Der SV Wehen Wiesbaden ist im Hessenpokal ausgeschieden.

Das Aus des Titelverteidigers, ein Abwehrspieler, der plötzlich Tore schießt und ein verpatztes Debüt: Im Achtelfinale des Hessenpokals hat es am Mittwoch mehr als nur eine Überraschung gegeben. Der Rückblick auf das Spektakel.

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Türk Gücü Friedberg feiert
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Als am Mittwochabend der Schlusspfiff durch das Burgfeldstadion hallte, gab es bei Fans und Verantwortlichen von Türk Gücü Friedberg kein Halten mehr. Sie rannten auf den Platz, jubelten mit den Spielern und auf der kleinen Tribüne brannte binnen Sekunden Pyrotechnik. Der Grund: Der Hessenligist hat sich im Achtelfinale des Hessenpokals gegen den SV Wehen Wiesbaden durchgesetzt.

Am Morgen nach dem "historischen" 1:0 gegen den Drittligisten herrschte in Friedberg noch immer eine Mischung aus ungläubigem Staunen und unbändigem Stolz. Unter einem Mannschaftsfoto nach Abpfiff prangt die Bildunterschrift: "Guten Morgen Pokalsiegerbesieger".

"Tag zum Vergessen" für den SVWW

Ganz anders dürfte sich der Morgen bei jenem Pokalsieger der vergangenen Saison angefühlt haben. "Für uns war es am Ende ein Tag zum Vergessen", hatte Marcus Kauczinski schon am Abend zuvor festgestellt. Der Trainer, der den angeschlagenen SVWW erst in dieser Woche übernommen hatte - und nach anfänglicher Euphorie mit dem Aus im Achtelfinale des Hessenpokals auf dem harten Boden der Wiesbadener Tatsachen angekommen sein dürfte.

"Wir hatten die erste und auch die letzte Chance der Partie gehabt und dazwischen auch ganz viele Möglichkeiten", so der Coach, "die wir aber alle nicht genutzt haben." Anders der Gegner - denn Noah Michel lupfte den Ball nach einem Schnitzer der Wiesbadener Defensive kurz vor der Halbzeit zum entscheidenden Treffer ins Tor. Seine Mannschaft habe alles gegeben, betonte Kauczinski dennoch, aber: "Wir haben nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen."

Alzenaus überraschender Matchwinner

Der Weg in den DFB-Pokal endete für den Topfavoriten damit früh und jäh. Das Aus des Titelverteidigers aber war nicht die einzige Überraschung an einem wilden Pokalabend. Denn packend war auch die Partie zwischen SV Rot-Weiß Hadamar und Bayern Alzenau – mit dem besseren Ende für die Alzenauer, die mit 2:1 gewannen. "Das tut uns gut – von der Seele her", sagte Andreas Trageser, Vorsitzender des Clubs, im Gespräch mit dem hr-sport.

Besonders stolz ist Trageser auf Lamin Neneh Tamba, den Matchwinner des Pokalabends. Eingewechselt in der 83. Minute, Treffer in der 89. und der ersten Minute der Nachspielzeit und damit Spiel gedreht. "Der hat sich richtig gefreut", verriet der Vorsitzende. Das Besondere: Tamba ist eigentlich Abwehrspieler der U23, wurde beim Nachwuchs allerdings zum Stürmer umfunktioniert und traf prompt.

Umschulung geglückt

Weil auch im Hessenliga-Team von Alzenau ein Mangel an Stürmern herrscht, hat der Verein Tamba kurzerhand dort mit trainieren lassen. "Er sollte einfach mal ein bisschen Hessenliga-Luft schnuppern", so Trageser. Sechs Minuten hatte er da auf der Uhr als er am Mittwochabend im Pokal eingewechselt wurde und die Partie drehte. "So muss die Entwicklung sein", sagte Alzenaus Vorsitzender nicht ohne Stolz. In der nächsten Runde dürfte Tamba sicher mit dabei sein. Und vielleicht gibts dann ja die nächsten Pokalüberraschungen.