Michael Görner FSV Frankfurt

Für den FSV Frankfurt findet das Spiel des Jahres schon vor dem Saisonstart statt. Im großen Interview mit hessenschau.de spricht Präsident Michael Görner über die schweren Jahre, die Zukunft seines Vereins und das Hessenpokalfinale am Samstag.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Michael Görner: "Sind keine Graue Maus"

Michael Görner
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Michael Görner war beim FSV Frankfurt eigentlich schon alles. Fan, Auswärtsfahrer, Mädchen-für-alles und ist nun bereits zum zweiten Mal Präsident des Vereins. Höhen, Tiefen - der Familienvater hat mit dem heutigen Regionalligisten alles erlebt. Vor dem Hessenpokal-Finale am Samstag (ab 16.45 Uhr im hessenschau.de-Stream) gegen den TSV Steinbach Haiger spricht der Präsident ausführlich über die aktuelle Situation im Traditionsverein.

hessenschau.de: Herr Görner, können Sie sich noch an den 15. Mai 2016 erinnern?  

Michael Görner: Nein, nicht direkt. Helfen Sie mir auf die Sprünge…  

hessenschau.de: Die Eckdaten sind: Zweite Bundesliga, Saison 15/16, letzter Spieltag. Der Tag, der den Abstieg des FSV aus der 2. Bundesliga besiegelte.  

Vielleicht habe ich das aufgrund des Ereignisses an diesem Tag unterbewusst verdrängt. Ich kann mich aber daran erinnern, dass damals RB Leipzig, die bereits aufgestiegen waren, in ihrem Spiel kein Unentschieden geschafft haben und wir auch deswegen am Ende abgestiegen sind.  

hessenschau.de: Genau so ist es. Leipzig verlor in Duisburg, wodurch der eigene Sieg des FSV wertlos war. Denken Sie noch hin und wieder an den Tag?  

Nein, gar nicht.  

hessenschau.de: Wie sehr hat sich das Schicksal des Vereins an diesem Tag verändert?  

Ein Abstieg ist immer ein schwieriger Einschnitt. Besonders beim Abstieg in die dritte Liga verändern sich die finanziellen Umstände immens. Ich muss aber auch sagen: Wir schauen nicht nach hinten. Auch wenn nach diesem Abstieg noch ein weiterer Abstieg und die Insolvenz folgten. Ab diesem Zeitpunkt, Anfang 2017, haben wir den Verein neu aufgestellt und schauen jetzt nach vorne. Trübsal blasen oder in Nostalgie schwelgen wollen wir nicht.  

hessenschau.de: Dann kommen wir doch direkt zum Alltag. Der heißt nun schon seit mehreren Jahren Regionalliga Südwest. Wird der FSV dort langsam zur Grauen Maus der Liga?  

Damit möchten wir uns nicht identifizieren. Wir haben uns in der Regionalliga gut etabliert. Das war nach den zwei Abstiegen keine Selbstverständlichkeit. Der Verein hat sich auch neu erfunden in den vergangenen Jahren. Wir haben ein Nachwuchsleistungszentrum und erfolgreiche Jugend-Teams, daher muss man schon das Gesamte sehen. Klar ist: Wir sehen uns definitiv nicht als Graue Maus.  

hessenschau.de: Nun ist diese Liga natürlich keine leichte. Manche Vereine, wie zum Beispiel Kickers Offenbach, versuchen schon seit Jahren aufzusteigen. Was macht diese Liga so schwer?  

Erst einmal die Aufstiegsregelung. Lange ist ja nicht einmal der Tabellenerste direkt aufgestiegen. Das ist ein Grund. Dazu kommt, dass es eine total heterogene Liga ist mit zweiten Mannschaften, absoluten Spitzenvereinen mit höherem finanziellen Engagement und dann Vereinen wie uns. Wir haben einen breiten Sponsorenpool, haben aber nicht den einen Geldgeber, der das große Geld gibt.  

hessenschau.de: Bleibt denn das Ziel des FSV, in den Profifußball, sprich in die dritte Liga, zurückzukehren?  

Zuallererst möchte ich sagen, dass wir hier unter Profibedingungen spielen. Wir hatten nach der Insolvenz eine schwierige Phase und mussten bei unseren Partnern erst einmal wieder Vertrauen erarbeiten. Natürlich ist es aber nicht nur eine Frage des Geldes. Wenn aber alles passt, will ich nicht ausschließen, dass wir wieder eine Liga höher angreifen können. Denn natürlich ist es das Ziel des FSV Frankfurt, in einer der ersten drei Ligen zu spielen und nicht für immer und ewig in der Regionalliga zu bleiben. Das ist eine Selbstverständlichkeit.  

hessenschau.de: Zumindest am Samstag winkt wieder so etwas wie die große Bühne. Mit einem Sieg im Hessenpokal wäre der FSV auch direkt in der ersten Runde des DFB-Pokals. Wie wichtig wäre ein Erfolg für den Verein?  

Die Teilnahme am DFB-Pokal wäre natürlich wirtschaftlich lukrativ. Das ist kein Geheimnis. Aber: Es wäre auch eine Belohnung für unsere Arbeit in den vergangenen Jahren. Durch die TV-Übertragung können wir auch medial auf uns aufmerksam machen. Daher ist das für uns natürlich ein wichtiger Nachmittag.  

Weitere Informationen

TAG DER AMATEURE IM ERSTEN

Das Erste überträgt am Samstag, 22.8.2019, ab 14.45 Uhr am großen Tag der Amateure alle Pokal-Endspiele in drei Dreier-Konferenzen. Das Finale des Hessenpokals gibt es zusätzlich ab 16.45 Uhr in voller Länge auf hessenschau.de zu sehen.

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hessenschau.de: Eigentlich sollte das Spiel vor gut 1.000 Zuschauern stattfinden, nun sind es doch nur 250. Sind Sie sehr enttäuscht über die Entscheidung?  

Natürlich bin ich enttäuscht. Wir haben eigentlich die Rückmeldung vom Gesundheitsamt bekommen, dass wir ein sehr gutes Hygienekonzept eingereicht haben. Es hieß auch, dass das mit den Zuschauern machbar ist. Leider ist das nun nicht der Fall. Die übergeordnete Behörde hat leider aufgrund des Infektionsgeschehens entschieden, dass es keine Sondergenehmigung, die es ja wäre, geben kann. Natürlich hätten beide Vereine an so einem Tag gerne ihre Fans dabei gehabt – auch wenn es im Fernsehen übertragen wird. Es ist eben etwas anderes, wenn man live dabei sein.  

hessenschau.de: Wenn wir schon beim Stichwort Corona sind: Die abgelaufene Regionalliga-Saison musste aufgrund der Pandemie abgebrochen werden. Wie hart war diese Zeit für Ihren Verein?  

Wir sind zum Glück auf großes Verständnis bei Partnern und Sponsoren gestoßen. Niemand der Dauerkarten-Inhaber oder VIP-Kunden wollte sein Geld zurück. Das zeigt auch, wie der Verein in der Zeit zusammengewachsen ist. Dadurch konnten wir den finanziellen Engpass etwas abfedern. Aber natürlich haben auch wir Corona-Hilfen beantragt, dazu mussten wir unsere Mitarbeiter und die Mannschaft in Kurzarbeit schicken. Es war insgesamt keine leichte Zeit, aber das geht ja den meisten so. Was definitiv am meisten fehlte, war der Sport. Unsere Plätze hier waren alle leer, das war nicht schön anzusehen.  

hessenschau.de: Dafür wartet auf den FSV durch den Abbruch in der Regionalliga nun eine echte Mammut-Saison.  

Absolut. Das ist ja ein Wahnsinn, die Saison geht in diesem Jahr bis Ende Dezember, fängt dann Ende Januar wieder an und geht insgesamt bis Mitte Juni. Das wird eine erhebliche Belastung. Das, was vor uns liegt, macht mir dadurch sogar mehr Sorgen als das, was hinter uns liegt. Das wird eine absolute Herausfoderung.

hessenschau.de: Sie haben schon erwähnt, dass der FSV keine Existenzängste hatte während der Saisonunterbrechung. Dennoch die Frage: Wie lange könnte ihr Verein denn überleben, wenn längerfristig keine Zuschauer ins Stadion dürften?

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, wie lange man überleben könnte. Wir müssen mit allem, was passiert, umgehen. Dass das schwierig ist, dass wir kreativ sein müssen - das ist klar. Auch, dass wir jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Das hat aber nicht nur mit den Zuschauern zu tun, sondern auch mit den Sponsoren. Wir haben eben nicht den einen großen Geldgeber. Unsere Partner sind auch von der Pandemie betroffen. Da werden dann eben ein paar VIP-Tickets weniger verkauft. Also, kurz gesagt: Ja, es ist schwierig. Wir sind uns aber sicher, dass wir das hinbekommen.

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Livestream

zum Livestream Live: TSV Steinbach Haiger gewinnt Hessen-Pokalfinale

Die Logos von FSV Frankfurt und TSV Steinbach Haiger
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Das Gespräch führte Nicolas Herold.

Sendung: Das Erste, Sportschau, 22.08.20, 14.30 Uhr