Das Auestadion in Kassel

Der KSV Hessen Kassel startet den Dauerkarten-Verkauf für die kommende Regionalliga-Saison und rechnet fest mit einer Rückkehr der Fans ins Stadion. Vereinsboss Jens Rose zeigt sich für den Neustart auf und neben dem Platz zuversichtlich.

Noch gibt es viele Fragezeichen, ehe in der Regionalliga Südwest der Ball wieder rollen wird. Die aktuelle Saison wurde offiziell wegen der Corona-Pandemie beendet. Absteiger gibt es keine, aus den unteren Ligen steigt aus hessischer Sicht neben Hessenliga-Spitzenreiter Eintracht Stadtallendorf auch der KSV Hessen Kassel als Tabellenzweiter dank einer Quotientenregel in die vierthöchste Spielklasse auf. Der dafür noch nötige endgültige Abbruch der hessischen Amateurligen gilt auf einer Verbandstagung Mitte Juni als Formsache.

Wann genau und mit wie vielen Teams die Regionalliga die kommende Spielzeit angehen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Anfang September, so der grobe Plan, könnte es losgehen. Je nach Abstiegskonstellation in der seit dem vergangenen Wochenende wieder spielenden 3. Liga, setzen sich die künftigen Regionalliga-Staffeln zusammen. "Wir rechnen mit 22 Mannschaften", sagt der Vereinsvorsitzende des KSV Hessen, Jens Rose, mit Blick aufs aktuelle Tableau.

Dauerkarten trotz Zuschauerausschluss

Beim den Kasselern herrscht seit der Aufstiegs-Entscheidung am Grünen Tisch Aufbruchsstimmung. Seit dieser Woche verkauft der Traditionsclub sogar die ersten Dauerkarten für die neue Saison. Neben 900 Tickets, die wie jedes Jahr von den treuesten Fans und Sponsoren abonniert werden, gehen weitere 1.000 Saisonkarten in den freien Verkauf. "In den ersten 24 Stunden gingen schon 100 weg", berichtet Rose im Gespräch mit dem hr-sport: "Das ist ein schönes Signal, zumal die Fans eine gewisse Unsicherheit eingehen."

Zitat
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der neuen Saison noch ohne Fans gehen wird.“ Zitat von Jens Rose, Vorstand KSV Hessen Kassel
Zitat Ende

Jene Unsicherheit bezieht sich neben all den organisatorischen Baustellen vor allem darauf, dass wegen der Corona-Beschränkungen bis auf Weiteres keine Besucher zu Fußballspielen zugelassen sind. Doch der KSV und Vorstand Rose sind zuversichtlich, bald schon wieder vor gefüllten Rängen spielen zu dürfen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der neuen Saison noch ohne Fans gehen wird", sagt der 59-Jährige. Zum einen biete ein Stadion genug Platz und frische Luft, um gängige Regeln einzuhalten und Gefahren zu minimieren. Zum anderen sei ein Fußballspiel ohne Zuschauer nicht gesellschaftsfähig. "Ich schaue mir die Geisterspiele derzeit nicht an", so Rose.

Stimmen nach Fans werden lauter

Mit ihrem Wunsch nach mehr Normalität im Fußball stehen die Nordhessen keinesfalls alleine da. Auch in den stärker vom Coronavirus betroffenen Ländern Italien und Frankreich fordern Vereine und Verbände eine schrittweise Öffnung der Stadien zur neuen Saison. Der spanische Zweitligist UD Las Palmas will sogar schon beim Liga-Neustart Mitte Juni wieder Fans zulassen.

Knapp 10.000 Zuschauer - 30 Prozent der Stadionkapazität – könnten dann nach dem möglichen Inkraftsetzen von Lockerungsplänen der spanischen Regierung wieder in das Estadio de Gran Canaria pilgern. Auch in Deutschland kommt die Debatte um ein Ende der Geisterspiele immer mehr in Fahrt. Einzelne Mediziner und Politiker sowie Bundesliga-Funktionäre wie die Ex-Profis Oliver Kahn und Sebastian Kehl machten sich bereits für den zwölften Mann stark.

Das Risiko hält sich in Grenzen

Jens Rose

Mit einem Zuschauerkonzept nach spanischem Vorbild für knapp ein Drittel der vorhandenen Plätze könnte sich auch der KSV mittelfristig bestens anfreunden. Immerhin würden dann bis zu 5.700 Fans das Team im knapp 19.000 Zuschauer fassenden Auestadion unterstützen können - eine Größenordnung, die bei Regionalliga-Spielen in der Regel völlig ausreicht. Mit den nun angebotenen 1.900 Dauerkarten habe man sich zunächst für 10 Prozent der Gesamtkapazität entschieden, sagt Rose. Das ließe sich aber schnell erweitern.

"Wir dürfen die Pandemie nicht unterschätzen, aber wir wollen vorbereitet sein", erklärt der Vereinsboss die frühe Verkaufsphase. Um zusätzliche Einnahmen sei es dabei nicht in erster Linie ergangen. Vielmehr wolle man seinen Fans die Chance einräumen, sich bei einer schrittweisen Öffnung einen Platz im Stadion zu sichern. Der Verkauf der Saisontickets erfolge zudem zum Vorzugspreis, beteuert Rose. Das Risiko halte sich also in Grenzen. "Und wenn wirklich eine zweite Corona-Welle kommen sollte, dann werden wir auch keinen Fußball spielen."

Als Aufsteiger überraschen

Sportlich geht es für den KSV nun darum, in den nächsten Wochen eine schlagkräftige Mannschaft für die neue Saison zusammenzustellen. Auch hier ist bei den Nordhessen wenig von Corona-Verdruss zu spüren. Man habe in den vergangenen Jahren ein paar Rücklagen bilden können. "Ich denke, dass wir da gut rauskommen", sagt Rose, der dem Aufsteiger sogar zutraut, "eine gute Rolle spielen" zu können. Und das am liebsten mit den eigenen Fans im Rücken.