Damm umartm Dawid

Eintracht Stadtallendorf und Hessen Kassel jubeln über die Rückkehr in die Fußball-Regionalliga. Für den KSV ist es das Ende einer Hängepartie – und das nächste kuriose Kapitel in der vereinseigenen Aufstiegs-Historie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessen Kassel steigt auf: Kapitän Brill im hr3-Gespräch

Brill im Training
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Nordhessische Eskalation mit acht Buchstaben? Wahnsinn. "Wahnsinn – die Löwen sind zurück in der Regionalliga", hieß es am späten Dienstagabend auf der Internetseite des KSV Hessen Kassel. Nach zwei Jahren Hessenliga kehrt der Traditionsclub von der Fulda in die Viertklassigkeit und damit in die unmittelbare Nähe des bezahlten Fußballs zurück. Sportlich ein verdienter Aufstieg, keine Frage. Aber eben auch einer, der vorerst ohne die entsprechenden Feierlichkeiten auskommen muss.

KSV-Kapitän Brill: "Biederduschen leider ausgefallen"

"Wir hätten uns natürlich gefreut, wenn 2.000 Fans im Stadion gewesen wären und mit uns gefeiert hätten", sagt KSV-Kapitän Frederic Brill im Gespräch mit hr3. Corona, der ausgesetzte Spielbetrieb, Hygienegebote und Abstandsregeln: Auch im Kasseler Auestadion ist Party derzeit freilich nicht möglich. Angestoßen wurde im Kreise der Mannschaft trotzdem.

"Natürlich mit dem nötigen Abstand, den man einhalten muss", versichert Brill. "Aber die Bierduschen sind leider ausgefallen. Deswegen ist da schon auch einen weinendes Auge dabei." Eine richtige Feier, am liebsten im Bierkönig auf Mallorca, soll nachgeholt werden.

Regionalliga holt Kassel als besten Zweiten hoch

Der KSV Hessen – und auch der TSV Eintracht Stadtallendorf, der als Hessenliga-Meister ebenfalls in die vierte Liga zurückkehren wird – geht gewissermaßen als erster virtueller Regionalliga-Aufsteiger in die hessische Fußball-Geschichte ein. Das Besondere dabei: Als Tabellenzweiter hätte Kassel eigentlich noch eine Aufstiegsrunde gegen Teams aus den Oberligen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Saar bestreiten müssen.

Bei der Entscheidung, die aktuelle Regionalliga-Saison abzubrechen, beschloss die Leitung der Südwest-Staffel am Dienstag aber auch: Neben den Meistern Stadtallendorf, TSV Mainz und VfB Stuttgart II wird auch dem nach der Quotienten-Regelung besten Tabellenzweiten ein direktes Aufstiegsrecht gewährt. Aus Hessen Kassel wird so nach Monaten des Bangens wieder ein Viertligist.

"Wir bedanken uns als KSV Hessen Kassel bei den Gesellschaftern der Regionalliga Südwest und dem Hessischen Fußball-Verband für den unermüdlichen Einsatz zur Ermittlung des vierten Aufsteigers", kommentierte Vorstand Jens Rose die Entscheidung, für die sich zuletzt nicht nur Fans, sondern auch Profis und Politiker stark gemacht hatten. Roses Dank dürfte zudem an Trainer Tobias Damm gehen, der die Mannschaft im Herbst vergangenen Jahres vom entlassenen Dietmar Hirsch übernommen und zuletzt mit neun zum Teil deutlichen Siegen in Folge überhaupt erst wieder zu einem Aufstiegsaspiranten geformt hatte.

Wann die Regionalliga mit nun sechs hessischen Teams (Kassel, Stadtallendorf, Steinbach Haiger, Offenbach, FSV Frankfurt und Gießen) in die neue Saison starten kann, ist noch offen – vor dem 1. September wird es in der dann 22 Clubs umfassenden Südwest-Staffel aber nicht losgehen. Fest steht nur: Die schier unendliche Geschichte verpasster Kasseler Aufstiege ist mit einem einmaligen Kapitel vorerst beendet.

Hessen Kassel: Bundes- und dritte Liga mehrfach verpasst

Den verpatzten Sprüngen in die Bundesliga während der 1980er Jahre, den später mehrfach misslungenen Qualifikationen für die dritte Liga oder auch dem bitteren Verpassen der Oberliga-Aufstiegsrunde im vergangenen Jahr steht nun der Corona-Regionalliga-Aufstieg 2020 gegenüber. Es ist nicht mehr und nicht weniger als nordhessische Eskalation mit acht Buchstaben: Wahnsinn.

Sendung: hr3, 27.05.20, 12.40 Uhr