschluss von sechs Fußballerinnen aus unterschiedlichen Bereichen.

"Uns eint alle dieselbe Leidenschaft: der Fußball"

Die Fußballinitiative ist vor allem auf Instagram aktiv, betreibt aber auch Kanäle auf Facebook und TikTok. Mit Beiträgen, Challenges und Veranstaltungen will sie Mädchen und Frauen inspirieren und motivieren. Unterstützt wird sie dabei von einem Fußballfachgeschäft aus der Frankfurter City, in dem Anna auch arbeitet. "Wir haben die LPSTCKCRW gegründet, um fußballspielenden Frauen und Mädchen eine Plattform zu bieten und Missstände im Fußball bei Frauen aufzuzeigen. Wir spielen alle in verschiedenen Ligen. Von der Kreisliga bis zur Bundesliga. Aber uns eint alle dieselbe Leidenschaft: der Fußball."

Anna selbst begann das Fußballspielen mit elf Jahren beim FSV Schneppenhausen in Weiterstadt. Dort spielte sie zunächst mit den Jungs in einem Team. "Ich habe mit einer Freundin dort angefangen. Hatte somit also etwas weibliche Unterstützung. Am Anfang war es aber für uns und die Jungs ungewohnt. Die Jungs haben sich aber schnell an uns gewöhnt und uns als Teil des Teams akzeptiert."

Vielzahl von Vorurteilen und Klischees

Akzeptanz. Ein Wort mit großer Bedeutung für die 24-jährige Mitgründerin der LPSTCKCRW. Denn schließlich entsteht auch aus fehlender Akzeptanz heraus eine Vielzahl von Vorurteilen und Klischees gegenüber Frauen im Fußball. "Es gibt sicher auch andere – negative – Erfahrungen von Mädchen, die bei den Jungs kicken. Ich hatte damals vielleicht Glück oder es lief gut, weil Kinder eben noch nicht so vorurteilsbelastet sind. Ich bin aber der Meinung, dass es von Vorteil für Mädchen ist, mit Jungs zusammen zu spielen. Solange wie möglich. So lernen immerhin auch die Jungs, dass es vollkommen normal ist, dass Mädels Fußball spielen."

Die Fußballerinnen der LPSTCKCRW kommen aus alles Ecken des Fußballs. Und Hessens. Gianna Zachan ist die Fußball-Freestylerin in der Crew. Die 21-Jährige aus Reinhardshagen bei Kassel steht seit ihrem siebten Lebensjahr als Fußballerin auf dem Platz. "Zuerst habe ich neun Jahre lang in einer reinen Jungsmannschaft in Reinhardshagen gespielt".

"So viel Zeit für mein Freestyle-Training wie jetzt hatte ich noch nie"

Seit 2014 läuft sie mit Unterbrechung als Mittelfeldspielerin für den KSV Kassel auf. Dreimal die Woche trainiert sie normalerweise, momentan allerdings fällt das Training Corona-bedingt aus. Trotzdem ist sie täglich am Ball, nur eben etwas anders: "So viel Zeit für mein Freestyle-Training wie jetzt hatte ich noch nie." Die 21-Jährige hat einen besonderen Fußball im Gepäck. Bei dem Ball, so erklärt sie, handelt es sich um eine spezielle Version für Freestyler. Der extra starke Grip macht ihn griffiger.

Schnell ist klar, warum das wichtig ist. Gianna jongliert den Ball zuerst im Stand von dem einen auf den anderen Fuß, um ihn dann mit ihrem "starken" Fuß in die Luft zu heben. Während der Ball hüfthoch fliegt, lässt sie in Sekundenschnelle ihr Bein um den Ball kreisen. Und gleich nochmal in umgekehrter Reihenfolge – ohne, dass der Ball dabei auf dem Boden aufkommt. "Around the world" heißt dieser Trick.

Schwachsinnige Sprüche

"Manchmal sehe ich einen Trick von einem anderen Freestyler im Video und denke 'mega cool, probiere ich auch mal aus'. Dann klappt es nach fünf Versuchen oder so. Es gibt aber auch Tricks, für die man teilweise noch zwei Monate braucht." Das sei dann schon mal frustrierend, sagt sie. Trotzdem lässt sie sich nicht entmutigen und übt weiter.

Genauso wenig entmutigen lässt sie sich von dummen Sprüchen. Ein Grund, warum Gianna sich der LPSTCKCRW angeschlossen hat. "Wir alle kennen Sprüche wie: 'Ihr gehört nicht auf den Fußballplatz, sondern in die Küche', was kompletter Schwachsinn ist." Der 21-Jährigen ist es aber auch wichtig zu betonen, dass ihre Generation es schon einfacher habe. So hätten ältere Spielerinnen ganze Arbeit geleistet, damit Frauen im Fußball mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Die Leidenschaft zum Fußball

Von Kassel nach Dreieich. Hier liegt die Heimat von Saskia Matheis. Die 23-jährige Profifußballerin trägt mit Stolz den Eintracht-Adler auf Ihrer Maske. Mit der Eintracht spielt sie in der höchsten deutschen Spielklass. Die Dreieicherin kickt schon seit sie laufen kann, woran auch ihre fußballbegeisterte Familie nicht ganz unschuldig ist. "Mein Bruder hat Fußball gespielt, mein Papa hat Fußball gespielt und auch mein Opa. Mir wurde das in die Wiege gelegt."

Was in der Familie Matheis normal ist, ist in der Gesellschaft immer noch mit Klischees überhäuft. Frauen im Fußball müssen sich immer noch mit Vorurteilen auseinandersetzen und um Anerkennung kämpfen. "Wir wollen mit der LPSTCKCRW eine Plattform bieten über die Sozialen Medien für Mädels und Frauen, die den Sport lieben – wie es die Männer eben auch tun – um eben auch mehr soziale Anerkennung zu erreichen."

Die Leidenschaft zum Fußball

Dazu gehören auch Events wie die Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen im Fußball", an dem Saskia und ihr Vereinskollege Danny Da Costa teilnahmen. Während des Gesprächs hat man festgestellt, dass Frauen und Männer im Fußball kaum was unterscheidet - bis auf die soziale Anerkennung und den damit verbundenen Privilegien der Männer im Fußball.

Saskia ist sichtlich stolz auf die LPSTCKCRW und hofft auf eine größere gesellschaftliche Akzeptanz von Frauen im Fußball. Dafür werden sie sich auch in Zukunft und trotz der pandemiebedingten Einschränkungen stark machen. Denn sie eint eine Sache: Die Leidenschaft zum Fußball.