Harez Habib mit Thorsten Bauer auf dem Spielfeld im Gespräch.

Der ehemalige afghanische Nationalspieler Harez Habib hat zusammen mit dem KSV Hessen Kassel ein Benefizspiel ins Leben gerufen. Vom Kick am Mittwoch mit hochkarätigen Spielern erhofft er sich viele Tore - aber vor allem ein wichtiges Signal.

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Harez Habib mit einem Fallrückzieher für Kassel.
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Harez Habib schaut mit seiner Frau derzeit unentwegt die Nachrichten. Er will erfahren, wie es in seiner Heimat Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban weitergeht. Von Sozialen Medien habe er etwas Abstand genommen, weil dort auch Falschmeldungen im Umlauf seien, erzählt er. Im Alter von drei Jahren war Habib nach Deutschland gekommen, später spielte er als Fußballprofi für Hessen Kassel und die afghanische Nationalmannschaft.

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Aus erster Hand bekommt er nun von seiner Cousine Informationen, die sich noch immer im Land befindet. "Vor vier Tagen haben wir zuletzt miteinander telefoniert. Sie geht nicht mehr aus dem Haus, die Besorgungen erledigen die Männer, weil die Taliban auf den Straßen patroullieren." Frauen dürften sich nun nicht mehr alleine in der Öffentlichkeit zeigen.

Viele Größen des Klubs dabei - auch der Trainer

Vor zwei Wochen hatte der ehemalige afghanische Nationalspieler im hr über die angespannte Lage berichtet. Dabei war ihm die Idee gekommen, selbst mit einer besonderen Aktion zu helfen. Zusammen mit seinem ehemaligen Klub KSV Hessen Kassel hat der in Frankfurt lebende Habib nun ein Benefizspiel auf die Beine gestellt. Am kommenden Mittwoch, den 8. September, spielen die Teams "Pray4Afghanistan" und "Harez Habib & Friends" um 18 Uhr im Kasseler Auestadion gegeneinander.

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Die erste Mannschaft besteht aus einer Auswahl von unter anderem langjährigen KSV-Spielern, mit denen Habib in seiner Zeit zwischen 2008 und 2012 bei den Kasselern kickte: Thorsten Bauer, Sebastian Gundelach, Christoph Keim, Sven Hoffmeister, Enrico Gaede, Swen Meier sowie Trainer Tobias Damm schnüren die Schuhe. Auf der anderen Seite tritt eine Auswahl von afghanischen Spielern aus ganz Deutschland an. "Sie haben alle höherklassig gespielt, durch meine Zeit in der afghanischen Nationalmannschaft hatte ich noch viele Kontakte und musste nicht großartig herumfragen", erzählt Habib.

Erlös geht an Ortskräfte, Frauen und Kinder

Der Erlös des Spiels kommt dem Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. und dem Verein Afghanische Kinderhilfe Deutschland e.V zugute. Vertreter beider Initiativen sind für den Mittwoch eingeladen. "Uns war es wichtig, diejenigen zu unterstützen, die durch die Taliban besonders leiden: die Frauen und Kinder sowie die Ortskräfte", sagt Habib. "Wir wollen ihnen das Gefühl geben: Wir sind für euch da." Für ihn gehe es beim Spiel nicht um Poilitik, sondern um ein Zeichen der Solidarität.

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Dass das Spiel so schnell veranstaltet werden konnte, hat auch mit dem besonderen Engagement des KSV zu tun. "Ich möchte mich bei Jens Rose und Daniel Bettermann bedanken, die sich wirklich für dieses Benefizspiel ins Zeug gelegt haben", sagt Habib über den Vorstand des Klubs. Tickets für das Spiel kosten zehn (Erwachsene) bzw. fünf Euro (Kinder). Außerdem richtete der Klub ein Spendenkonto ein.

Habib und Yussuf Burak spielen für beide Teams

Habib selbst wird zusammen mit dem ebenfalls Ex-Kasseler Spieler Yussuf Barak wohl in der Halbzeitpause das Trikot wechseln und somit am Mittwoch für beide Mannschaften auflaufen. Sein Tipp: Endstand 3:3. Er wünscht sich also viele Tore und am wichtigsten ein Zeichen für die leidgeprüften Menschen in Afghanistan.

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