Fans des KSV Hessen Kassel
Für Hessen Kassel und seine Fans geht es in der Hessenliga weiter. Bild © Imago

Nach dem Abstiegsschock muss sich der KSV Hessen Kassel neu sortieren. Finanziell kann der Traditionsclub die Hessenliga offenbar stemmen, als Favorit sehen sich die Nordhessen aber nicht.

Das endgültige Ende kam am 27. Mai. Weil Waldhof Mannheim und der 1.FC Saarbrücken den Sprung in die 3. Liga verpassten, muss der KSV Hessen Kassel in die Hessenliga weichen.  Es war ein Abstieg auf Raten, der seinen Ursprung vielleicht schon im Frühsommer 2013 nahm. Damals stand der KSV nämlich kurz vor dem Sprung in die 3. Liga – und scheiterte in der Aufstiegsrelegation nur knapp an Holstein Kiel.

Während die Norddeutschen mittlerweile an der Tür zur Bundesliga kratzen, müssen die Nordhessen nach sportlichen Krisen und überstandener Insolvenz in die Fünftklassigkeit. Mit all den sportlichen und finanziellen Folgen. Der Verein habe den Abstiegsnachmittag trotzdem gelassen verfolgt, sagt Vorstandsmitglied Jens Rose im Gespräch mit dem hr-sport. "Wir konnten es sowieso nicht mehr beeinflussen. Uns waren die Hände gebunden und die Chancen waren zu gering."

Seit Januar schuldenfrei

Wegen der Insolvenz im vergangenen Jahr war Kassel mit der Last von neun Minuspunkten in die Saison gestartet. Diesen Rückstand konnte der KSV auch mit einer starken Rückrunde mit 28 Zählern nicht mehr aufholen. Trotz des Abstiegs wird der Club laut Rose nicht in Einzelteile zerfallen. "Wir haben seit Januar keine Schulden mehr gemacht und seitdem einen Überschuss von 50.000 Euro erzielt", rechnete das Vorstandsmitglied vor.

Mit Trainer Tobias Cramer hat Kassel zudem den ersten sportlichen Pflock für die Zukunft eingeschlagen. "Sein Vertrag galt zuvor bis 2020 für die Regionalliga und den haben wir jetzt auf die Hessenliga ausgeweitet." Die Aufgabe für ihn ist klar definiert: "Wir wollen ein Spielsystem festsetzen, das von oben nach unten für alle Mannschaften gilt. Er will den Klub wieder hochbringen."

KSV bleibt im Auestadion

Zunächst müssen dafür die Rahmenbedingungen stimmen. Die Löwen werden mit einem Etat in Höhe von ungefähr 800.000 Euro für den Gesamtverein in der Hessenliga starten. "Davon fließen 50 Prozent in den Profibereich", so Rose. Die Spiele werden weiterhin im Auestadion ausgetragen, das das Vorstandsmitglied als "unsere sportliche Heimat" bezeichnet: "Die Zuschauer wollen uns auch in dieser schweren Stunde treu bleiben."

Mit der langen Tradition und dem für Hessenliga-Verhältnisse großen Anhang hat Hessen Kassel in der fünften Liga mit Sicherheit die größte Strahlkraft. Als Topanwärter auf den Aufstieg sieht Rose den Absteiger aber nicht automatisch: "Fulda ist sicherlich Favorit, ihr Etat ist doppelt so hoch wie unserer", sagt er über den neu Fusionsclub "SG Barockstadt", der zur neuen Saison aus Borussia Fulda und dem TSV Lehnerz gebildet wird. "Aber auch Teutonia Watzenborn-Steinberg oder Lohfelden darf niemand unterschätzen."

Die "Wundertüte" der Hessenliga?

Kassel selbst will das Unterfangen Aufstieg mit vielen U19-Spielern aus der eigenen Jugend angehen. Externe Neuzugänge sind nur dann möglich, wenn Akteure in den Nachwuchsleistungszentren größerer Klubs gescheitert sind: "Wenn sie merken, dass sie an der Grenze angelangt sind, dann steht ihnen bei uns die Türe offen."

Rose bezeichnete die neue Mannschaft daher als "Wundertüte, die positiv überraschen kann". Dafür müsse das Team "die Liga aber sofort annehmen". So, wie es die Vorgängermannschaft trotz aussichtslos erscheinender Ausgangslage in der Regionalliga tat, und nur knapp scheiterte – weil am Ende drei Punkte und das nötige Glück am "Abstiegs-Nachmittag" fehlten.