Ein Spieler der SG Barockstadt

Da wegen der Corona-Pandemie in der Hessenliga nur ein Bruchteil der Spiele absolviert wurde, darf der designierte Meister nicht aufsteigen. Die SG Barockstadt ist empört und kündigt Widerspruch an. Gießen und Kassel stellen den Sekt kalt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kassels Trainer Damm: "Information positiv aufgenommen"

Tobias Damm, Trainer KSV Hessen Kassel
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Eine schnöde Pressemitteilung brachte den Traum vom Aufstieg der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz am Donnerstagabend zum Platzen. Die E-Mail mit dem Betreff "Keine Aufsteiger aus den Oberligen" beendete die Hoffnungen des Hessenliga-Spitzenreiters auf einen Startplatz in der Regionalliga Südwest und sorgte gleichzeitig für große Erleichterung bei den hessischen Regionalligisten FC Gießen und Hessen Kassel. Wut hier, Freude da.

Wie der Verband mitteilte, wird es in der aktuellen Saison wegen den Corona-Auswirkungen keinen Hessenliga-Aufsteiger und folglich nur zwei Regionalliga-Absteiger geben. Gut für die, die nicht runterwollen. Schlecht für den, der laut Tabelle nach oben gehört. "Das ist ein absolutes Unding, dass da willkürlich die Zahl der Absteiger geändert wird. Wir können das überhaupt nicht verstehen", echauffierte sich Martin Geisendörfer aus dem Vorstand der SG Barockstadt am Freitag im Gespräch mit dem hr-sport.

Hessenliga-Meister darf nicht aufsteigen

Aber der Reihe nach: Da die Hessenliga in Folge der Corona-Pandemie bereits Ende Oktober abgebrochen und damit nicht annähernd die Hälfte der Saison gespielt wurde, hat die Tabelle laut der Spielkommission der Regionalliga keine sportliche Aussagekraft. Heißt: Die Meisterschaft ist wertlos, Spitzenreiter Fulda-Lehnerz bleibt fünftklassig. Auch in der kommenden Spielzeit heißen die Gegner Baunatal oder Eddersheim statt FSV Frankfurt oder Kickers Offenbach.

"Das widerspricht jedem Verständnis von sportlichem Wettbewerb", kritisierte Geisendörfer. Dass die Osthessen von ihrer Degradierung zudem nur über den Presseverteiler erfuhren, verstärkt die Wut. "Ich bin sprachlos." Geredet hat mit der SG Barockstadt laut eigener Aussage niemand.

Regionalliga-Kellerkinder atmen auf

Ganz anders ist die Gemütslage seit Donnerstagabend beim FC Gießen und beim KSV Hessen Kassel. Beide Vereine, die in der noch laufenden Regionalliga-Saison mehr oder weniger stark vom Abstieg bedroht sind (oder waren), dürften im stillen Kämmerlein schon mal auf den vorzeitigen Klassenerhalt angestoßen haben. Denn die wegfallenden Aufsteiger aus den unterschiedlichen Oberligen haben zur Folge, dass es nur zwei statt der vorgesehen sechs Absteiger aus der Regionalliga geben wird.

Diese wären nach aktuellem Stand Eintracht Stadtallendorf und Bayern Alzenau. Gießen, derzeit auf Platz 16, und Kassel, derzeit Zwölfter, wären gerettet. "Das ist eine große Erleichterung und Freude", kommentierte Gießens Notvorstand Turgay Schmidt die freudigen Nachrichten gegenüber dem Gießener Anzeiger. "Wir haben die Information sehr positiv aufgenommen", sagte Kassels Trainer Tobias Damm dem hr-sport. "Fakt ist: Wir haben mit dieser Entscheidung gute Voraussetzungen, weiter in der Regionalliga zu spielen."

SG Barockstadt will sich wehren

Das letzte Wort in Sachen Auf- und Abstieg ist aber wohl noch nicht gesprochen. Obwohl – oder gerade weil – diese Regelung in allen Oberligen angewandt wurde, formiert sich aktuell ein bundesweiter Widerstand. Vereine aus der ganzen Republik haben bereits Klagen angekündigt, diesen Schritt prüft nun auch die SG Barockstadt. "Wir stehen bereits mit den anderen Oberligisten in Kontakt", so Geisendörfer. "Zur Not ziehen wir auch vor Gericht." Ausgang: ungewiss.