Immerhin 95 Zuschauer durften beim FSV Frankfurt dabei sein.

Es ist mehr als nur ein Testspiel! Der FSV Frankfurt wendet sein Hygienekonzept erstmals an und lässt 95 Zuschauer zu. Es sind viele Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt. Der erste Schritt ist geschafft. Ein Erlebnisbericht.

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zum Video FSV Frankfurt nach Neustart mit Zuschauern zufrieden

Der FSV Frankfurt freut sich über einen geglückten Auftakt.
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Um Punkt 14 Uhr ist es am Samstagnachmittag so weit. Der Pfiff von Schiedsrichter Karsten Pfeiffer auf dem Bornheimer Hang zwischen dem FSV Frankfurt und Viktoria Aschaffenburg ertönt. Als Egson Cashi den Anstoß ausführt, ist eine große Hürde bei einem in dieser Form noch nicht gekannten Härtetest genommen.

95 Zuschauer beim ersten Spiel mit Publikum dabei

Nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im März dürfen erstmals wieder Zuschauer ins Stadion, 95 sind live dabei. Der Regionalligist hat für dieses kleine Stadionerlebnis die Haupttribünen-Blöcke A und B geöffnet. Viele Tage und Nächte Arbeit stecken in dem eigens ausgearbeiteten Hygienekonzept. Obwohl Veranstaltungen bis zu 250 Personen in Hessen zugelassen sind, liegt das Papier dem Gesundheitsamt in Frankfurt vor. Alles soll so offiziell wie möglich ablaufen.

Zwei Stunden nur hat es gedauert, dann waren die Tickets auch schon weg. Fünf Euro teuer, daheim ausdruckbar und personalisiert sind die wenigen Karten. Nur wer seinen Personalausweis vorzeigt und die Hygieneregeln annimmt, darf rein. "Wir hatten ein bis zwei Störfeuer. Da waren wir rigoros und konsequent. Es gibt keine Ausnahmen", sagte Christian Sollich, Direktor Marketing, Vertrieb und Kommunikation, dem hr-sport. Übrigens: Wer kurzfristig erkrankt, der muss eine Weitergabe des Tickets auch beim Verein anmelden.

Fans halten sich diszipliniert an die Regeln

Erstmals durchatmen dürfen die Verantwortlichen nach dem Einlassprozedere. Der erste Desinfektionsmittel-Spender steht vor dem Eingang, die weiteren verteilen sich an den neuralgischen Punkten vor dem Block und den sanitären Anlagen. Die anwesenden Anhänger verhalten sich diszipliniert, ein Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst meldet keine groben Verstöße. Einzig eine Handvoll Fans außerhalb des Stadions macht sich lautstärker bemerkbar, doch kurz nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit verlässt das Grüppchen das Gelände.

Auch am Imbiss-Stand gibt es keine Rangeleien. Mit Mund-Nasen-Schutz, der auf dem gesamten Gelände getragen werden muss, und 1,5 Metern Abstand werden die Stadionwurst und das Bierchen bestellt. Streng sind die Maßnahmen auch im Block. Hier gilt ebenso die Abstandsregel, selbst Angehörige dürfen nicht nebeneinander sitzen, auch Delegationen und Spielerfrauen waren - außer sie haben ein Ticket käuflich erworben - diesmal nicht dabei. Immerhin: Die Partie darf ohne Maske auf der Nase verfolgt werden.

FSV meistert Härtetest

Das alles zeigt: Der Mehraufwand für den Klub ist groß, die Kontrollen sind für alle Beteiligten länger, konsequenter und rigoroser. Fehler dürfen keine unterlaufen. Lob für die Arbeit gibt es vom Chef. "Ohne die vielen Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer wäre ein so reibungsloser Ablauf nicht möglich gewesen. Sie haben das toll gemacht", sagt Sollich.

Für die treue Anhängerschaft endet eine 137 Tage andauernde Durststrecke, beim Halbfinale um den Hessenpokal in Stadtallendorf am 11. März war letztmals Publikum dabei. "Ich war damals noch dabei. Das war deshalb schon ein besonderer Moment", gibt Anhänger Pascal Stich einen Einblick in seine Gefühlswelt. Auch Thomas Horn, langjähriger FSV-Fan, gibt zu: "Ich war davor aufgeregt wie ein kleines Kind. Es ist ein gutes Gefühl, wieder live dabei sein zu dürfen. Man muss den Verein loben, es verlief alles reibungslos."

Diese Herausforderungen hat der FSV zu bewältigen

Doch wie sich die Situation bei der zehn- oder elffachen Anzahl gestaltet, ist noch völlig offen. Eine 40- oder 50-prozentige Auslastung des mit einem Fassungsvermögen von 12.542 ausgestatteten Bornheimer Hangs? Der Praxis zeigt, wie utopisch dieser Gedanke ist! Die Frankfurter streben 1.200 bis 1.300 Zuschauer an und haben dafür zwei Herausforderungen zu bewältigen.

Erstens: Im Gegensatz zu den Profiligen sind die Regionalligisten komplett abhängig von Zuschauereinnahmen. Ein Saisonstart mit Geisterspielen würde somit keinen Sinn ergeben. Zweitens gibt es zeitlichen Druck, schließlich soll das Finale um den Hessenpokal am 22. August gegen den Sieger aus dem Duell zwischen dem FC Gießen und TSV Steinbach vor dieser Anzahl an Besuchern stattfinden. Zehn Prozent also, der Zuschauerschnitt in der vorzeitig wegen Corona abgebrochenen Saison in der Regionalliga Südwest lag bei 1.657 Anhängern.

Das Ergebnis ist nur nebensächlich

Angesichts der vielen Aufgaben gehen die 90 Minuten zwischen dem FSV und den Aschaffenburgern aus der Regionalliga Bayern beinahe etwas unter. Fan-Gesänge sind keine zu vernehmen, Szenenapplaus gibt es vereinzelt, etwa nach einer tollen Parade von Schlussmann Kenan Mujezinovic oder diversen sehenswerten Spielzügen.

Das Tor des Tages in der 67. Minute, Muhamed Alawie verwandelt einen berechtigten Foulelfmeter souverän mit einem trockenen Schuss in die Mitte des Gehäuses, belohnen die Anhänger mit Applaus. Euphorische Jubelszenen bleiben allerdings aus, das Publikum verhält sich diszipliniert. Trainer Thomas Brendel freut sich über das Ergebnis und den Ablauf: "Es ist gut, dass wir einen Anfang gemacht haben und uns auf dem richtigen Weg befinden. Schön, dass wir wieder auf dem Platz stehen und spielen können."

Sollich zieht positives Fazit

Die Mannschaften und Schiedsrichter lassen ebenfalls keinen Raum für Kritik, sie betreten getrennt das Feld und verzichten nach Abpfiff auf Trikottausch und lange Umarmungen. Das Rahmenprogramm mit Musik und Stadionsprecher fällt komplett aus. Dennoch sorgt Alawie mit seinem Tor für das Sahnehäubchen auf einen für den FSV rundum gelungenen Tag.

Sollich darf zwar nicht lange durchatmen, beim letzten Testspiel vor dem Finale sollen im August dann schon 200 Zuschauer dabei sein. Doch er zieht ein positives Fazit: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ablauf. Alle sind bereit für die Saison mit Zuschauern."