Collage: Strujic und der FC Giessen
Sasa Strujić (li.) und der TSV Steinbach Haiger treten am Dienstagabend beim FC Gießen (Archivbild) an. Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

In der Regionalliga Südwest empfängt der FC Gießen am Dienstagabend den TSV Steinbach Haiger. Was kaum jemand, eigentlich niemand, weiß: Das ist ein Derby.

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Die Regionalliga läuft noch knapp neun Monate, von einer Entscheidung im Titelkampf sind der TSV Steinbach Haiger und der FC Gießen noch meilenweit entfernt. Aber nur um sicherzugehen: Ein bedrucktes Banner samt Rundflug über dem Stadion des Gegners kostet bei gängigen Online-Anbietern etwa 2.000 Euro.

Also für den Fall, dass die Steinbacher bzw. Gießener ihren großen Rivalen ähnlich verspotten wollen wie einst die Fans von Borussia Dortmund jene des FC Schalke 04. Nachdem die Borussen dem ungeliebten Nachbarn im Derby 2007 nämlich die Meisterschaft versaut hatten, buchten ein paar besonders witzige BVB-Fans ein Flugzeug, das am letzten Spieltag über dem Gelsenkirchener Stadion kreiste und dabei ein Banner im Schlepptau hatte. Die Aufschrift: "Ein Leben lang keine Schale in der Hand."

"Wir wollen den Derbysieg"

Flugzeuge hat man über Steinbach bis dato zwar eher selten kreisen sehen, immerhin aber Banner im Fanblock. "Wir wollen den Derbysieg", stand darauf, der TSV postete ein Bild davon auf Instagram. Hessen Kassel und den Amateuren Hoffenheim gefiel das. Nur: "Welches Derby?", könnten böse Zungen fragen.

Das Mittelhessenderby am Dienstagabend (18 Uhr). Knapp 55 Kilometer liegen zwischen Steinbach und Gießen, die regionale Voraussetzung für eine gepflegte Rivalität ist also gegeben. Die Historie, die ein Derby eigentlich benötigt, allerdings nicht unbedingt. Die gemeinsame Pflichtspielhistorie beschränkt sich auf lediglich zwei Aufeinandertreffen 2016. Der FC Gießen existierte damals noch nicht, der Vorgängerverein hieß SC Teutonia Watzenborn-Steinberg. Dem TSV Steinbach ging der Zusatz Haiger ebenfalls noch ab. Die Spiele gingen 5:1 für Steinbach und 3:0 für Watzenborn aus. Flugzeuge flogen keine.  

"Für die Region ist die Partie ein wichtiges Spiel"

Aber das kann ja noch werden. Immerhin das passende Derby-Vokabular haben sich beide Seiten schon angeeignet. "Derbys sind immer 50:50-Spiele. Wir müssen dort alles raushauen", so TSV-Trainer Adrian Alipour. Neuzugang Manuel Hoffmann weiß: "Für die Region ist die Partie in Gießen definitiv ein wichtiges Spiel. Ich bin heiß auf das Derby. Das sind einfach die geilsten Spiele, die es gibt!" Auf der Homepage der Gießener heißt es: "Bangemachen gilt nicht! Gebt alles, Jungs."

Wie es scheint, hat Fußball-Deutschland ein neues Derby. Wobei eine solche Bezeichnung ja auch mit Leben gefüllt werden will. Was wiederum die Frage aufwirft, ob die Derby-Ankündigungen der Verantwortlichen auch auf dem Platz und den Rängen umgesetzt werden. Wird es diverse Rudelbildungen und Rote Karten geben? Wird die Polizei in ausreichender Mannschaftsstärke vor Ort sein? Werfen die Fanlager bei Eckbällen Schweineköpfe auf den Platz? Wechselt Andy Möller noch kurzfristig zum FC Gießen, um noch kurzfristiger zum TSV Steinbach weiterzuwechseln und im Waldstadion mit einem epischen Pfeifkonzert empfangen zu werden?

"Derbys sind immer geil, da sind Emotionen drin"

Fragen über Fragen. Klar ist: "Das wird ein Kampfspiel. Derbys sind immer geil, da sind Emotionen drin", so Steinbach-Stürmer Christopher Kramer. Klingt so, als würden die Spieler mit gutem Derby-Beispiel vorangehen wollen.