Kaum dabei, schon Matchwinner: Der ehemalige Fuldaer Jamal Musiala wird für Deutschland gegen Ungarn zum entscheidenden Spieler. Nun steht für Musiala ein ganz besonderes Match an.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jamal Musiala macht im DFB-Team den Unterschied

Jamal Musiala
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Vom Sportplatz des ehemaligen TSV Lehnerz sind es nur knapp 350 Kilometer zur Allianz Arena in München, für Jamal Musiala liegt jedoch ein ganzes Leben dazwischen. Hier der kleine Grasplatz in Hessen, auf dem alles begann. Dort die große, weite Fußballwelt, auf deren internationaler Bühne Musiala gerade das erste dicke Ausrufezeichen setzte.

Matchwinner und Torvorbereiter im Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn, nun Hoffnungsträger für die K.o.-Phase der Europameisterschaft. Klingt nicht schlecht.

Jamal Musiala: in Fulda ausgebildet

Die Karriere des Jamal Musiala, sie verläuft steil nach oben. In Stuttgart geboren und in Fulda ausgebildet, zog Musiala im Alter von sieben Jahren mit seinen Eltern nach England. Über den FC Southampton und den FC Chelsea landete Musiala 2019 beim großen FC Bayern, als die Familie wieder nach Deutschland zog.

Dort verdiente er sich die ersten Sporen in der U23, erwies sich aber schnell als überqualifiziert. Mittlerweile hat er 27 Bundesligaspiele auf dem Buckel, davon keines über 90 Minuten. Trotzdem ist er zweifacher Deutscher Meister und jüngster deutscher Champions-League-Torschütze aller Zeiten. Das nennt man dann wohl Überflieger.

"Ich hatte nichts zu verlieren"

Nun also der Durchbruch im Nationalteam. "Ich sollte mir Sachen zutrauen und aggressiv nach vorne gehen. Ich hatte nichts zu verlieren", sagte Musiala nach seinem gerade einmal achtminütigen Auftritt gegen Ungarn. Dafür hat er umso mehr gewonnen.

Einer ideenlosen deutschen Mannschaft gab er neue Impulse, riss durch seine Dribblings die lang ersehnten Löcher in die ungarischen Defensive, vor dem 2:2 verlud er zwei Gegner und spielte den Ball scharf in die Mitte, wo Leon Goretzka nach Abpraller das Tor zum Weiterkommen erzielte. "Ich bin einfach reingekommen ohne Angst zu haben, etwas zu probieren", so Musiala.

Dass Musiala durchstarten würde, war abzusehen. Und zwar schon lange. Branko Milenkovski, Musialas ehemaliger Jugendtrainer in Lehnerz, erinnerte sich im Gespräch mit dem hr-sport: "Er war immer viel besser als die anderen und hat meist mit zwei Jahre älteren Kindern gespielt. Körperlich war er damals sehr klein, dafür aber immer viel schneller und ballsicherer als die anderen." Noch heute guckt Milenkovski stolz Musialas Spiele, auch zur Familie hat er noch Kontakt.

Wendig, kreativ, gut im Eins gegen Eins

Die Ballsicherheit, sie ist noch immer die große Stärke Musialas. Und unterscheidet ihn auch im Nationalmannschaftskader von den übrigen Spielern.

Denn mit seiner Wendigkeit und seinen Stärken im Dribbling bringt der ehemalige Fuldaer Attribute mit, die man im deutschen Kader selten findet. Vor allem in den Spielen gegen kleinere, defensiver agierende Nationen kann Musiala damit zum Dosenöffner werden – wie gegen die Ungarn.

Entsprechend lobte Bundestrainer Joachim Löw anschließend: "Musiala war frech, hat die Bälle gesichert, das war eine sehr ansprechende Leistung." Auch ZDF-Experte Per Mertesacker schwärmte: "Hut ab vor diesem jungen Spieler, der den Unterschied gemacht hat für eine ratlose deutsche Mannschaft." Rekordnationalspieler Lothar Matthäus forderte einen Startelfeinsatz Musialas im Achtelfinale gegen England: "Er sollte von Anfang an spielen. Er hat das gewisse Etwas“, so Matthäus.

"Das wird ein cooles Spiel"

Ob in der Startelf oder zunächst auf der Bank – das Spiel gegen die "Three Lions" wird für Musiala so oder so ein ganz besonderes Spiel. Erst vor seinem Debüt für Deutschland im März hatte er sich gegen die englische Nationalmannschaft entschieden, für die er ebenfalls spielberechtigt gewesen wäre und ganze 23 Mal in diversen U-Nationalteams bis hoch zur U21 zum Einsatz kam.

Seiner Unbekümmertheit scheint indes auch die Vergangenheit im England-Trikot nichts anhaben zu können. "Ich freue mich darauf", so Musiala. "Das ist ein Spiel gegen meine zweite Heimat. Das wird ein cooles Spiel."

Sendung: hr-iNFO, Nachrichten, 24.06.21, 6 Uhr