OFC-Präsident Joachim Wagner

Die Corona-Krise trifft die Offenbacher Kickers wie alle Regionalligisten ausgesprochen hart. OFC-Präsident Joachim Wagner fühlt sich vom DFB "im Regen stehen gelassen". Bauen kann er hingegen auf die OFC-Familie.

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zum Video OFC-Präsident Wagner: "Das ist ein Riesenproblem"

Joachim Wagner führt den OFC als neuer Präsident an.
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Die Saison unterbrochen, die Welt in Quarantäne, und dann auch noch ein Fußballclub, den es zu managen gilt – kein Wunder, dass OFC-Präsident Joachim Wagner an der aktuellen Situation zu knabbern hat. "Gestresst sind wir alle, es sind schlimme Zeiten", so der 52-Jährige im Gespräch mit dem hr-sport. "Jeder hat sein Paket zu tragen, privat und beruflich. Und bei mir kommt noch der Fußballverein hinzu."

Wagner ist sicherlich keiner, der jammert. Und dennoch: Sein Verein gehört ja bereits abseits von Corona nicht eben zur pflegeleichten Sorte. Seit Jahren mühen sich die Kickers, der Regionalliga zu entkommen, die dem OFC sportlich und vor allem auch finanziell zu eng ist. Entsprechend ungemütlich stellt sich die Situation angesichts der unterbrochenen Saison dar. "Es ist für alle Regionalligisten extrem dramatisch, 90 Prozent unserer Einnahmen kommen durch Zuschauer und Sponsoren. Das bricht uns gerade weg, das ist ein Riesenproblem", so Wagner.

"Die Regionalliga ist eine Liga, in der man sehr schlecht leben kann"

Für die Kickers, aber auch für die Konkurrenten, die aktuell im selben Boot sitzen. "Ich wünsche mir, das jeder Regionalligist aus dieser Situation herauskommt. Jeder Verein, der die Situation nicht übersteht, wäre ein herber Verlust", so Wagner. "Aber ich befürchte, dass der eine oder andere in Probleme gerät, die er nicht mehr kompensieren kann. Die Regionalliga ist eine Liga, in der man sehr schlecht leben kann. Das ist durch diese Situation beschleunigt worden."

Weswegen Wagner auch explizit den DFB in die Pflicht nimmt, denn ohne Hilfe von Außen wird es für viele Clubs existenzbedrohend. "Irgendwo muss eine Unterstützung herkommen", so Wagner. "Ich hoffe, dass sie vom DFB kommt. Aktuell ist aber noch keine Unterstützung zugesagt worden. Das ist wirklich traurig, da fühlt man sich im Regen stehen gelassen. Wenn man diese Regionalliga, dieses System weiter haben möchte, muss den Vereinen dringen geholfen werden. Und ich würde mir wünschen, dass sich der DFB bewegt."

"Die Situation ist extrem ernst, wir brauchen dringend Hilfe"

Schnelle Hilfe ist das eine, eine aufgezeigte Perspektive das andere. Denn es ist vor allem auch die fehlende Planungssicherheit, die Wagner zu schaffen macht. Niemand müsse beim OFC derzeit auf sein Gehalt warten. "Die Situation ist extrem ernst, wir brauchen dringend Hilfe. Es ist aber nicht so, dass wir in drei oder vier Wochen zum Amt müssen“, so Wagner.

Klarheit, wie und wann es weitergehe, brauche man aber schon. "Wir waren schon in der Planung für die neue Saison. Aber mit was planen wir? Starten wir die Saison ganz normal, oder ohne Zuschauer? Das wäre für uns ein herber Einschnitt. Wir müssen, um seriös arbeiten zu können, wissen, wie es weitergeht. Und das können wir nicht. Das ist das, was mich am meisten beunruhigt."

"Das ist der OFC"

Und so bleibt das aktuell einzige, auf das sich der OFC und sein Präsident verlassen können, die Kickers-Familie hinter dem Verein. Langjährige Sponsoren halten dem Club die Stange, die Geisterticket-Aktion, die die Fans gemeinsam mit dem Verein anleierten, hat bisher 3.000 verkaufte Tickets und damit 45.000 Euro eingebracht. "Ich war begeistert von der Aktion", so Wagner. "Aber das ist der OFC, wir sind es gewohnt, uns selbst neu zu erfinden. Und je enger es wird, desto mehr rückt der Verein zusammen." In Zeiten der Ungewissheit ist das ein hohes Gut.