Schiedsrichter im Fußball Symbolbild

Nach der Attacke auf einen Schiedsrichter bei einem C-Liga-Spiel im November hat der Hessische Fußballverband Konsequenzen gezogen und Strafen gegen die Übeltäter ausgesprochen. Der Betroffene zeigt sich erleichtert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erneute Attacke auf Schiedsrichter

Ein Schiedsrichter zeigt die rote Karte.
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Es war Business as usual für Turgay Sukan. Eigentlich. Im Kreisligaspiel zwischen der SKG Rumpenheim II gegen Sparta Bürgel II im November entschied der Schiedsrichter in der 80. Minute auf Strafstoß für Rumpenheim. Die Gastgeber trafen zum 1:1, der Verursacher des Elfers klatschte hämisch, es folgten Beleidigungen, dann die Rote Karte. Als Sukan wenig später einen weiteren Bürgeler vom Platz stellte, wurde es wild. Bürgeler Reservisten und ein Co-Trainer stürmten aufs Feld, beleidigten und bespuckten ihn, ein Spieler, der an diesem Tag nicht Teil des Bürgeler Kaders war, verpasste Sukan einen Kopfstoß, auch soll Sukan mit einem Regenschirm geschlagen worden sein. Tumultartige Szenen, festgehalten auf einem verwackelten Handyvideo.

In einer ersten Reaktion sperrte der hessische Fußballverband den Offenbacher C-Ligisten für die damals noch ausstehenden zwei Spiele bis zur Winterpause. Nun kam es am Mittwoch zur Verhandlung vor dem Kreissportgericht. Er habe ein "mulmiges Gefühl", so ein sichtlich angefasster Sukan vor der Verhandlung gegenüber dem hr-Sport. "Jetzt stehe ich wieder vor den Leuten, vor denen ich vor vier Wochen stand. Aber hoffentlich wird heute jeder seine gerechte Strafe bekommen." Die Verhandlung, zu der Medienvertreter keinen Zutritt hatten, dauerte vier Stunden, 19 Zeugen wurden angehört. Seitens Sparta Bürgel gestand man zwar Fehler ein, bestritt aber körperliche Attacken. Auch wegen der Fülle an Informationen ließ sich das Kreissportgericht mit dem Urteil Zeit.

30 Spiele Sperre, 18 Punkte Abzug

Am Freitag dann stand es fest. Sparta Bürgel II bekommt einen Punktabzug von 18 Punkten und muss eine Geldstrafe von 575 Euro zahlen. Zwei Spieler werden für je 30 Pflichtspiele gesperrt, jener Spieler mit dem Kopfstoß für 24 Pflichtspiele, ein weiterer, der den Schiri nicht tätlich anging, für acht. Das mildere Urteil für den Spieler mit dem Kopfstoß ergibt sich dadurch, dass dieser "nicht für den Spielabbruch verantwortlich war", so Jürgen Weil vom Kreissportgericht gegenüber dem hr-Sport.

Die Höchststrafe hätte bei drei Jahren liegen können. Und es hätte nicht verwundert, wenn das Gericht ob der Häufung von Übergriffen auf Schiedsrichter gerade auch in Hessen ein Zeichen gesetzt hätte. Nur knapp drei Wochen vor dem Vorfall in Rumpenheim war ein Schiedsrichter im hessischen Münster bewusstlos geschlagen worden und musste per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Jener Übeltäter wurde für drei Jahre gesperrt. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Sukan weiß nicht, ob er weitermacht

Weil betont aber, dass für die Urteilsfindung auch entscheidend ist, "wie intensiv diese Tätlichkeit war." In der vergangenen Saison habe es im Fußballkreis sieben Übergriffe auf Schiedsrichter gegeben. "Das muss man in Relation sehen und immer den Einzelfall bewerten“, so Weil, der die Strafe als "angemessen" empfindet. "30 Spiele sind kein Pappenstil. Für Offenbacher Verhältnisse haben wir ganz klar ein Zeichen gesetzt."

Auch Sukan spricht von einem "gerechten" Urteil. "Ich bin erleichtert. Ich nehme das Urteil positiv auf, auch wenn ich es für ein bisschen zu wenig halte", so Sukan. Ob er je wieder pfeifen wird, ist dennoch offen. Seine Frau wolle nicht, dass er je wieder als Schiri einen Sportplatz betritt. Er selbst aber sagt: "Es ist Fußballliebe. Ich bin krank nach Fußball." Er wolle jetzt trotzdem erst einmal alles sacken lassen und in Ruhe darüber entscheiden, ob er seine Laufbahn als Schiedsrichter weiterführt. Business as usual wird seine Leidenschaft aber wahrscheinlich nie wieder werden.