Joachim Wagner führt den OFC als neuer Präsident an.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wagner: So lief das mit den "Kickers-Freunden"

Joachim Wagner schaffte, was noch keinem vor ihm gelang: einstimmig als Präsident von Kickers Offenbach gewählt zu werden. Wie der neue starke Mann den OFC wieder nach oben bringen will – und was ein Selfie damit zu tun hat. Ein Interview.

Joachim Wagner ist auf der Mitgliederversammlung von Kickers Offenbach zum neuen Präsidenten des Fußball-Regionalligisten gewählt worden. Wir haben mit ihm über sein Verhältnis zum krisenerprobten Club gesprochen, seine Ziele als Vereinsboss und darüber, wie die neue Geldgeber-Bewegung "Kickers-Freunde" entstanden ist.

hr-sport: Herr Wagner, Sie sind einstimmig gewählt worden. Wie viel Rückenwind gibt Ihnen das für das Amt des Präsidenten?

Joachim Wagner: Wir sind sehr glücklich über die Art und Weise, wie wir gewählt wurden. Ein OFC-Präsident ist noch nie einstimmig gewählt worden und auch das Feedback, was wir kriegen, ist sehr positiv. Das gibt uns sehr viel Motivation die kommenden Aufgaben.

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Das ist Joachim Wagner

Joachim Wagner kommt mit einer Menge Stallgeruch ins Präsidentenamt. Der 52 Jahre alte Unternehmer ist Offenbacher und bezeichnet sich selbst als großen Fan des OFC. Umso mehr hofft Wagner darauf, den Club mit finanziellen Investitionen weiterer Unterstützer wieder in den Profifußball zu führen.

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hr-sport: Bei der Mitgliederversammlung haben Sie gesagt, "es ist ein Präsidium aus Fans". Es war zu spüren, wie viel Herzblut Sie mitbringen. Was steckt dahinter?

Wagner: Wir sind alles Menschen, die schon lang mit dem Verein verbunden sind – teilweise haben wir selbst dort Fußball gespielt und deshalb sind die Emotionen ganz andere. Wir wollen den Glanz der Vergangenheit wieder auferlegen, wollen uns den Stolz und den Respekt wieder zurückholen. Das ist es, was uns antreibt.

hr-sport: Wie besonders ist es für Sie, Ihren Lieblingsverein anzuführen?

Wagner: Das ist sehr besonders. Hätte mir jemand in meiner Kindheit gesagt, dass ich irgendwann mal Präsident dieses Vereins werden würde, wäre das nicht real für mich gewesen. Wir wollen den Verein jetzt einfach raus aus dieser Liga bringen, in die wir aus unserer Sicht nicht gehören.

hr-sport: Der OFC spielt aktuell in der Regionalliga. Sie haben die 3. Liga als Ziel ausgegeben – wie und wann wollen Sie das erreichen?

Wagner: Man muss zwischen Zielen und Visionen unterscheiden. Aber – wir haben einen Drei-Jahresplan. Dieser Plan ist jedem Spieler und jedem Verantwortlichen bekannt. Wir wollen in den nächsten drei Jahren aus der vierten Liga raus. Das ist unser Ziel.

hr-sport: Die vergangenen Jahre waren für den OFC nicht einfach – auch und vor allem finanziell. Wie wollen Sie den OFC da aufstellen?

Wagner: Die letzten Jahre waren geprägt von der Insolvenz, deshalb war es auch nicht einfach den Verein in der vierten Liga zu führen. Deshalb ist der Aufstieg auch ein finanzieller Wunsch. Unsere Infrastruktur ist einfach zu teuer, als dass wir in der vierten Liga langfristig überleben können. Da kam uns der Gedanke, ein Bündnis zu bilden. Wir nennen es "Kickers-Freunde".

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"Kickers-Freunde"

Die "Kickers-Freunde" sind ein loser Zusammenschluss privater Geldgeber, die dem OFC finanziell unter die Arme greifen wollen. Über die genaue Zusammensetzung des Bündnisses schweigt sich der Club aus. Definitiv dazu gehört neben Präsident Wagner auch Vizeboss Jörg Briel. Auch über die Höhe der jährlichen Finanzspritze ist nichts bekannt.

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Das ist ein offenes Bündnis, dem sich einige angeschlossen haben und in Vorleistung gegangen sind. Wir versprechen uns, dass noch mehr Menschen dazukommen, um diese große Steinkugel ins Rollen zu bringen. Kennengelernt haben wir uns bei einem Spiel in Elversberg – da haben wir darüber philosophiert, wie man dem Verein helfen kann. Wir haben ein gemeinsames Selfie gemacht und das war der Beginn der "Kickers-Freunde".

hr-sport: Sie wollen den Verein künftig wieder als Einheit präsentieren. Wie schwierig ist das nach den vergangenen Jahren? 

Wagner: Wir dürfen nicht zu sehr zurückblicken. Wir können die Vergangenheit nicht mehr verändern, wir können aber die Zukunft gestalten. Das ist der erste Schritt. Dann müssen wir wieder eine gewisse Wertekultur aufleben lassen – mit Vertrauen, Respekt und Loyalität. Wir müssen sämtliche Gremien bündeln und auch die Interessen zusammenlegen. Aus meiner Sicht ist das schon sehr gut gelungen. Wir haben eine Mitgliederversammlung gehabt, in der ein altes Präsidium zurück- und ein neues angetreten ist. Und das in tiefer Harmonie – das ist nicht selbstverständlich.

hr-sport: Was haben Sie für Rückmeldungen von den Fans bekommen?

Wagner: Die Fans haben eine unglaubliche Sehnsucht nach besseren Zeiten. Die Mitglieder nehmen uns ab, dass wir Fans sind und dem Verein nur Gutes wollen. Da ist ein großer Wille da, uns auch in der Breite zu unterstützen.

hr-sport: Wie groß ist diese Sehnsucht bei Ihnen persönlich?

Wagner: Sehr groß – das ist meine Motivation. Ich habe eine extreme Freude daran, mir Ziele zu setzen und die sind sehr ehrgeizig. Es wäre sehr schön, wenn wir die gemeinsam erreichen würden.

hr-sport: Sie haben den Drei-Jahresplan angesprochen – was ist die Schlagzeile, die Sie dann gern über den OFC  lesen würden?

Wagner: Das ist eine schwere Frage. Ich würde das nicht unbedingt an einem Aufstieg festmachen. Wir können auch sehr gute Arbeit machen und nicht direkt aufsteigen. Eine tolle Schlagzeile wäre: Der OFC ist raus aus der vierten Liga.

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Rose.