Fans von Eintracht Frankfurt im Stadion

Eintracht Frankfurt spielt wohl ohne Zuschauer gegen Bremen. Sport und Politik diskutieren über das Für und Wider von Geisterspielen. Aber: Im Kampf gegen Corona wären leere Stadien ein Rückschritt. Ein Kommentar pro Fans in den Arenen.

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Ausgerechnet der Profifußball, über dessen gesellschaftliche Relevanz in Deutschland seit Monaten gestritten wird, hat es vorgemacht: Im Kampf gegen Corona gibt es gute Ideen, die sich in brauchbare Konzepte packen lassen – und die bereits erfolgreich getestet wurden.

Mit Eintracht Frankfurt gibt es dabei sogar einen hessischen Vorreiterclub. Das Hygienekonzept, das am ersten Spieltag gegen Bielefeld die Zulassung von 6.500 Fans möglich gemacht hatte, wurde von einem Team der Uniklinik kritisch beäugt – und anschließend mit Bestnoten bewertet.

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Die Belohnung: Gegen Hoffenheim durften sogar 8.000 Fans in die Arena. Ein erster Fortschritt in einer schwierigen, ungewohnten und herausfordernden Zeit. Ich kann Vorstand Axel Hellmann deshalb gut verstehen, wenn er Geisterspiele wie das für Samstag drohende gegen Bremen als "falsch" und "nicht mehr verhältnismäßig" bezeichnet.

Keine Frage: Die Eintracht-Heimspiele gegen Bielefeld und Hoffenheim fielen in eine Phase, in der das Infektionsgeschehen im Rhein-Main-Gebiet längst nicht so explodierte wie jetzt Ende Oktober. Wann sonst hätte es aber die Möglichkeit geben sollen, die Konzepte zu testen? Und für welche Szenarien wurden sie – auch in Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden – eigentlich entwickelt?

Lieblingsverein wie Lieblingsrestaurant

Mit dem Lieblingsverein ist es momentan daher wie mit dem Lieblingsrestaurant: Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass es immer wieder die Falschen trifft. Die mit den guten Ideen, die es eigentlich wert sind, sie sich näher anzuschauen. Auch die Gastronomie hat sich monatelang Gedanken darüber gemacht, wie sie ihre eigene Wirtschaftlichkeit aufrecht erhalten kann.

Aber was für die einen Sperrstunde und Quadratmeter-Begrenzungen sind, sind für die anderen die Geisterspiele. Eine Sache darf man dabei nicht vergessen: Die Schlagzeile "Corona-Ausbruch bei Bundesliga-Spiel" hat es noch nicht gegeben. "Corona-Ausbruch bei Familienfeier" aber schon.

Platz im Stadion: der einsamste Ort der Welt

Ohne Zweifel: Kontaktnachverfolgungen oder der Schutz unserer Risikogruppen sollten während der Pandemie stets die höchste Priorität haben. Wenn es aber immer wieder heißt, dass wir noch für längere Zeit mit dem Virus leben müssen – dann sollten wir, mit den erfolgreichen Konzepten ausgerüstet, auch damit anfangen.

Manch ein Fan hat seinen Sitzplatz im Stadion zuletzt als den einsamsten Ort der Welt bezeichnet. Die Arenen jetzt wieder komplett dicht zu machen, wäre ein Rückschritt. Weil es eben auch bedeuten würde, dass all die guten Ideen, Ansätze und Hygienepapiere zwangsweise in der Mülltonne landen. Und das kann eigentlich nicht hilfreich sein.

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