Szene aus Kaufunger Testspiel vom Wochenende

Wegen der Corona-Pandemie müssen die meisten Amateurfußballer in Hessen ihren Bedarf vor dem Fernseher oder an der Konsole decken. Nicht so die kickenden Groundhopper des SV Kaufungen.

An Fußball unter Wettkampfbedingungen ist im hessischen Amateurbereich derzeit noch nicht zu denken. Nach den aktuell gültigen Regelungen des Hessischen Sozialministeriums wären Spiele wegen der Corona-Pandemie dann möglich, wenn sie kontaktfrei beziehungsweise unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern ablaufen. Und auch wenn sich der eine oder andere Amateurfußballer schon körperloses Spiel vorwerfen lassen musste, so sind Zweikämpfe über 90 Minuten in einem richtigen Fußballspiel wohl eher nicht zu vermeiden.

Der SV Kaufungen aus dem Landkreis Kassel hat nach Lösungen für dieses Problem gesucht – und ist im Landkreis Eichsfeld fündig geworden. Der liegt nämlich kurz hinter der Landesgrenze zu Thüringen. Und dort sind im Gegensatz zu Hessen Testspiele wieder erlaubt.

So kamen die Kaufunger als einer der ersten Vereine in Hessen und Deutschland im Sommer 2020 in den Genuss lupenreinen Fußballs: mit Tacklings, mit Kopfballduellen und sogar einer Hand voll Toren – wenn auch ohne Zuschauer.

Szene aus Kaufunger Testspiel vom Wochenende

"Die Jungs haben sich total gefreut"

Zweimal ist die 2. Mannschaft der Kaufunger bereits für Testspiele über die Landesgrenze gepilgert. Die kickenden Groundhopper aus der Kreisliga B gastierten am vorvergangenen Sonntag beim SV Edelweiß Kefferhausen und eine Woche später nun beim FSV Uder. Kennen Sie nicht? Egal, darauf kommt's auch nicht an.

Beide Spiele gewannen die Nordhessen mit 4:2 respektive 3:2. Die Ergebnisse waren jedoch bestenfalls zweitrangig, wie Trainer Dirk Mäder berichtet. "Die Jungs haben sich einfach total gefreut, wieder Fußball spielen zu können." Unter der Woche ist das zwar wieder erlaubt mit zehn Spielern pro Platzhälfte. Aber dass Training keine Wettkampferfahrung ersetzt, ist von der Bundesliga bis zur Reserve-Runde nun mal ein universell gültiges Gesetz. Auch in Kaufungen.

Tour de Thüringen mit Bonus-Gig in Niedersachsen

Wie kamen die Hessen eigentlich zu ihrer Tour de Thüringen? Ganz einfach: Mäder war vor einiger Zeit schon Trainer in Witzenhausen, an der Grenze zum Nachbarland. Damals hat er die ersten Bande nach Thüringen geknüpft und nun "einfach mal rumgefragt". Lange nach Gegnern suchen musste er nicht.

Die 2. Mannschaft des SV Kaufungen wird in der kommenden Saison – wann diese beginnt, ist noch unklar – erstmals nach zweijähriger Spielpause wieder am Ligawettbewerb teil. Umso wichtiger war es für den Cheftrainer, "echte Gegner" für die schon seit vier Wochen laufende Vorbereitung zu finden.

Die für einen B-Ligisten unüblich weite Anfahrt von rund 60 Kilometern nimmt man da schonmal in Kauf, um in den Genuss einer 90-minütigen Einheit mit menschlichen Widersachern zu kommen. Und es wird nicht der letzte Trip dieser Art gewesen sein.

Macht das Virus vor Sportplätzen Halt?

Nächster Tournee-Stopp der Nordhessen ist Niedersachsen. Wobei die Anreise diesmal auch mit dem Fahrrad zu bewerkstelligen wäre. Staufenberg-Benterode, wo die Kaufunger am kommenden Wochenende zum Freundschaftsspiel antreten, ist schließlich nur einen Steinwurf von der hessischen Landesgrenze entfernt. Danach steht auch schon der dritte Kurztrip nach Thüringen auf dem Programm.

"Es ist wichtig, dass sich die Mannschaft findet und einspielt nach Corona", sagt Mäder. Umso mehr, da der Stamm des Teams von ehemaligen Jugendspielern in ihrem ersten Seniorenjahr gebildet werden soll. Man kann ihn verstehen, die hungrigen Nachwuchsfußballer sowieso.

Rechtlich sind diese Reisen in Fußballoasen wie Thüringen und Niedersachsen erlaubt. Die moralische Frage muss an dieser Stelle allerdings gestellt werden. Macht das Coronavirus vor Sportplätzen in Thüringen oder Niedersachsen Halt? Vermutlich nicht. Ein mulmiges Gefühl hätten seine Schützlinge aber nicht gehabt, versichert Mäder. Und so heißt es auch am kommenden Wochenende wieder: "Kann mich jemand mitnehmen? Ich hab' heute kein Auto."

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Verbandsboss fordert einheitliche Regelung

Als schwer vermittelbar wertet der Präsident des Hessischen Fußbal-Verbands (HFV) die von Bundesland zu Bundesland variierenden Regelungen bezüglich der erlaubten Wettkämpfe. Stefan Reuß fordert daher eine einheitliche Regelung für den Fußball in Deutschland.

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Kesselstein steigt nicht auf
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