Moritz Hartmann

Die Frage ist fiktiv: Hätte Moritz Hartmann ohne die Corona-Pandemie ausreichend Spiele für eine Vertragsverlängerung bei den Offenbacher Kickers bestritten? Der Stürmer glaubt ja - und geht deshalb vor Gericht gegen den Regionalligisten vor. Der Club ist tief enttäuscht.

Zwölf Mal lief Hartmann bis Mitte März für den OFC auf, zählte dabei nach seinem Last-Minute-Wechsel im Spätsommer 2019 lange zu den Stammkräften. Doch dann kam Corona: Die Regionalliga-Saison wurde nach langem hin und her abgebrochen, und Hartmann stand plötzlich ohne gültiges Arbeitspapier da. Einer Klausel, wonach sich sein Vertrag ab einer gewissen Einsatzzahl um ein weiteres Jahr verlängern sollte, machte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Dabei wähnte sich der Stürmer bis zu diesem Zeitpunkt auf dem besten Weg.

Sobotzik: Rein sportliche Gründe

Im Mai, als der bevorstehende Abbruch langsam konkrete Formen annahm, teilten die Kickers dem 34-Jährigen schließlich mit, dass man nicht mehr mit ihm plane. Von einer Vertragsverlängerung sah man unabhängig von der nicht erfüllten Einsatzklausel ab. "Es gab ein klärendes Gespräch noch vor Saisonende. Die Entscheidung nicht weiterzumachen hatte rein sportliche Gründe", sagt OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik am Mittwoch dem hr-sport.

Doch das will Hartmann nicht auf sich sitzen lassen. Der langjährige Ingolstädter Bundesliga- und Zweitliga-Angreifer klagt nun vor Gericht auf eine Fortführung seines Arbeitsverhältnisses. Der Vertrag soll nach Ansicht des Spielers wegen der pandemiebedingt nicht erfüllbaren Bedingung um ein weiteres Jahr verlängert - oder entsprechend finanziell kompensiert – werden. Erster Gütetermin ist am 21. August vor dem Offenbacher Arbeitsgericht.

Kickers-Anwalt siegessicher

"Es kam völlig unerwartet", sagt Sobotzik zum Erhalt des entsprechenden Anwaltschreibens. Vor allem menschlich zeigte sich der Ex-Profi von Hartmann bitter enttäuscht. "Ich hätte diesen Schritt nicht von ihm erwartet und kann nicht nachvollziehen, dass man so vorgeht", so Sobotzik. Einen Gefallen tue sich Hartmann mit diesem Schritt vor Gericht und damit in die Öffentlichkeit jedenfalls nicht, ist der Kickers-Geschäftsführer überzeugt.

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„Ich hätte diesen Schritt nicht von ihm erwartet und kann nicht nachvollziehen, dass man so vorgeht.“ Zitat von Thomas Sobotzik über Moritz Hartmann
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Zwar gehe man nie entspannt in eine Gerichtsverhandlung. Sorgen um Entschädigungen für den klagenden Stürmer hat Sobotzik aber nicht: "Die Sachlage ist völlig klar." Diese Einschätzung teilt auch OFC-Anwalt Horst Kletke. Der in Fußball-Angelegenheiten erfahrene Jurist sieht "die überwiegende Erfolgsaussicht bei den Kickers", wie er dem hr sagt. Da die Vertragsbedingung nicht erfüllt wurde, sei die sportliche Bewertung entscheidend. "Es gibt kein Recht auf Spieleinsatz, das muss man als Fußballspieler dann schlicht und einfach respektieren", so Kletke.

Dass die Corona-Pandemie möglicherweise einem Greifen der Klausel dazwischen kam, könne man dem Club nicht vorwerfen. "Das ist einfach Pech, das betraf alle", meint der Frankfurter Anwalt.

Hartmann kickt in Kreisliga

Hartmann selbst wollte sich auf Anfrage nicht zu seinem Vorgehen äußern. Er hält sich derzeit auf dem Dorfsportplatz bei Rhenania Bessenich in der Eifel fit. "Sein bester Freund und Trauzeuge hat das eingefädelt. Bei uns spielen noch zwei, drei, die er kennt", berichtet der Sportliche Leiter des A-Ligisten, Benjamin Warrach, stolz. Von den Querelen in Offenbach weiß man in Bessenich nichts. Hier wünscht man sich, dass der Ex-Erstliga-Profi auch in der neuen Saison in der Kreisliga auf Torejagd geht. Um seine Einsatzzeiten müsste sich Hartmann vermutlich keine Sorgen machen.